Thomas Schaden: Erwartungen an den regionalen Handel 2026 in Wiener Neustadt

Jänner 7, 2026 16:28
Thomas Schaden: Erwartungen an den regionalen Handel 2026 in Wiener Neustadt

Wirtschaftskammer-Vertreter äußert sich zur wirtschaftlichen Lage in Österreich

2025 war für den regionalen Handel ein sehr herausforderndes Jahr. MeinBezirk sprach mit Thomas Schaden, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreichs, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV) und Geschäftsführer einer Handelsagentur in Katzelsdorf, über die Erwartungen für 2026. Darüber berichtet Welt Stimme.

WIENER NEUSTADT, BEZIRK WIENER NEUSTADT. „Wir haben eine schlechte Stimmung im Land und wir reden uns auch sehr viel schlecht“, sagt Thomas Schaden und führt aus, dass dies sowohl große Unternehmen als auch kleine, regionale Geschäfte betrifft.

Woher kommt diese schlechte Stimmung?
Schaden: Eine Wirtschaft, die seit drei Jahren nicht wächst, kann nicht lustig sein, jedoch machen wir uns auch viel selbst schlecht. Positiv ist jedoch die gestiegene Sparquote, die seit Corona um vier Prozent auf zwölf Prozent zugenommen hat. Es gibt also viele Menschen, die viel Geld am Sparkonto haben, nur geben diese Personen das Geld nicht aus, was uns in der Wirtschaft letztendlich fehlt.

Wieso geben die Leute das Geld nicht so aus wie früher?
Wenn man heute die Zeitung aufschlägt und immer nur liest, wie schlecht alles ist, dann zieht man sicherheitshalber die Sparbremse an.

Für viele Selbstständige ist noch immer die Bürokratie ein großes Hindernis …
Die Regierung ist dabei, die Bürokratisierung zu verringern; die vorgestellten Beispiele wie „Pickerl nur mehr alle zwei Jahre“ oder „nur mehr elektrische Vignette“ sind nur kleine Auszüge aus einem umfangreichen Programm.

Wie verbreiten Sie – etwa bei ihren Firmenbesuchen – positive Stimmung in den Betrieben?
Man hört nicht überall nur Negatives. Es geht vielen durchaus gut. Ein Beispiel ist die Gastronomie: Bei Familienbetrieben jammert kaum jemand. In der Familie helfen alle mit, da wird nicht auf die Stunden geschaut. Beispielsweise in einem Heurigen in Katzelsdorf, da hilft die Großmutter mit und es gibt selbstgemachte Speisen. Familienbetriebe funktionieren in der Regel recht gut.

Wie steht es mit den Energiekosten?
Die Landesregierungen müssten in die Energiekosten eingreifen. Mein Rat für Kleinbetriebe: den Stromanbieter wechseln. Ich bin selbst ein kleiner Betrieb mit zehn Mitarbeitern und wechsle ebenfalls den Stromanbieter, um bis zu 60 Prozent Kosten zu sparen.

Wie sehen Sie den Einsatz von KI in Betrieben?
Ich sehe KI auch als Bedrohung. Viele bekannte Firmen nutzen KI bereits als Telefonanrufbeantworter, doch es funktioniert noch nicht perfekt und nimmt Jobs im Callcenter weg. Ob dadurch zusätzliche Jobs generiert werden? Vielleicht im Bereich nachhaltiger Berufe für die Umwelt.

Reizthema Work-Life-Balance …
Work-Life-Balance klingt gut, aber wir werden es uns nicht leisten können. Wie will man sich mit einer 20-Stunden-Woche das Leben finanzieren? Man verdient weniger, hat aber doppelt so viel Freizeit – wie soll man das finanzieren? Das ist nicht möglich! Es werden 38 bis 40 Stunden notwendig sein.

Beschäftigung von Pensionisten und gerechte Bezahlung ist ein großes Thema auch für 2026.
Ich kenne viele Pensionisten, die sich etwas dazuverdienen wollen. Das wird für die Firmen wichtig sein. Man muss auf das Wissen der erfahrenen Mitarbeiter zurückgreifen können.

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