SALZBURG. Dr. Claus Graggaber hat seit fast einem halben Jahr die Position des Landesdirektors der Salzburger Sparkasse inne. Im Interview äußert er sich zu den Herausforderungen im Bankensektor, den Chancen im Wohnbau und fordert mehr Optimismus für die Wirtschaft. Darüber berichtet Welt Stimme.
Dr. Graggaber: „Die Rückkehr in die Heimat ist für mich persönlich von großer Bedeutung. Aufgewachsen in Tamsweg in einem Familienunternehmen, ist der Bezug zur regionalen Wirtschaft stark geblieben. Es bereitet mir Freude, unsere 250.000 Kunden in Salzburg näher kennenzulernen und deren Lebens- und Finanzbedürfnisse zu erfüllen – sei es im Wohnbau oder bei Investitionsvorhaben von Unternehmen.“
Stärker in der Erste Bank verankert
Dr. Graggaber: „Die Salzburger Sparkasse ist seit über 20 Jahren eine 100-Prozent-Tochter der Erste Bank. Durch die engere Zusammenarbeit optimieren wir unsere Fähigkeit, regulatorische Anforderungen sowie technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz effizienter umzusetzen. Trotzdem bleibt die Sparkasse stark regional geprägt, mit 41 Filialen und 29 Selbstbedienungsstandorten in jedem Bezirk. Diese Mischung aus regionaler Präsenz und zukunftsorientierter Innovationskraft ist unser Erfolgsrezept.“
Digitalisierung und persönliche Beratung
Dr. Graggaber: „Die Digitalisierung erhöht die Effizienz, ersetzt jedoch nicht die persönliche Betreuung. Wir bieten eine ausgewogene Kombination: Ältere Kunden genießen den persönlichen Kontakt in der Filiale, während jüngere ihre Bankgeschäfte zunehmend über Smartphones abwickeln. Kunden haben immer einen festen Ansprechpartner, erreichbar sowohl telefonisch als auch vor Ort.“
Hohe Sparquote und Zurückhaltung
Dr. Graggaber: „Aktuell liegt die Sparquote bei rund elf Prozent, ein Zeichen für sowohl Unsicherheit als auch den Aufbau finanzieller Reserven. Mehr Optimismus ist notwendig, um die Investitionsbereitschaft, sowohl im Wohnbau als auch im Konsum, zu fördern.“
Dr. Graggaber: „Die Nachfrage nach privatem Wohnraum ist spürbar gestiegen, mit einem Anstieg von 30 Prozent beim Volumen und 20 Prozent bei neuen Wohnfinanzierungen im Vergleich zum Vorjahr. Unterstützende Wohnbauförderungen und ein moderater Zins machen den Wohnbau attraktiver.“
Optimismus schaffen
Dr. Graggaber: „Die Schaffung von Optimismus ist eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen, Politik und Medien. Es ist wichtig, positive wirtschaftliche Entwicklungen, wie sinkende Inflation und steigende Investitionen im Wohnbau, hervorzuheben, um die allgemeine Stimmung zu verbessern.“
Blick in die Zukunft
Dr. Graggaber: „In fünf Jahren möchte ich, dass die Salzburger Sparkasse noch bedeutender im Firmenkundengeschäft ist, insbesondere bei multinationalen Unternehmen. Gleichzeitig streben wir an, Technologieführer im Online-Banking zu bleiben und die persönliche Kundenberatung sowie unser Filialnetz beizubehalten. Diese Balance aus Innovation und Regionalität wird uns stärken.“


