Steigende Langzeitarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel im Bezirk Waidhofen/Thaya 2025

Dezember 28, 2025 14:17
Steigende Langzeitarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel im Bezirk Waidhofen/Thaya 2025

AMS-Arbeitsmarktbilanz 2025: Null-Wachstum sorgt für steigende Arbeitslosenzahlen im Bezirk Waidhofen/Thaya. Für das kommende Jahr ist keine wesentliche Entspannung am Arbeitsmarkt zu erwarten.

BEZIRK WAIDHOFEN/THAYA. Das Jahr 2025 bringt weiter steigende Arbeitslosigkeit, verursacht durch ein nahezu Null-Wachstum von etwa +0,3 % nach zwei Jahren Rezession. Die schleppende wirtschaftliche Erholung, eine beschleunigte Inflation, eine gesunkene Konsumbereitschaft und die Unsicherheit im internationalen Handel haben zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit im Bezirk Waidhofen/Thaya beigetragen. Im Vergleich zum Vorjahr wird die Arbeitslosenquote etwas ansteigen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die voraussichtlichen Arbeitsmarktzahlen für 2025 im Bezirk Waidhofen/Thaya zeigen folgendes Bild:

  • Arbeitslosigkeit: 555 Personen (darunter 216 Frauen); +5,8% im Vergleich zu 2024 (nö-weit +4,3%)
  • Unselbstständig Beschäftigte: 9.968; -0,6% im Vergleich zu 2024 (nö-weit +0,2%)
  • Arbeitslosenquote: 5,3%; +0,3%-Punkte im Vergleich zu 2024 (NÖ: 6,6%; +0,2%-Punkte)

„Die schlechte konjunkturelle Entwicklung hat am Waidhofner Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Das sehen wir am Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit mit einem Plus von 72,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Vor allem junge Menschen, die Generation 50 plus, Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen oder Migrationshintergrund haben den Gegenwind am Arbeitsmarkt zu spüren bekommen. Gleichzeitig gehen die Baby-Boomer in den kommenden Jahren in Pension, und die Unternehmen aus dem Bezirk suchen daher weiter nach Fachkräften. Eine Entwicklung, die wir im AMS nutzen, indem wir auf hochwertige Qualifizierung setzen und konsequent Wiedereinstiegschancen für Arbeitsuchende gemeinsam mit den Unternehmen erarbeiten,“ sagt Edith Palisek-Zach, die Geschäftsstellenleiterin des AMS Waidhofen/Thaya.

2026 erstmals wieder Rückgang erwartet

Wirtschaftsforscher rechnen für das Jahr 2026 nach einem de facto Null-Wachstum im Vorjahr mit einem zarten Wirtschaftswachstum von etwa 1 Prozent. Die Entlastung für den Arbeitsmarkt wird jedoch nur gering ausfallen, und die Arbeitslosenquote wird weiterhin unter dem Bundesschnitt bleiben.

Die Prognosen für 2026 in NÖ (Daten von Synthesis Forschung, Dez. 2025) lauten wie folgt:

  • Arbeitslosigkeit: 45.400; -1,9% (ö-weit +0,6%)
  • Leichter Anstieg bei unselbstständig Beschäftigten: 659.300; +0,4% (ö-weit +0,5%)
  • NÖ Arbeitslosenquote: 6,4%; -0,1%-Punkte im Vergleich zu 2025 (Ö mit +0,0%)

„Wir müssen davon ausgehen, dass auch im kommenden Jahr Arbeitsplätze in der Industrie und im Handel verloren gehen. Gleichzeitig hat Niederösterreich einen starken öffentlichen Sektor. Hier sowie bei Gesundheits- und Sozialberufen, wissenschaftlichen sowie technischen Dienstleistungen und in Green Jobs wird es gute Arbeitsmarktchancen geben und neue Beschäftigungen werden entstehen,“ fügt Palisek-Zach hinzu.

