Beim Finanzmarkt-Ausblick des Bankhaus Spängler in Zell am See gaben Vorstandsmitglied Nils Kottke und Asset Manager Markus Dürnberger einen Einblick auf die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten. Darüber berichtet Welt Stimme.
ZELL AM SEE. Die älteste Privatbank Österreichs stellte kürzlich im Pinzgau ihren Ausblick auf das laufende Jahr vor. Im Museum Vogtturm in Zell am See analysierten Vorstandsmitglied Nils Kottke und Asset Manager Markus Dürnberger vor zahlreichen Kundinnen und Kunden die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten und gaben ihre Einschätzung für die kommenden Monate ab. Die zentrale Botschaft des Abends: Trotz eines geopolitisch turbulenten Starts ins Jahr 2026 zeigt sich die Stimmung an den Finanzmärkten bislang gut. Entscheidend wird sein, ob sich der positive Trend fortsetzen kann oder zunehmende Risiken an Bedeutung gewinnen.
Inflation unter Kontrolle
Die Inflation nähert sich in der Eurozone dem Zielwert, auch in den USA ist ein rückläufiger Trend zu beobachten. „Der stark gestiegene US-Zollsatz scheint die Inflation bislang nicht weiter anzuheizen. Niedrigere Energiepreise und ein verlangsamter Lohnanstieg kompensieren die Zolleffekte“, erklärte Dürnberger. Bei der Zinspolitik gehen Europa und die USA unterschiedliche Wege. „Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus beendet, während die Fed 2026 noch weitere Lockerungsschritte vornehmen wird“, so Kottke.
Aktienmärkte auf Allzeithochs
Trotz zahlreicher geopolitischer Spannungen erwies sich das Jahr 2025 als erfreulich für Anlegerinnen und Anleger. „Der schwache Dollar hat allerdings die Ergebnisse für europäische Anleger:innen deutlich gedämpft“, betonte Kottke. „Auffällig sind die Allzeithochs zahlreicher Indizes im noch jungen Jahr 2026, wobei Künstliche Intelligenz das bestimmende Thema bleibt.“ Die riesigen US-Technologieunternehmen sind mittlerweile eng miteinander verwoben.
„Diese Abhängigkeit sehen einige Marktteilnehmer als Risiko“, erklärte der Asset Manager des Bankhaus Spängler und fügte beruhigend hinzu: „Die Bewertungen sind überdurchschnittlich hoch, aber im historischen Vergleich nicht extrem. Zu Beginn der 2000er-Jahre, als die Dotcom-Blase platzte, war die Bewertung um ein Vielfaches höher.“
Schwächerer Dollar
„Die US-Regierung hat mit ihrer erratischen Zoll- und Außenpolitik viel Vertrauen zerstört. Zudem steht die Fed unter enormem politischem Druck“, erklärte Dürnberger. Es ist möglich, dass sich der Dollar im Jahr 2026 weiter abschwächt. Gold hat sich hingegen 2025 um rund 65 Prozent in US-Dollar verteuert und erst kürzlich mit über 4.800 Dollar je Feinunze ein neues Allzeithoch verzeichnet. „Viele Zentralbanken möchten ihre Abhängigkeit vom US-Dollar weiter reduzieren und investieren entsprechend weiter in Gold“, so Spängler-Vorstandsmitglied Kottke.
Basisszenario mit moderatem Wachstum
Für Anlegerinnen und Anleger rechnet das Bankhaus Spängler im Basisszenario mit einem moderaten Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2026, einer weiterhin kontrollierten Inflation in Europa sowie zusätzlichen Zinssenkungen in den USA. „Die Unternehmensgewinne dürften moderat steigen“, prognostiziert Dürnberger. Er nennt die (Geo-)Politik, eine wieder steigende Inflation, weiter steigende Staatsschulden sowie die aktuell hohen Bewertungen als wesentliche Risiken. Chancen hingegen liegen in einem stärkeren Wirtschaftswachstum, sinkenden Energiekosten und einer durch KI angetriebenen Produktivitätssteigerung.


