Sorge um die Freie Bühne Wien: Stadt unterstützt Theater trotz fehlender Förderansuchen nicht

Feber 24, 2026 19:17
Sorge um die Freie Bühne Wien: Stadt unterstützt Theater trotz fehlender Förderansuchen nicht

Finanzielle Nöte der Freien Bühne Wien: Der neu ernannte Theaterdirektor Gernot Kranner sieht sich mit einer kritischen Lage konfrontiert. Die bis dato gesammelten Spenden decken lediglich einen Monat Betrieb, während die Stadt Wien bisher keine finanziellen Zuschüsse gewährt. Darüber berichtet Welt Stimme.

WIEN/WIEDEN. Gernot Kranner steht auf der Bühne, umgeben von Mikrofonständern, einem Piano, Gitarren und roten „Freie Bühne Wien“-Postern. Der charakteristisch schwarze Hut sitzt locker auf dem Kopf, das bunte Hemd sticht unter seinem schwarzen Anzug hervor.

„Ich habe gehört, die Freie Bühne Wieden schließt. Das konnte ich nicht einfach so hinnehmen. Also habe ich den Beschluss gefasst, das Theater zu übernehmen“, erklärt der neue Theaterdirektor bei der offiziellen Programmpräsentation. Das Projekt birgt Herausforderungen, doch die finanzielle Situation ist gravierender als erwartet.

Geld für einen Monat

Seit Anfang Jänner hat Kranner offiziell die Leitung der ehemaligen „Freien Bühne Wieden“ übernommen. Der Spendenaufruf verläuft jedoch nur mäßig erfolgreich: „Ich habe in den ersten Monaten 3.500 Euro erhalten. Das ist wertvoll, aber zu wenig“, informiert der Schauspieler. Mit diesem Betrag kann er lediglich die Betriebskosten für einen Monat decken.

Hinzu kommen die Honorare der auftretenden Schauspieler, die vorerst aus eigener Tasche gezahlt werden müssen. Kranners Vorgängerin Michaela Ehrenstein profitierte im Jahr 2025 noch von städtischen Förderungen von insgesamt 120.000 Euro. Kranner hingegen startet ohne finanzielle Rücklagen: „Ich bitte euch, helft mir und helft dem Wiedner Theater.“.

Noch keine Ansuchen

Warum erhält die Bühne auf der Wiedner Hauptstraße keine Unterstützung von der Stadt Wien? Die zuständige Magistratsabteilung 7 – Kultur erläutert, dass es keine automatische Verlängerung bestehender Förderungen gibt. Kulturschaffende sind jedes Jahr aufs Neue gefordert, um Unterstützung zu bitten.

Die Behörde bewertet die Anträge anhand verschiedener Kriterien und entscheidet anschließend über die Förderung. Im Bereich der Darstellenden Kunst werden jährlich über 800 Förderanträge bearbeitet. Bei einer kompletten Neuausrichtung des Programms, wie sie derzeit bei der Freien Bühne Wien stattfindet, ist dieser Prozess umso wichtiger. Bislang wurden laut Kulturbehörde keine Ansuchen eingereicht; Kranner plant, diese bis Anfang März vorzulegen.

Talente und Sanierungssorgen

Unter Kranner wird das Theater in der Wiedner Hauptstraße modernisiert: Künftig sollen Talente gefördert werden. Geplant sind Workshops für Sänger, Auftritte von Jungdarstellern sowie die Einrichtung einer Werkstatt für Maßschneider: „Ich will junge Künstlerinnen und Künstler fördern, wie auch ich einst gefördert wurde.“

Ungeachtet der finanziellen Engpässe steht eine weitere Herausforderung an: Die seit Jahren ausstehende Sanierung des Gebäudes könnte den Theaterbetrieb über Monate einschränken. Die Erwartungen sind gedämpft; die Wieden fragt sich: Wie lange wird die Freie Bühne Wien überleben?

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Konkursverfahren gegen Hotel Römerstein in Henndorf nach Green-Finance-Skandal eröffnet
Vorheriger artikel

Konkursverfahren gegen Hotel Römerstein in Henndorf nach Green-Finance-Skandal eröffnet

Hausmesse in Groß Gerungs: 400 m² Wohn-Inspiration von Bruckner Fenster & Türen vom 13. bis 15. März 2026
Nächster artikel

Hausmesse in Groß Gerungs: 400 m² Wohn-Inspiration von Bruckner Fenster & Türen vom 13. bis 15. März 2026

Nicht verpassen