Dürre führt zu dramatischen Ernteausfällen in Niederösterreich
Lorenz Mayr, designierter Präsident der Landwirtschaftskammer, äußert sich im Interview mit MeinBezirk-Chefredakteur Oswald Hicker zur aktuellen Dürresituation in Niederösterreich und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft.
Die Dürre verstärkt sich zunehmend und führt zu erheblichen Ernteverlusten. Bei der Sommerernte betrugen die Verluste im Durchschnitt rund 20 Prozent, teilweise sogar deutlich mehr. Aktuelle Prognosen für die Herbsternte zeigen ein düsteres Bild: Bei Erdäpfeln wird erwartet, dass nicht einmal ein Drittel der üblichen Menge geerntet werden kann. Ähnlich besorgniserregend sind die Erträge bei Mais, Soja, Sonnenblumen, Zuckerrüben und Kürbis.
Tierhalter stehen vor einer herausfordernden Situation, da viele gezwungen sind, Futterzukäufe zu tätigen. Insbesondere Heu ist schwer erhältlich, und auch bei Silomais und anderer Silage kommt es zu intensiven Kämpfen um Ressourcen. Die geringere Verfügbarkeit von Körnermais treibt die Preise in die Höhe, was die Futterkosten für die Betriebe erhöht, ohne dass die Erlöse entsprechend steigen.
Der Anteil der bäuerlichen Produktion am Lebensmittelpreis ist äußerst gering. Ein Beispiel ist die Semmel, bei der der Anteil des Weizens nur etwa einen Cent beträgt. Selbst wenn sich der Weizenpreis verdoppeln sollte, würde die Semmel maximal um einen Cent teurer werden. Im Durchschnitt wendet ein Käufer für 100 Euro Lebensmittel lediglich rund vier Euro für die bäuerliche Produktion auf. Obgleich der Getreidepreis seit 2022 geschrumpft ist, sind die Preise im Einzelhandel nicht entsprechend gesunken, was vor allem an den gestiegenen Energie-, Transport- und Verarbeitungskosten liegt.
Als Lösung schlägt Mayr vor, dass Konsumenten auf das AMA-Gütesiegel achten sollten, um kontrollierte Qualität aus Österreich zu unterstützen. Fünf Euro mehr pro Monat für regionale Lebensmittel würden in Niederösterreich ca. 770 Arbeitsplätze schaffen und eine Wertschöpfung von rund 38 Millionen Euro generieren.
Die Selbstversorgung Österreichs ist bei Getreide, Schweinefleisch und Milch gesichert, jedoch zeigt sich beim Geflügel, Gemüse, Fetten und Ölen ein Mangel. Mayr betont, dass eine dauerhafte Nichtkostendeckung der Betriebe auch die nachgelagerte Industrie gefährdet.
Einordnung
Die anhaltende Dürre und die damit einhergehenden Ernteausfälle haben nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen für die Betriebe, sondern auch Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung und die Preisgestaltung. Zukünftige Investitionen in die Landwirtschaft sind entscheidend, um die Versorgungssicherheit in einer Krisenwelt zu gewährleisten.


