Equal Pay Day im Burgenland: Frauen arbeiten 56 Tage gratis, Forderung nach mehr Lohntransparenz

November 11, 2025 20:22
Equal Pay Day im Burgenland: Frauen arbeiten 56 Tage gratis, Forderung nach mehr Lohntransparenz

Frauen im Burgenland arbeiten 56 Tage gratis: Forderung nach mehr Lohngerechtigkeit.

BURGENLAND. Am 6. November fand im Burgenland der Equal Pay Day statt. An diesem Tag haben Männer bereits das Einkommen erreicht, für das Frauen bis zum Jahresende arbeiten müssen. Frauen arbeiten im Burgenland also 56 Tage „gratis“. Dies stellt eine Verbesserung um einen Tag im Vergleich zum Vorjahr dar. Darüber berichtet Welt Stimme.

Schweigen hält Ungleichheit aufrecht

Eine Studie des Forschungsinstituts „L&R“ zur Einkommensgerechtigkeit zeigt auf, dass Handlungsbedarf besteht. „Vor allem Frauen wünschen sich, dass mehr über das Einkommen gesprochen wird und dass es Einkommensberichte im Betrieb gibt. Entgelttransparenz soll für mehr Lohngerechtigkeit sorgen und auf Lohndiskriminierung von Frauen hinweisen. Die EU-Richtlinie muss daher rasch umgesetzt werden“, fordern AK-Präsident Gerhard Michalitsch und AK-Expertin Gabi Tremmel Yakali.

Beim Equal Pay Day am 6. November zieht das Burgenland eine ernüchternde Bilanz: Statistisch arbeiten Frauen seit diesem Tag gratis. Der geschlechtsspezifische Einkommensnachteil beträgt im Burgenland 15,3 Prozent, was einem Unterschied von 9.646 Euro entspricht. Positiv zu vermerken ist, dass Burgenland im Vergleich zu anderen Bundesländern auf dem zweitbesten Platz nach Wien liegt und über dem Österreichschnitt abschneidet. Der Gender Pay Gap konnte um einen Tag verringert werden.

Lohnlücke schließt sich nur langsam

Im EU-Vergleich ist Österreich jedoch das Schlusslicht. Teilweise erklärt sich die Lücke durch die Beschäftigungsstruktur, wie etwa geringere Betriebszugehörigkeiten oder niedrigere Löhne in frauendominierten Berufen. Dies stellt keine direkte Diskriminierung dar, sondern zeigt strukturelle Benachteiligungen auf.

Zwei Drittel der Lohnunterschiede sind jedoch nicht so leicht erklärbar, was den Verdacht auf direkte Lohndiskriminierung verstärkt. Mangelnde Transparenz gerade in der Entlohnung verschärft das Problem: Frauen werden seltener über dem Kollektivvertrag entlohnt und sind bei Prämien häufig im Nachteil.

Umfrageergebnisse

Das Forschungsinstitut L&R führte im Auftrag der Allianz für Lohntransparenz NEU eine weitreichende Umfrage zur Einkommensgerechtigkeit durch, auch unter burgenländischen Frauen und Männern. Die Ergebnisse zeigen, dass 63,2 Prozent der Befragten noch nie über ihr Einkommen gesprochen haben. Bei denen, die darüber sprechen, geschieht dies überwiegend mit Kolleginnen und Kollegen (78,6 Prozent).

Auffällig ist, dass sich 87,5 Prozent der befragten Frauen für einen Einkommensbericht aussprechen, in dem die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern im Unternehmen aufgezeigt werden. Dagegen sind es nur 47,7 Prozent der befragten Männer, die dies unterstützen. Die Frage, ob offene Gespräche über das Einkommen im Betrieb stattfinden sollten, wird von 90,6 Prozent der Frauen als wichtig erachtet, aber nur von 68,2 Prozent der Männer.

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie gibt Rückenwind für mehr Lohngerechtigkeit. Ihre Vorgaben müssen jedoch konsequent umgesetzt werden, damit Frauen tatsächlich von ihren Rechten profitieren können. „Die Umsetzung muss ohne Schlupflöcher erfolgen und auch für kleinere Betriebe gelten. Nur so können wir das Ende von Gehaltsgeheimnissen erreichen“, fordern Michalitsch und Tremmel-Yakali abschließend.

9.646 Euro Unterschied

Im Burgenland beträgt das durchschnittliche Jahres-Bruttoeinkommen von Männern 62.848 Euro, während Frauen nur 53.204 Euro erhalten. Der Unterschied beläuft sich auf 9.646 Euro oder 15,3 Prozent. Österreichweit liegt das Männer-Einkommen bei 63.451 Euro und das von Frauen bei 53.128 Euro, womit der Unterschied 10.323 Euro oder 16,27 Prozent beträgt.

Im Rahmen des Equal Pay Day luden die Gewerkschaftsfrauen Burgenland gemeinsam mit der AK Burgenland zu der Veranstaltung „Lohntransparenzrichtlinie – Mehr Transparenz, mehr Gerechtigkeit“ ein. Expertin Eva-Maria Burger thematisierte Fakten und Hintergründe in Österreich sowie Best-Practice-Beispiele aus der EU und erläuterte, wie Transparenz eine Chance für Betriebe darstellen kann.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Pegasus und AIIS aus Köflach entwickeln Wettertestzentrum für Drohnen und tragen zur Triebwerksinnovation bei
Vorheriger artikel

Pegasus und AIIS aus Köflach entwickeln Wettertestzentrum für Drohnen und tragen zur Triebwerksinnovation bei

Österreichs U17-Nationalteam zieht mit drei Siegen in die K.-o.-Phase der WM ein
Nächster artikel

Österreichs U17-Nationalteam zieht mit drei Siegen in die K.-o.-Phase der WM ein

Nicht verpassen