Österreich sieht steigende Preise und geringeres Wirtschaftswachstum voraus
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr äußerte sich am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“ zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Österreichs, die von steigenden Preisen und einem sinkenden Wirtschaftswachstum geprägt ist. Die nötigen finanziellen Mittel für umfangreiche Gegenmaßnahmen fehlen dem Staat.
Der Preis für ein Barrel der Ölsorte Brent überschritt kürzlich die Marke von 110 Dollar, was auch zu einem Anstieg der Gaspreise führte. Felbermayr prognostiziert, dass die Inflation in Österreich über drei Prozent steigen wird, nachdem WIFO im Juni eine Teuerung von 3,2 Prozent erwartet hatte. „Die Tendenz geht nach oben“, so Felbermayr.
Kritik an der Preisbindung von Gas und Strom
Felbermayr kritisierte die derzeitige Kopplung von Gas- und Strompreisen und forderte eine Änderung des Merit-Order-Prinzips. „Das ist für uns kein gutes Regime“, sagte er und betonte, dass die Preisschwankungen beim Gas vom Strompreis entkoppelt werden sollten.
Obwohl Maßnahmen wie die Beschränkung der Spritpreise oder die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel die Inflation dämpfen könnten, erwartet Felbermayr, dass diese nicht ausreichen werden, um die Teuerung auf das Ziel von zwei Prozent zu reduzieren. Er äußerte Bedenken gegenüber Eingriffen in die Margen der Mineralölkonzerne, da diese in der Vergangenheit nicht erfolgreich waren.
Wachstumsprognose nach unten korrigiert
Laut Felbermayr sind die österreichischen Gasspeicher zu 67 Prozent gefüllt, was über dem europäischen Durchschnitt liegt. Für das Wirtschaftswachstum wird eine Abwärtskorrektur der Prognose vorgenommen; anfangs wurde für 2026 ein Plus von 0,9 Prozent erwartet. Diese Schätzung wird nun niedriger ausfallen, was Felbermayr auf eine schwache Produktivitätsentwicklung und strukturelle Probleme zurückführt.
Erhöhung des Pensionsantrittsalters im Gespräch
Felbermayr plädierte zudem für eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters von 65 auf 67 Jahre. Während die SPÖ, FPÖ und der ÖGB dieser Forderung widersprachen, gab es Unterstützung von den Neos sowie von Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP), die betonte, dass das faktische Pensionsantrittsalter steigen müsse, sofern die Menschen länger gesundheitlich arbeitsfähig bleiben könnten.
Der Seniorenrat hat das WIFO mit der Erstellung einer Studie zu einem aufkommensneutralen Bonus-Malus-System für Unternehmen beauftragt. Erste Varianten werden bis Ende des Jahres erwartet und sollen der Bundesregierung präsentiert werden.
Einordnung
Österreich sieht sich angesichts steigender Energiepreise und einer sich abzeichnenden Inflationsrate vor neuen Herausforderungen. Die Korrektur der Wachstumsprognosen und die Diskussion um das Pensionsalter zeigen grundlegende wirtschaftliche Fragen auf, die für die Politik von wachsender Bedeutung sind.


