Bauernhöfe im Bezirk Leibnitz seit 1980 um die Hälfte gesunken – Landwirtschaft steht vor neuen Herausforderungen

August 30, 2025 11:13
Bauernhöfe im Bezirk Leibnitz seit 1980 um die Hälfte gesunken – Landwirtschaft steht vor neuen Herausforderungen

Unter dem Titel „Früher war alles besser“ beschäftigt sich MeinBezirk mit verschiedenen Themen, holt Meinungen ein und sammelt Fakten, was sich im Laufe der Zeit verändert hat. Die Zahl der Bauernhöfe in Leibnitz hat sich in den letzten 45 Jahren halbiert, obwohl die Flächen gleich geblieben sind – die Herausforderungen für die Landwirtschaft sind gestiegen. Darüber berichtet Welt Stimme.

BEZIRK LEIBNITZ. Die aktuelle Agrarstrukturerhebung zeigt alarmierende Zahlen: In Österreich schließen täglich neun Bauernhöfe. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt landesweit ab, mit einem besonders starken Rückgang in der Steiermark.

Nur mehr 3.000 Bauernhöfe

Im Bezirk Leibnitz ist die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe in den letzten 45 Jahren um mehr als die Hälfte gesunken. Derzeit existieren nur noch rund 3.000 Betriebe. Die landwirtschaftlichen Flächen blieben im gleichen Zeitraum nahezu unverändert. Daher gibt es immer weniger Bäuerinnen und Bauern, von denen rund ein Drittel Frauen sind, die eine größere Fläche bewirtschaften müssen. Christoph Zirngast, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer, erklärt: „Die Land- und Forstwirtschaft im Bezirk Leibnitz hat sich von einem traditionellen und flächenintensiven System zu einer stärker diversifizierten und nachhaltigkeitsorientierten Bewirtschaftung weiterentwickelt.“ Er weist darauf hin, dass Vielfalt, Regionalität und Innovation im Vordergrund stehen. Insbesondere die Veredlungswirtschaft im Bereich der Schweinehaltung sowie die erhebliche Qualitätssteigerung im Weinbau sind für die Region von großer Bedeutung.

Knapp 34.000 Hektar werden in Leibnitz landwirtschaftlich genutzt, was 45 Prozent der Fläche im Bezirk ausmacht – nur in der benachbarten Südoststeiermark ist der Anteil größer. Dabei sind die Weingärten nicht berücksichtigt.

Ein Strukturwandel in der Landwirtschaft ist seit langem zu beobachten: Die Anzahl der Betriebe sinkt, während die Flächen der verbleibenden Betriebe wachsen. Auch die Anzahl der gehaltenen Nutztiere pro Hof nimmt zu. Im internationalen Vergleich zeigt sich allerdings, dass die heimische Landwirtschaft nach wie vor kleinstrukturierte Betriebe aufweist, die größtenteils in Familienbesitz sind.

Unwetter werden häufiger und intensiver

In Leibnitz werden rund zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe im Nebenerwerb geführt. „Der Druck auf unsere Betriebe durch Bevölkerungszunahme und Flächenverbrauch steigt von Jahr zu Jahr“, so Zirngast. „Gleichzeitig wächst die Forderung nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Boden und Ressourcen.“ Besonders die zunehmenden Wetterextreme aufgrund von Klimaveränderungen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Landwirtschaft dar. „Hagel, Sturm, Starkregen, Spätfrost und Dürre gefährden regelmäßig die Ernten“, erklärt Zirngast. Diese Wetterlagen betreffen auch die betriebliche Infrastruktur, da Höfe sich gegen diese Risiken mit Versicherungen und technischen Schutzmaßnahmen wappnen müssen.

Die Frage, ob es heute einfacher oder schwieriger ist, in der Landwirtschaft tätig zu sein, beantwortet Zirngast mit einer differenzierten Sichtweise: „Es ist wesentlich technischer, wissensintensiver und vernetzter, aber auch risikoreicher, bürokratisch aufwendiger und betriebswirtschaftlich oft härter als früher.“ Er lobt die Verbesserungen in der Ausbildung an Fachschulen, die Beratungsleistungen der Landwirtschaftskammer und die Vorteile der sozialen Medien, die Vernetzung, Marketing und Vertrieb erleichtern. „Die moderne Technik und Digitalisierung haben viele Arbeitsabläufe vereinfacht“, so Zirngast.

Den gegenüberstehenden Herausforderungen stehen Risiken von Ernteausfällen durch Wetterextreme sowie gesetzliche Vorgaben und Förderungen gegenüber. „Diese bringen einen hohen bürokratischen Aufwand in Form von Aufzeichnungen, Belegen oder Anträgen mit sich“, betont Zirngast, der auch Bürgermeister seiner Gemeinde ist. Zudem sind die Preise für landwirtschaftliche Produkte stark schwankend und vom globalen Markt abhängig. „Auch wenn es nicht immer einfach ist und die Herausforderungen groß sind, ist Landwirt für viele Menschen ein erfüllender Beruf“, fasst Zirngast zusammen.

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