Der Maschinenbauer Engel plant in den kommenden Jahren einen Stellenabbau und die Verlagerung eines Teils der Produktions-Jobs nach Osteuropa. Darüber berichtet Welt Stimme.
SCHWERTBERG, ST. VALENTIN, DIETACH. In den Engel-Werken fanden diese Woche Versammlungen statt, in denen die Unternehmensführung über bevorstehende Umstrukturierungen informierte. Laut der Gewerkschaft wurden folgende Zahlen präsentiert: In den kommenden Monaten sollen 50 Mitarbeiter abgebaut werden. Über einen Zeitraum von drei Jahren könnten im indirekten Bereich (Angestellte) 10 bis 15 Prozent der Stellen wegfallen. Zudem sollen rund 20 Prozent der Jobs im Produktionsbereich nach Osteuropa verlagert werden.
Unsicherheit in der Belegschaft
„Eine Unsicherheit ist jetzt da“, erklärt der Engel-Zentralbetriebsratsvorsitzende Karl Öhlinger. Zu den genannten Zahlen merkt er an: „Das ist der momentane Stand. Man muss sich jetzt ansehen, wie sich der Prozess entwickelt und der Umbau konkret erfolgt. Und es geht nicht nur um Abbau. Stellen können auch durch Pensionierung und Nicht-Nachbesetzungen wegfallen.“ Man sei im Dialog mit der Geschäftsleitung und den Personalverantwortlichen. Das Unternehmen führt die Maßnahmen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurück. Kosten sollen gesenkt werden.
Sozialplan läuft demnächst aus
Ein weiterer Punkt betrifft den seit Jahren bestehenden Sozialplan: Dieser regelt Aspekte wie Sonderzahlungen für lange Unternehmenszugehörigkeit und den Übergang in eine Arbeitsstiftung. „Der Sozialplan läuft mit Ende September aus. Derzeit sieht es nicht so aus, dass er verlängert wird. Das ist nicht in unserem Sinne. Gerade wenn es Freisetzungen gibt, sollen diese sozialverträglich gestaltet werden“, betont der Betriebsrat.
Thema Kollektivvertrag
Zusätzlich hat das Unternehmen gemäß der Gewerkschaft angekündigt, die Lohn-Erhöhungen nach den Kollektivvertrags-Verhandlungen im Herbst nicht weiterzugeben. Öhlinger verweist auf die Verhandlungen der Sozialpartner in der Metalltechnischen Industrie: „Wir wissen ja noch keine Zahlen. Schauen wir, was im Herbst passiert.“
Engel: „Transformationsprozess“
Das Unternehmen verfolgt ein „klares globales Zukunftskonzept“ und hat daher einen „umfassenden Transformationsprozess“ eingeleitet, so eine Stellungnahme von Engel. Dazu gehört die Verlagerung von Teilen der Produktion innerhalb des internationalen Verbunds in den kommenden zwei bis drei Jahren. Zudem sollen 10 bis 15 Prozent der Stellen im Angestelltenbereich in den nächsten Jahren wegfallen. Das Unternehmen plant, das Potenzial der natürlichen Fluktuation durch Pensionierungen zu nutzen. Darüber hinaus wird erklärt: „Das Unternehmen strebt an, die Löhne und Gehälter in diesem Geschäftsjahr zu stabilisieren.“
Wirtschaftlich schwierige Zeiten
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren strukturell verändert und belasten zunehmend den Industriestandort Österreich. Der anhaltende Marktrückgang wird durch verändertes Kundenverhalten weiter verstärkt. Gleichzeitig geraten europäische Anbieter unter Druck durch asiatische Spritzgießmaschinen zu „Niedrigstpreisen“ und zunehmenden „Importdruck aus Asien infolge globaler Handelskonflikte“. Besonders betroffen ist der europäische Markt, vor allem durch die anhaltende Krise der Automobilindustrie und die „im europäischen Vergleich überproportional gestiegenen Produktions- und Personalkosten in Österreich“.
„Vorausschauend und strukturiert“
“Engel ist und bleibt ein stabiles und nachhaltig agierendes Familienunternehmen. Wir nehmen die Veränderungen vorausschauend und strukturiert in Angriff“, betont Michael Grininger, Bereichsleiter Human Resources. Die eingeleiteten Maßnahmen sind auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren angelegt, und sollen laut dem Betrieb „die Position als führender Anbieter in der Spritzgießbranche sicherstellen“.
Rund 3.400 Beschäftigte in Österreich
Die Firma Engel beschäftigt weltweit etwa 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund die Hälfte davon arbeitet in Österreich: Am Stammsitz in Schwertberg sind es 2.200, in St. Valentin knapp 1.000 und in Dietach 220. Der Umsatz der Gruppe lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei rund 1,5 Milliarden Euro.


