Große russische Handelsketten verlagern angesichts von Infrastrukturstörungen und Drohnenangriffen zunehmend die Verantwortung für Lieferung und Transportrisiken auf ihre Lieferanten. Betroffen sind nach Medienberichten unter anderem Magnit sowie X5 mit den Ketten Perekrestok, Pjatjorotschka und Tschischik. Die Unternehmen wollen damit eigene Risiken begrenzen, zugleich drohen höhere Kosten für Hersteller und in weiterer Folge steigende Preise im russischen Einzelhandel.
Über die neuen Vertragsmodelle berichteten russische Medien am 3. August 2026. Eine Zusammenfassung der Berichte über die Pläne der Handelsketten verweist auf Vorschläge, wonach Lieferanten Waren künftig selbst bis zu den Filialen bringen und einen größeren Teil der logistischen Risiken übernehmen sollen.
Neue Vertragsbedingungen
In Russland organisieren große Einzelhandelsketten die Warenlogistik üblicherweise selbst. Dafür nutzen sie eigene Verteilzentren und Fahrzeugflotten. Die zentrale Bündelung der Lieferungen soll die Transportkosten senken und die Versorgung der Filialen vereinfachen. Die nun vorgeschlagene Änderung würde dieses Modell teilweise aufbrechen.
Besonders weitgehend ist dem Bericht zufolge ein Vorschlag der Kette Krasnoje i Beloje. Eine Zusatzvereinbarung soll die Handelskette von der Verantwortung für Waren entbinden, die durch höhere Gewalt zerstört werden. Hersteller hätten diese Regelung äußerst negativ aufgenommen. Nach den vorliegenden Angaben würde damit auch die Frage der Entschädigung neu geregelt, wenn sich die Ware bereits in einem Verteilzentrum der Handelskette befindet und dort beschädigt oder vernichtet wird.
Als mögliche Ursache werden regelmäßige Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Logistikobjekte genannt. Die Angriffe erfolgen im Zusammenhang mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine. Zusätzlich können Störungen der Infrastruktur und der Einsatz von Luftabwehrsystemen den Transport und die Lagerung von Waren beeinträchtigen. Die Handelsketten versuchen nach dieser Darstellung, die finanziellen Folgen solcher Schäden nicht mehr selbst zu tragen.
Höhere Kosten für Hersteller
Für die Lieferanten würde die neue Aufteilung zusätzliche Aufgaben bedeuten. Unternehmen müssten eigene Transportkapazitäten ausbauen, mehr Personal einsetzen und eigene Vertriebsstrukturen für die Belieferung einzelner Geschäfte aufbauen. Viele Hersteller nutzen bisher die Verteilzentren der Handelsketten und liefern nicht direkt an die einzelnen Filialen.
Die zusätzlichen Aufwendungen würden in die Produktions- und Vertriebskosten einfließen. Experten warnen deshalb vor höheren Abgabepreisen der Hersteller. Ob und in welchem Umfang diese Kosten an die Konsumenten weitergegeben werden können, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen und der Wettbewerbssituation ab. Nach der Einschätzung in den Berichten dürften die Preise für Waren dadurch weiter unter Druck geraten.
Für die Handelsketten ist eine vollständige Weitergabe der Kosten an die Kunden demnach nur eingeschränkt möglich. Der Wettbewerb im russischen Einzelhandel begrenzt ihre Möglichkeiten, Preise kurzfristig anzuheben. Gleichzeitig könnten höhere Ausgaben und mögliche Störungen bei der Warenversorgung die Margen der Unternehmen belasten.
Belastungen im Transportsektor
Die geplante Verlagerung fällt in eine Phase angespannter Bedingungen auf dem russischen Markt für gewerbliche Transporte. Als Belastungen werden ein Mangel an Fahrern, die Mobilisierung, der Wechsel von Arbeitskräften in den militärischen Bereich und der Abfluss von Migranten genannt. Diese Faktoren hätten die verfügbaren Kapazitäten im Güterverkehr eingeschränkt.
