Krassnig: Stabile Arbeitsmarktlage in Kärnten, aber moderates Wachstum erwartet

Jänner 20, 2026 18:37
Krassnig: Stabile Arbeitsmarktlage in Kärnten, aber moderates Wachstum erwartet

Der Arbeitsmarkt in Kärnten zeigt sich zum Jahreswechsel 2025/26 vergleichsweise stabil, ein spürbarer Aufschwung bleibt jedoch aus. Auch im Bezirk St. Veit ist die Lage von Zurückhaltung geprägt. Zwar gehört Kärnten im Österreichvergleich zu jenen Bundesländern mit einer der geringsten Steigerungen der Arbeitslosigkeit, dennoch ist der „wirtschaftliche Druck weiterhin spürbar“. Darüber berichtet Welt Stimme.

BEZIRK ST. VEIT. Kärnten verzeichnet 2025 mit rund 17.890 vorgemerkten Arbeitslosen eine moderate Erhöhung von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies stellt die niedrigste Arbeitslosenquote unter den österreichischen Bundesländern dar. Günter Krassnig, Leiter der AMS-Bezirksstelle St. Veit, erläutert: „Doch der wirtschaftliche Druck bleibt spürbar. Hohe Kosten und Fachkräfteengpässe belasten weiterhin die Betriebe, und die Konjunktur erholt sich nur langsam.“ Zum Monatsende Dezember 2025 waren im Bezirk St. Veit 2.046 Personen arbeitslos gemeldet, was einem Anstieg von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Der Bezirk steuert 2026 auf eine leichte Stabilisierung zu – jedoch ohne starke Wachstumsschübe“, so Krassnig weiter.

Wer es besonders schwer hat

Besonders im Blickpunkt stehen ältere Arbeitsuchende über 50 Jahre, für die gesundheitliche Einschränkungen und eingeschränkte Mobilität oft eine Rückkehr in den Job erschweren. „Das Einstellverhalten vieler Betriebe tut ein Übriges“, ergänzt Krassnig. Zudem sind Menschen mit geringer Qualifikation betroffen: Etwa 40 Prozent der beim AMS vorgemerkten Personen besitzen höchstens einen Pflichtschulabschluss, während gleichzeitig der Bedarf an qualifiziertem Personal, vor allem aufgrund der Digitalisierung, ansteigt. Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind einer erhöhten Belastung ausgesetzt. „Ein hoher Anteil der Arbeitssuchenden kann körperlich oder psychisch belastende Tätigkeiten nicht oder nur eingeschränkt ausüben“, betont Krassnig. Er weist darauf hin, dass verschiedene Förderprogramme des AMS zur Wiedereingliederung dieser benachteiligten Personengruppen beitragen.

Zukunftsfaktor Koralmbahn

Günter Krassnig sieht in der Koralmbahn eine bedeutende Chance für den Bezirk. „Sie bringt neue Pendelräume und verbindet Graz und Klagenfurt in kurzer Zeit. Das stärkt den Wirtschaftsraum Süd und lässt positive Effekte für Mittelkärnten erwarten.“ Auch Bezirke ohne direkte Haltestelle, wie St. Veit, würden näher an größere Arbeitsmärkte rücken. Zuwanderung, verbesserte Erreichbarkeit und ein größerer Arbeitskräftepool zählen laut Krassnig zu den entscheidenden Vorteilen, während er gleichzeitig vor den Herausforderungen warnt: „Der Wettbewerb um Fachkräfte wird intensiver, gut qualifizierte Personen könnten verstärkt nach Graz pendeln.“ Er ist jedoch überzeugt, dass die Chancen überwiegen, wenn aktiv Angebote entwickelt werden, um im Bezirk zu bleiben, etwa durch attraktive Mobilität, Wohnraum oder Ausbildungswege.

Heuer neu

Das AMS hat seine Online-Dienste weiter verbessert: Der e-AMS-Dienst wurde zu „MeinAMS“ umbenannt, mit besserer Darstellung und höheren Sicherheitsstandards. Das Ziel ist, die Selbstbedienungsmöglichkeiten rund um die Uhr auszubauen. Eine entscheidende Neuerung für das Jahr betrifft den geringfügigen Zuverdienst: „Die Kombination von Arbeitslosigkeit und geringfügiger Beschäftigung ist seit Jahresbeginn – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr möglich. Das erfordert gute Information und Beratung, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.“ Ab Juni 2026 sollen zudem unter bestimmten Voraussetzungen Weiterbildungsmöglichkeiten wieder beantragt werden können.

„Ein bisschen optimistisch“

AMS-Geschäftsführer Peter Wedenig äußerte sich in einem Interview im Kärnten-Heute-Studio optimistisch bezüglich des stabilen Arbeitsmarktes im Jahr 2025: „Wir können damit zufrieden sein.“ Für 2026 zeigte er sich „ein bisschen optimistisch“ und betonte, dass Kärnten sich in den letzten Jahren stark an den österreichischen Durchschnitt angenähert habe. Wedenig ist sich bewusst, dass weiterhin ausreichend Arbeitslose und offene Stellen bestehen, was als Auftrag für die Zukunft gesehen wird. Zudem bemerkte er, dass sich das kritische Alter zur Jobvermittlung in den letzten Jahren von 50 auf 55 bis 56 Jahre erhöht habe: „Hier gibt es doch eine Entspannung.“

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