2025 wird für die Oberbank in der Unternehmensfinanzierung als „das beste Jahr seit langem“ prognostiziert, erklärte Generaldirektor Franz Gasselsberger während der Präsentation der Halbjahresbilanz. Die steigende Nachfrage nach Krediten, sowohl von Großunternehmen als auch von kleinen und mittleren Betrieben, ist das wichtigste positive Konjunktursignal. Darüber berichtet Welt Stimme.
LINZ. Eine Umfrage unter den 1000 wichtigsten Oberbank-Kunden zeigt, dass diese optimistischer in die Zukunft blicken als noch vor einem Jahr. Österreich wird auch vom deutschen Infrastrukturpaket profitieren; Gasselsberger erwartet, dass die Zinssenkungen der EZB ihre Wirkung entfalten werden, mit einem weiteren Rückgang auf 1,75 Prozent. Viele Unternehmen investieren jedoch hauptsächlich in Effizienzsteigerungen, um den gestiegenen Lohnkosten entgegenzuwirken, was oft zu mehr Automatisierung und dem Wegfall von Arbeitsplätzen führt.
„Wohnbau ist definitiv zurück“
Im Privatkundengeschäft hat die Oberbank einen Anstieg von 80 Prozent bei den Wohnbaufinanzierungen verzeichnet: „Der private Wohnbau ist definitiv zurück“, so Gasselsberger. Er sieht einen starken Trend zur privaten Altersvorsorge, nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Diskussionen, die das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem untergraben haben. Die Krise im gewerblichen Immobilienbereich sei noch nicht überwunden, doch die Oberbank habe hier rechtzeitig die Reißleine gezogen.
„Sehr gutes Ergebnis 2025“
Das Firmenkreditgeschäft ist mit einem Plus von 5 Prozent deutlich stärker gewachsen als der Markt (plus 2,2 %), und das Kreditrisiko ist gesunken. Dies lässt für die Oberbank ein „sehr gutes operatives Ergebnis 2025“ erwarten. Haupttreiber waren die Standorte in Tschechien und Deutschland.
Zum Halbjahr lag der Überschuss vor Steuern bei 234,8 Millionen Euro (1. HJ 2024: 258,7 Mio.), nach Steuern bei 179,2 Millionen Euro (201,4). Der Rückgang ist laut Gasselsberger auf das niedrigere Zinsergebnis, die „überfallsartig eingeführte“ Bankenabgabe und ein durch die voestalpine bedingtes geringeres Beteiligungsergebnis zurückzuführen.
Angesichts der Rahmenbedingungen sei das Ergebnis „exzellent“, und die Oberbank ist mit einer Eigenkapitalquote „auf europäischem Spitzenniveau“ strukturell besser aufgestellt denn je. Das Unternehmen plant, den Wachstumskurs fortzusetzen und die Bilanzsumme von derzeit 28,85 Milliarden Euro bis 2026 auf 30 Milliarden Euro zu steigern. Dadurch wird die Oberbank ab 2028 direkt von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt.
Ausbau in Deutschland, Tschechien, Ungarn
Die Oberbank gehört mit einem Single A-Rating bei Standard & Poor’s zu den am besten bewerteten Banken in Österreich und sieht Potenzial in der Tourismusfinanzierung und im Private Banking, wo sie erstmals mehr als 10.000 Kunden betreut. In Deutschland plant die Oberbank, die derzeit 46 Filialen in zehn Bundesländern auf zehn weitere im Bundesland Nordrhein-Westfalen zu erweitern. „Wir sehen unsere Chance in der Diskussion rund um die Commerzbank und die HVB, die viele Unternehmen verunsichert – viele stehen vor der strategischen Entscheidung, sich einen neuen Bankpartner zu suchen.“ Die Oberbank möchte diese Gelegenheit nutzen, ebenso in Tschechien (19 Filialen) und Ungarn (12 Filialen), die nach Gasselsbergers Einschätzung „völlig unterschätzte Länder“ mit gut ausgebildeten Fachkräften, großer Konsumfreude und hohem Wirtschaftswachstum sind.