Wenn zahlreiche Lieferanten ihre Transporte künftig selbst organisieren müssen, würde die Nachfrage nach Speditionen und Logistikdienstleistungen steigen. Damit könnten auch die Tarife für gewerbliche Transporte zunehmen. Besonders stark wären kleinere und mittlere Unternehmen betroffen, die weder über eigene Fahrzeugflotten noch über ausreichende Logistikzentren verfügen.
Nicht alle Lieferanten könnten deshalb auf eine direkte Belieferung der Geschäfte umstellen. Für einzelne Unternehmen könnte die zusätzliche Belastung nach den vorliegenden Einschätzungen dazu führen, dass sie die Zusammenarbeit mit großen Handelsketten beenden oder ihre Geschäftstätigkeit einstellen. Eine solche Entwicklung würde die Zahl der Anbieter im Markt verringern und das verfügbare Sortiment begrenzen.
Mehr Aufwand in den Filialen
Die direkte Lieferung in die Geschäfte ist im russischen Einzelhandel bisher vor allem bei Herstellern leicht verderblicher Waren üblich. Die meisten anderen Lieferanten bringen ihre Produkte zu den zentralen Verteilzentren der Handelsketten. Von dort werden die Waren gebündelt und an die Filialen weitergeleitet.
Bei einer Umstellung müssten deutlich mehr Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern direkt an den Geschäften eintreffen. Das würde die Warenannahme organisatorisch erschweren und den Zeitaufwand für die Beschäftigten erhöhen. Die Filialen müssten Lieferungen verschiedener Anbieter koordinieren, statt Waren aus einer zentralen Verteilung zu übernehmen.
Die Handelsketten könnten darauf mit einer Verringerung des Sortiments oder mit dem Verzicht auf einzelne Lieferanten reagieren. In den vorliegenden Einschätzungen wird dadurch auch ein erhöhtes Risiko für Engpässe bei bestimmten Produkten genannt. Zudem könnten einheitliche Standards bei der Bestückung der Geschäfte schwieriger einzuhalten sein.
Die bislang zentral gesteuerten Lieferketten würden durch die neue Regelung stärker auf viele einzelne Anbieter verteilt. Ohne eine gemeinsame Koordination könnten sich Lieferpläne, Warenannahme und Nachbestückung verlangsamen. Genannt werden außerdem ein höherer Bearbeitungsaufwand und ein größeres Risiko verspäteter Lieferungen.
Für die Handelsketten könnte dies zu Unterbrechungen bei der Versorgung der Geschäfte und zu einem Rückgang des Einzelhandelsumsatzes führen. Auch Kunden könnten zu Wettbewerbern wechseln, wenn diese an einer zentraleren Logistik festhalten. Die russischen Handelsketten prüfen daher Vertragsänderungen, während Lieferanten die Folgen für Transport, Preise und Warenverfügbarkeit bewerten müssen.



Also, ich habe selbst acht Jahre lang einen kleinen Lebensmittelbetrieb in der Region Krasnodar geführt, und ich kann euch sagen: Diese Verschiebung ist der nackte Wahnsinn! Als letztes Jahr eine Drohne ein Lagerhaus in der Nähe von Rostow traf, hing ich wochenlang an meinen Lieferungen fest – und jetzt sollen wir Hersteller auch noch die vollen Kosten für solche Katastrophen schlucken? Die Ketten wie Magnit sitzen am längeren Hebel und diktieren die Verträge, während wir Kleinen mit dem Rücken zur Wand stehen. Die logistische Verantwortung war schon immer ihr Job, schließlich haben sie die Flotten und die Infrastruktur, um das zu stemmen – aber nein, sie schieben das Risiko elegant auf uns ab. Am Ende zahlen wieder die Verbraucher, denn wir müssen die Preise erhöhen, um überhaupt zu überleben. Das ist doch keine Partnerschaft, das ist Ausbeutung, und ich frage mich, wie lange wir uns das noch gefallen lassen!