Österreichische Industriestrategie: Deutschland will Deindustrialisierung bis 2035 stoppen
Die Bundesregierung hat am Freitag eine umfassende Strategie vorgestellt, um die Deindustrialisierung in Österreich zu stoppen und die Industrie bis 2035 auszubauen. Die Initiative zielt darauf ab, Investitionen in Milliardenhöhe in neue Technologien, erneuerbare Energien und attraktive Industriestrompreise zu fördern. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die Präsentation fand in einer Halle des Unternehmens Siemens in Wien statt, bei der Minister und hochrangige Beamte beraten wurden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) erklärte, dass mit dieser Strategie „ein kleines Stück Industriegeschichte“ geschrieben wird, da dies die erste ihrer Art für Österreich sei. Ziel ist es, den Anteil der Industrie an der Wertschöpfung innerhalb von zehn Jahren auf 20 Prozent zu steigern und sich im Vergleich zu anderen OECD-Ländern unter die Top 10 zu platzieren.
Die Strategie umfasst sechs Hauptziele, sieben Aktionsfelder, 114 Maßnahmen und neun Schlüsselinvestitionsbereiche, in die bis 2029 insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro fließen sollen. Die Kernziele der Strategie beinhalten die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, die Förderung der Souveränität innerhalb Europas, die Steigerung der Leistungsfähigkeit, die Verbesserung der Innovationsfähigkeit, den Ausbau der wirtschaftlichen Resilienz sowie die Stärkung nachhaltiger Produktionsmethoden.
Fokus auf neue Technologien
Um die festgelegten Ziele zu erreichen, sind zahlreiche Maßnahmen geplant, die in sieben Aktionsfelder gegliedert sind: Forschung, Technologie und Innovation; Energie; Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt; Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie & Transformation; Infrastruktur, Mobilität und wirtschaftliche Resilienz; Europa und geopolitische Herausforderungen sowie Entbürokratisierung und Finanzierung.
Laut den Fortschritten bei den neun Schlüsseltechnologien soll für jede dieser Technologien mindestens ein neuer Lehrberuf entstehen. Damit werden technologische Bereiche abgedeckt, wie Künstliche Intelligenz, Chips, Halbleiter, fortschrittliche Produktionstechnologien einschließlich 3D-Druck, Quantentechnologie, Life Sciences und Umwelttechnologien.
114 Maßnahmen in sieben Feldern
Der Zugang von Hochschulabsolventen und Forschenden zum Arbeitsmarkt soll erleichtert werden. Zudem wird die Austrian Business Agency weiterentwickelt, um Österreich als Standort zu stärken und Fachkräfte anzuziehen. Eine bedeutende Rolle spielt auch die Überprüfung der Gewässerressourcen in Österreich im Hinblick auf erneuerbare Energien. Anpassungen wichtiger gesetzlicher Rahmenbedingungen, wie das Außenhandelsgesetz, sollen zudem den Export erleichtern.
Die Umsetzung der Strategie wird kontinuierlich überwacht werden, basierend auf festgelegten Leistungskennzahlen. Der Produktivitätsrat plant, einen jährlichen Bericht zu veröffentlichen, der auch ein Wettbewerbsfähigkeitsradar beinhaltet, um die Ergebnisse der neuen Industriestrategie zu bewerten.
Ein „Reiseführer“ aus der Krise
Innovationsminister Peter Hanke (SPÖ) bezeichnete die über sechs Monate entwickelte Strategie als Leitfaden für die kommenden Jahre und kündigte die Einführung eines Industriestrompreises ab dem 1. Januar 2027 an. Sein Ministerium wird sich mit rund einer Milliarde Euro an den geplanten Gesamtausgaben von 2,6 Milliarden Euro beteiligen.
Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) wertete das neue Programm als „Reiseführer“ aus der Krise und hob die Bedeutung der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen hervor. Er nannte Lohn- und Energiekosten sowie Bürokratie als große Herausforderungen, die mit Hilfe dieser Strategie angegangen werden sollen. Während von einer Senkung der Lohnkosten derzeit noch nichts feststeht, legt er Wert auf den Abbau bürokratischer Hürden, da „Aktenordner der Sargnagel der Produktivität“ seien.


