Die Digitalisierung beeinflusst den Arbeitsmarkt in der Region Schwechat erheblich. Eine aktuelle Umfrage offenbart, dass die Bevölkerung sowohl Chancen als auch Befürchtungen in Bezug auf den digitalen Wandel sieht. Darüber berichtet Welt Stimme.
REGION SCHWECHAT. Die Zukunft der Arbeitswelt steht im Zentrum der Debatte: Verdrängen Roboter und Künstliche Intelligenz die Menschen aus ihren Jobs? Bei der größten Meinungsumfrage in Niederösterreich, „So tickt Niederösterreich“, haben 5.300 Menschen, darunter viele aus der Region Schwechat, ihre Meinung geäußert. Die Ergebnisse sind durchwachsen und zeigen eine gespaltene Wahrnehmung des digitalen Wandels unter der Bevölkerung.
Der Einfluss von KI und Automatisierung ist unbestreitbar. Während 55 Prozent der Befragten die Entwicklung als wichtig für die Gesellschaft erachten, sehen 41 Prozent kaum einen Relevanz. Zwei von fünf empfinden sogar eine Erleichterung durch neue Technologien am Arbeitsplatz. Wesentlich ist jedoch, dass über ein Drittel der Befragten aus dem Industrieviertel die Befürchtung äußern, von Künstlicher Intelligenz ersetzt zu werden.
Forderung nach gerechterer Steuerverteilung
Angesichts der zunehmenden Automatisierung durch Unternehmen wird eine gerechtere Verteilung der Steuerlast gefordert. Eine klare Mehrheit von 71 Prozent der Befragten spricht sich für eine Neuausrichtung der Steuerpolitik aus, während nur 12 Prozent mit der gegenwärtigen Situation zufrieden sind. Dies stellt einen klaren Auftrag dar: Die Finanzierung des Sozialstaates soll nicht allein von den Arbeitnehmer:innen getragen werden.
Die Umfrage zeigt auch, dass die Mehrheit der Befragten Vertrauen in die Zukunft des Handwerks und der Technik hat. 98 Prozent halten Berufe in diesen Bereichen für krisenfest und 77 Prozent würden ihren Kindern empfehlen, eine entsprechende Ausbildung zu wählen.
Steigender Arbeitsdruck
Besorgniserregend ist die hohe Wahrnehmung des Arbeitsdrucks: 85 Prozent der Befragten berichten von einer merklichen Erhöhung des Drucks in den letzten Jahren. Die Bevölkerung fordert bessere Rahmenbedingungen, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.
Die Diskussion über Teilzeitbeschäftigung ist ebenfalls von zentraler Bedeutung. 89 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Respekt für Teilzeitkräfte; nur 20 Prozent betrachteten diese als freiwillige Entscheidung, während 79 Prozent sie als zwangsläufig aufgrund von Betreuungspflichten ansehen.
Einwohnermeinungen aus der Region Schwechat
Die Arbeiterkammer Schwechat bestätigt die Erkenntnisse der Umfrage. „Künstliche Intelligenz muss die Beschäftigten unterstützen und nicht umgekehrt. Dazu sind Mitspracherechte, Weiterbildung und ausreichende Ressourcen notwendig“, so ein Vertreter der AK. Seit 2019 wurden im Rahmen des Zukunftsprogramms Arbeit 4.0 bereits 56 Projekte gefördert, um Arbeitnehmer:innen beim Wandel der Arbeitswelt zu begleiten. Gleichzeitig wird vor den möglichen Verschiebungen des Kräfteverhältnisses auf dem Arbeitsmarkt gewarnt, was unter Umständen zu geringeren Löhnen und höheren Kapitalerträgen führen könnte. Eine gerechtere Steuerverteilung sei notwendig, um den Sozialstaat langfristig abzusichern.
Veränderungen am Arbeitsmarkt
Eva Wienerroither, die Geschäftsstellenleiterin des AMS Schwechat, sieht sowohl Chancen als auch Risiken in der Künstlichen Intelligenz: „Sie kann Routineaufgaben automatisieren und körperlich belastende Arbeiten erleichtern, zugleich entstehen neue Arbeitsplätze. Um der Verdrängung entgegenzuwirken, sind Weiterbildung und Qualifizierung besonders im digitalen und technischen Bereich entscheidend.“ Ein besonderer Bedarf an Fachkräften habe sich besonders im Handwerk und Technik gezeigt, wo 2024 jede zweite offene Stelle in diesen Bereichen gelegen ist.
Auch die Wirtschaftskammer Schwechat erkennt den tiefgreifenden Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringt. Obmann Mario Freiberger erklärt: „KI verstärkt den Transformationsprozess, den die Digitalisierung längst angestoßen hat. Mehr Aufgaben werden von Maschinen übernommen, menschliche Ressourcen werden frei für kreative Tätigkeiten.“ Um im Wettbewerb zu bestehen, sei kontinuierliche Weiterbildung entscheidend. Eine Sondersteuer auf den Einsatz von KI wird von ihm entschieden abgelehnt: „Solche Maßnahmen würden Investitionen und Innovationskraft bremsen – und die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft gefährden.“


