Vertreterinnen der LK Bäuerinnen Tirol und der Landwirtschaftskammer Tirol informierten beim Weingut Gutleben in Itzelranggen über die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft. Der Anlass diente dem Austausch über Bildung, Entwicklungen am Hof und dem kommenden Internationalen Jahr der Bäuerinnen.
Darüber berichtet Welt Stimme.
TIROL/ITZELRANGGEN. Auf dem Weingut Gutleben in Itzelranggen fand eine Pressekonferenz statt, die sich mit der Zukunft der Frauen in der Landwirtschaft beschäftigte. Gastgeberinnen Martina, Marina und Barbara Gutleben stellten ihren seit 2020 geführten Familienbetrieb vor, der Obst- und Weinbau, einen Hofladen sowie einen Hofschank umfasst. Der Betrieb fungiert als Vollerwerbsbetrieb und zeigt, dass innovatives Denken und neue Ideen in der Landwirtschaft notwendig sind. Barbara Gutleben unterstrich die Bedeutung von Vielfalt in der Branche.
Internationales Jahr der Bäuerinnen
Die Veranstaltung war auch von einem besonderen Ausblick geprägt: Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „Internationalen Jahr der Bäuerinnen“ erklärt. Ziel ist es, weltweit auf die Leistungen und die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.
In Tirol soll diese Gelegenheit genutzt werden, um die Arbeit der Frauen am Hof sichtbarer zu gestalten. Themen wie Ausbildung, Entwicklungsmöglichkeiten und Zusammenarbeit sollen stärker ins Blickfeld gerückt werden. Daneben wurde betont, dass die Herausforderungen, mit denen Frauen in der Landwirtschaft konfrontiert sind, nicht vernachlässigt werden dürfen. Maria Gutleben erklärte, dass Frauen oft Schwierigkeiten haben, Zugang zu Land zu erhalten und zusätzlich zur Hofarbeit auch die Care-Arbeit in den Familien übernehmen müssen. Dies schränkt nicht nur ihre Kapazitäten ein, sondern mindert auch die Möglichkeit, sich in agrarischen Gremien zu vertreten. Ziel ist, dass künftig 30 Prozent der Mitglieder in diesen Gremien weiblich sind.
Ein weiteres Problem ist die finanzielle und versicherungstechnische Absicherung von Bäuerinnen. Viele Frauen arbeiten ohne formelle Anstellung im Familienbetrieb und erhalten keine Rente. Für Landesbäuerin Helga Brunschmid ist es wichtig zu betonen:
„Dabei darf man nicht vergessen, dass es oft die Frauen mit ihren kreativen Ideen sind, die über Sein oder Nichtsein des Betriebes bestimmen und für wirtschaftliche Sicherheit sorgen.“
Die Rolle der Frau am Hof im Wandel
Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert, wobei sich auch die Rolle der Frauen gewandelt hat. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung auf dem Hof oder führen Betriebe eigenständig. In Tirol wird mittlerweile jede fünfte Landwirtschaft von einer Frau geleitet, was 2.168 Betrieben entspricht. Österreichweit liegt der Anteil sogar bei rund 36 Prozent.
Landesbäuerin Helga Brunschmid sieht diese Entwicklung positiv:
„Bäuerinnen sind seit jeher das Herz und der Motor jeden Hofes. Dass ihre Rolle sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat und mittlerweile auch immer mehr Frauen als Betriebsführerinnen tätig sind, ist absolut begrüßenswert.“
Martina Gutleben schilderte aus eigener Erfahrung:
„Ich habe als jüngste Tochter in unserer Familie mit fünf Töchtern einen großen Teil des Betriebs übernommen. Fachwissen, Engagement und Führung liegen somit in weiblicher Hand.“
Lehre und Bildung als Chance
Ein zentrales Thema war die Ausbildung in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaftskammer bietet als zentrale Anlaufstelle für Aus- und Weiterbildung zahlreiche Optionen. Geschäftsführerin Nikola Kirchler berichtete von wachsendem Interesse an landwirtschaftlichen Berufen:
„Alle angebotenen Lehrgänge sind voll, das Interesse an der Land- und Forstwirtschaft ist ungebrochen.“
Aktuelle Zahlen zeigen, dass in Tirol zuletzt 33 Lehrabschlüsse in vier landwirtschaftlichen Berufen registriert wurden, wobei 17 dieser Abschlüsse an Frauen gingen.
Auch im Bereich der Weiterbildung entscheiden sich viele für eine landwirtschaftliche Ausbildung. 226 Personen schlossen kürzlich eine Ausbildung als landwirtschaftliche Facharbeiterinnen und Facharbeiter ab, darunter 70 Frauen.
Die Landesbäuerin betonte die Bedeutung der Ausbildung für die Selbstbestimmung von Frauen in der Landwirtschaft:
„Die Ausbildung macht Frauen zu kompetenten, selbstbestimmten und zukunftsorientierten Unternehmerinnen in der Landwirtschaft.“
Aktionen im Jahr der Bäuerinnen
Im Hinblick auf das Internationale Jahr der Bäuerinnen sind mehrere Initiativen in Tirol geplant. Ein Beispiel ist das Spendenprojekt „Bildung schafft Zukunft“, unterstützt von einer Tiroler Bäuerin in Uganda. Geschützt helfen Spenden etwa beim Kauf einer Ziege oder beim Bau eines Schulgebäudes.
Zusätzlich sind Veranstaltungen und Kooperationen mit verschiedenen Organisationen vorgesehen. Ein weiterer wichtiger Termin ist der 1. August, an dem die Ortswahlen in der Bäuerinnenorganisation beginnen. Die Landesbäuerinnenwahl findet am 14. November 2026 statt.
Starke Organisation im Hintergrund
Die LK Bäuerinnen Tirol vertritt rund 21.500 Frauen, die durch 279 Ortsbäuerinnen in den Gemeinden aktiv unterstützt werden. Diese Organisation spielt eine entscheidende Rolle bei der Vertretung der Interessen von Frauen in Bildung, Kultur und sozialen Belangen.