Kräfte bündeln

Für das kommende Jahr wird keine wesentliche Entspannung am Arbeitsmarkt erwartet. Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen, geringer oder veralteter Qualifikation, Sprachbarrieren oder Mobilitätsproblemen stehen weiterhin vor großen Einstiegshürden. Der einsetzende Übergang der Baby-Boomer in die Pension, viele erfahrene Fachkräfte mit Lehrabschluss eingeschlossen, sorgt jedoch für eine anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften seitens der Arbeitgeber.

„Unser Ziel ist, den Aufbau der Sockelarbeitslosigkeit bestmöglich zu bremsen. Die Vermittlung vom ersten Tag an sowie passende Qualifizierung für die Zukunft sind zentrale Hebel. Für eine moderne und nachhaltige Vermittlungsarbeit werden wir unsere neuen Online-Formate wie die Vermittlungsplattform und MeinAMS intensiv anbieten und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verstärken. In der aktiven Arbeitsmarktpolitik liegt unser besonderes Augenmerk auf hochwertiger Qualifizierung für die Zukunft, wirksamer beruflicher Rehabilitation und dem Forcieren des Arbeitsmarkteinstiegs für junge Menschen, der Generation 55 plus und Migrant_innen,“ informiert Palisek-Zach.

Schwerpunkte 2026

  • Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vertiefen: Die Berater_innen des AMS Waidhofen/Thaya werden wieder rund 200 Betriebsbesuche, Vorauswahlen und Jobbörsen planen. Das AMS NÖ wird im kommenden Jahr mit eigenen Informationsveranstaltungen und Round-Table-Gesprächen in einen vertieften Austausch mit Arbeitgeber_innen gehen.
  • Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit: Kompetenzen bündeln und neue Modelle testen. Das AMS wird neue, überwiegend vom Europäischen Sozialfonds finanzierte Modellprojekte im Bereich der Beschäftigungsförderung und der besonderen Beratung für Langzeitarbeitslose erproben. Im Zentrum steht die Zusammenarbeit mit und zwischen den Betrieben bei der Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen. Um Ressourcen zu sparen und flexible Angebote für die Betroffenen zu gestalten, werden die Kompetenzen von sozialintegrativen Unternehmen im Zentralraum und im Mostviertel gebündelt.
  • Generation 55 plus in Beschäftigung bringen und halten: Der berufliche Wiedereinstieg benötigt im Durchschnitt 78 Tage im Jahr 2025 im Bezirk Waidhofen/Thaya. Für Jobsuchende der Generation 50 plus verlängert sich die erfolgreiche Jobsuche in der Regel um durchschnittlich rund 30 Tage. Im Rahmen der Aktion 55 plus stellt das AMS NÖ im kommenden Jahr knapp 9 Millionen Euro bereit, um die Arbeitsmarktintegration der Generation 50 plus mit Lohnkostenförderung in privatwirtschaftlichen und sozialintegrativen Unternehmen zu unterstützen.
  • Passende Qualifizierung für die Zukunft: 55 Millionen Euro werden für die Fachkräftequalifizierung reserviert. Im Fokus steht die hochwertige Ausbildung in nachgefragten Berufsbereichen wie Technik und Green Jobs, Pflege sowie spezielle Angebote für Frauen und Jugendliche, um ihnen den Lehrabschluss zu ermöglichen. Ergänzend wird Sprachförderung für Migrant_innen und gezielte Qualifizierungsförderung für Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen angeboten.
  • Förderung von Frauen wird großgeschrieben: Besonders bei Frauen ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk Waidhofen/Thaya mit 12,9 Prozent überdurchschnittlich gestiegen (Gesamtarbeitslosigkeit +5,8%). Mehr als 50 Prozent des Förderbudgets im kommenden Jahr ist für Frauen vorgesehen, einschließlich Angeboten wie Frauenberufszentren und dem Programm „Frauen in Handwerk und Technik“.

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