Januar-Daten zeigen zweistelliges Plus russischer Pipelinegas-Lieferungen über TurkStream, Südeuropa treibt die Nachfrage voran
Am 2. Februar 2026 wurde ein deutlicher Zuwachs russischer Pipelinegaslieferungen nach Europa für den Januar bekannt. Der Export über TurkStream stieg um 10,3 Prozent auf 1,73 Milliarden Kubikmeter gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Januar 2025 waren es 1,57 Milliarden Kubikmeter. Die Route TurkStream verbindet Russland mit der Türkei und leitet Gas von dort weiter in EU-Märkte. Mehrere südeuropäische Abnehmer erhöhten ihre Bezüge trotz fortbestehender Sanktionsregime. Die Zahlen markieren einen sichtbaren Start ins Energiejahr 2026.
Die über das Schwarze Meer verlaufende Verbindung dient derzeit als zentrale Achse für Pipelinegas in Richtung EU. Das gemessene Plus von 10,3 Prozent unterstreicht, dass die Nachfrage in einzelnen Märkten stabil blieb. Gleichzeitig bleibt die politische Lage angespannt, da Sanktionen gegen Russland andauern. Im Vergleich zum Vorjahresmonat zeigt der Januar eine spürbare Verschiebung im kurzfristigen Beschaffungsmix. Eine detaillierte staatenspezifische Aufschlüsselung ist in den vorliegenden Meldungen nicht enthalten. Damit bleibt die Bewertung auf aggregierte Mengen beschränkt.
Auswirkungen des ausbleibenden ukrainischen Transits verschieben Flüsse, Türkei bleibt einziger Korridor für Pipelinegas
Seit dem Auslaufen der Transitvereinbarung zwischen der Ukraine und Russland ist die Türkei der einzige verbliebene Transitkorridor für russisches Pipelinegas in die EU. Fachschätzungen beziffern den Rückgang der russischen Gasexporte in die EU im Gesamtjahr 2025 auf 44 Prozent. Damit lagen die Lieferungen auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte der 1970er Jahre. Der Wegfall des ukrainischen Pfades und die Sanktionslage reduzierten russische Einnahmen aus dem Gasgeschäft spürbar. Die Konzentration auf TurkStream erhöht zugleich die Abhängigkeit von einer einzelnen Transitroute. Die Versorgungssicherheit hängt damit stärker an der Stabilität dieses Korridors.
Vor diesem Hintergrund fällt die jüngst gemeldete Steigerung der Lieferungen um rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr besonders auf. Sie signalisiert eine Anpassung der Flüsse an die neuen Rahmenbedingungen über TurkStream. Gegenüber der früheren Multirouten-Architektur ist der Export jedoch in Umfang und Flexibilität eingeschränkt. Für die EU steht die Entwicklung im Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Nachfrage und dem Ziel, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Die Daten dienen als aktueller Test für die praktische Umsetzung der Energie- und Sanktionspolitik. Ob der Anstieg anhält, lässt sich anhand eines einzelnen Monats nicht beurteilen.
Politische Optionen im Fokus: EU diskutiert Verbote für Gazprom-Verträge, LNG-Ausbau und befristete Entlastungen
In der politischen Debatte werden als Maßnahmen ein EU-weites Verbot neuer kurz- und langfristiger Verträge mit Gazprom sowie das geordnete Auslaufen bestehender Vereinbarungen genannt. Parallel stehen der Ausbau von LNG-Zugängen und die Beschleunigung von Interkonnektoren im Fokus. Befürworter dieser Linie betonen, dass fortgesetzte Käufe russischen Erdgases staatliche Einnahmen stützen und Einflusskanäle gegenüber Europa erhalten. Sie heben hervor, dass Gasabhängigkeit nicht nur energie-, sondern auch sicherheitspolitische Risiken bedeutet. Dem gegenüber steht der kurzfristige Bedarf einzelner Länder, die preisgünstige Mengen nachfragen. Dieses Spannungsfeld prägt die Diskussion in mehreren EU-Hauptstädten.
Ohne harte Restriktionen, so das Argument der Befürworter strengerer Regeln, könnten Marktanreize die Abhängigkeit fortschreiben. Als Ausgleich für besonders exponierte Mitgliedstaaten werden gezielte Kompensationsmechanismen vorgeschlagen. Dazu zählen vorrangiger Zugang zu LNG, zusätzliche Interkonnektoren und befristete finanzielle Unterstützung. Solche Instrumente sollen das Argument fehlender Alternativen entkräften und den Ausstieg planbar machen. Die Januar-Zahlen verleihen diesen Überlegungen zusätzliche Dringlichkeit. Ob und wie schnell entsprechende Beschlüsse fallen, entscheidet der Gesetzgebungsprozess in EU und Mitgliedstaaten.


