Im zweiten Prozess gegen René Benko am Landesgericht Innsbruck steht die zentrale Frage im Raum: „Wurden Geld und Uhren im Wert von 370.000 Euro in einem Tresor versteckt?“ Die Anklage wirft Benkos Ehefrau die Rolle einer Beitragstäterin vor. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Darüber berichtet Welt Stimme.
INNSBRUCK. Ab 9 Uhr beginnt der zweite Prozess von René Benko am Landesgericht in Innsbruck. Wie bereits im ersten Verfahren wird ihm betrügerische Krida vorgeworfen. Laut Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sollen Benko und seine Ehefrau im Zuge von Benkos Insolvenz als Einzelunternehmer Vermögenswerte beiseitegeschafft haben. Im Mittelpunkt steht ein Tresor, der bei Verwandten der Familie versteckt war. In diesem Tresor sollen sich 120.000 Euro, mehrere wertvolle Uhren und weitere Kostbarkeiten im Gesamtwert von 370.000 Euro befunden haben. Der Tresor wurde zeitlich in Zusammenhang mit dem Signa-Zusammenbruch in Innsbruck angeschafft.
Der Prozess
Der Prozess wird vor einem Schöffensenat im Großen Schwurgerichtssaal durchgeführt. Die möglichen Strafen im Falle einer Verurteilung belaufen sich auf bis zu zehn Jahre Freiheitsentzug. Eine diversionelle Erledigung scheint wegen des hohen Strafrahmens ausgeschlossen. Geplant sind die Eröffnungsplädoyers der WKStA und der Verteidigung, sowie die Vernehmung von vier Zeuginnen und Zeugen. Ein zweiter Prozesstag wurde für den 16. Dezember reserviert, doch in Justizkreisen wird vermutet, dass der Fall aufgrund des klaren Sachverhalts bereits am ersten Tag entschieden werden könnte – ein schnelles Urteil gilt als wahrscheinlich.
Das erste Urteil
Im ersten Verfahren wegen betrügerischer Krida wurde Benko nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt. Dabei wurde er für schuldig befunden, eine Schenkung in Höhe von 300.000 Euro an seine Mutter vorgenommen zu haben. In einem zweiten Anklagepunkt bezüglich einer Miet- und Betriebskostenvorauszahlung von 360.000 Euro für eine Immobilie wurde Benko freigesprochen. Sowohl Benkos Anwalt Norbert Wess als auch die WKStA haben Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Seit Januar 2025 befindet sich René Benko in Untersuchungshaft. Das Straflandesgericht Wien hat die U-Haft vor einem Monat um zwei weitere Monate bis zum 12. Januar verlängert.
Die WKStA untersucht insgesamt mehr als ein Dutzend mögliche Delikte im Zusammenhang mit der Signa-Pleite, einschließlich betrügerischer Krida, Untreue, schwerem Betrug, Gläubigerbegünstigung und Förderungsmissbrauch. Der ermittlungsgegenständliche Gesamtschaden beläuft sich derzeit auf rund 300 Millionen Euro, so die Staatsanwaltschaft.


