Fast die Hälfte der russischen Unternehmen hat nach wie vor einen erheblichen Mangel an im Inland hergestellten Alternativen zu importierten Maschinen und Anlagen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Russischen Verbands der Industriellen und Unternehmer (RSPP) hervor, an der sich 90 juristische Personen beteiligten, darunter 61,1 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe.
####Befragung zeigt anhaltende Importabhängigkeit
Nach den nun veröffentlichten Ergebnissen gaben 44,7 Prozent der Unternehmen an, einen hohen Bedarf an importsubstituierten Maschinen und Ausrüstungen zu haben. Bei 7,1 Prozent der befragten Organisationen sei die Substitution sogar kritisch notwendig. Die Werte liegen nahezu auf dem Niveau einer Erhebung aus dem Mai 2025, was auf eine Stagnation der Importsubstitutionsbemühungen in zentralen Industriebereichen hindeutet.
An zweiter Stelle der Produktkategorien mit dem größten Substitutionsbedarf stehen Komponenten und Baugruppen. 37,8 Prozent der Unternehmen meldeten hier einen hohen Bedarf an inländischen Alternativen, für 7,3 Prozent sei die Lösung dieser Aufgabe existenziell.
####Strukturelle Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten
Die Umfrage zeigt zugleich, dass russische Zulieferer zwar rund 75 Prozent der Nachfrage nach Materialien, Rohstoffen, Software und Industriedienstleistungen decken können. Auf den Märkten für Komponenten sowie Maschinen und Ausrüstungen ist die Abhängigkeit von Importen jedoch deutlich höher. So stammen 28,9 Prozent der Komponenten und Baugruppen aus sogenannten „freundlichen“ Ländern, bei Maschinen und Ausrüstungen beträgt der Anteil sogar 40,3 Prozent.
Hintergrund ist der eingeschränkte Zugang zu westlichen Technologiemärkten infolge der Sanktionen. Russische Unternehmen sind gezwungen, auf Lieferanten aus Asien auszuweichen. Die Integration asiatischer Komponenten in ursprünglich nach europäischen oder US-amerikanischen Standards ausgelegte Produktionssysteme ist Berichten zufolge mit erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwendungen verbunden. Die Kosten für die Modernisierung von Fertigungslinien, die Umschulung von Personal und die Suche nach alternativen Bezugsquellen steigen, was die Endprodukte verteuert und die Betriebsmittel knapper werden lässt.
####Wirtschaftliche Folgen der Technologieabhängigkeit
Die andauernde Lücke bei inländischen Alternativen stellt die russische Industrie vor große Herausforderungen. Der Verschleiß vorhandener Anlagen und die eingeschränkten Servicemöglichkeiten für ausländische Maschinen verschärfen die Lage. Mehr als ein Drittel der Unternehmen (37,8 Prozent) meldet eine akute Knappheit an heimischen Komponenten. Für viele Betriebe bedeutet dies höhere Kosten, erschwerte langfristige Planung und eine wachsende Abhängigkeit von außenwirtschaftlichen Faktoren wie Währungsschwankungen und der Preispolitik der wichtigsten Lieferländer.
Die Umfrage des RSPP unterstreicht, dass die zu Beginn der Sanktionsperiode ausgegebene Strategie der technologischen Unabhängigkeit in zentralen Industriebereichen nicht durchgreifend umgesetzt werden konnte. Die aktuellen Daten liefern ein genaues Bild der anhaltenden strukturellen Schwächen.


