Wirtschaftsprognose: Österreich überwindet Rezession, Stagnation bleibt bis 2026 bestehen

Oktober 8, 2025 01:02
Wirtschaftsprognose: Österreich überwindet Rezession, Stagnation bleibt bis 2026 bestehen

Österreich: Wirtschaftsforscher warnen vor „verlorener Dekade“

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Österreichs haben ihre Herbstprognose präsentiert und zeichnen ein ernüchterndes Bild: Zwar ist die Rezession überwunden, doch ein echten Aufschwung bleibt aus. Die 2020er Jahre könnten zu einer „verlorenen Dekade“ werden, warnen die Experten. Besonders alarmierend: Das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wird erst 2030 wieder das Niveau von 2019 erreichen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Österreichs Wifo-Chef Gabriel Felbermayr erklärt in seiner Analyse: „Die Rezession der vergangenen beiden Jahre ist vorbei. Nächstes Jahr kommt auch die Stagnation zu einem Ende, aber ein echter Aufschwung ist nicht in Sicht.“ Für 2025 erwartet das Wifo lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent, für 2026 wird ein Anstieg auf 1,1 Prozent prognostiziert. Im Vergleich dazu wurde die Prognose für 2025 um drei Zehntel-Prozentpunkte nach oben und die für 2026 um einen Zehntel-Prozentpunkt nach unten revidiert.

Das IHS zeigt sich optimistischer und prognostiziert für 2024 ein Wachstum von 0,4 Prozent sowie 0,9 Prozent für 2025. IHS-Experte Helmut Hofer stellt jedoch klar, dass die positive Revision nicht auf einer intensiveren Wachstumsdynamik beruht, sondern darauf, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal des Vorjahres weniger stark gesunken ist als zunächst angenommen.

Industrie schwer getroffen, Inflation bleibt hoch

Die Situation in der Industrie ist besonders besorgniserregend. Im Vergleich zu 2022 hat diese fast zehn Prozent ihrer realen Wertschöpfung verloren. Der Anteil der Industrie am BIP fiel von 17,1 Prozent im Jahr 2019 auf 15,1 Prozent in den letzten vier Quartalen. Für 2025 erwartet Felbermayr ein Wachstum von 1,2 Prozent, warnt jedoch: „Das reicht nicht, um die Lage am Arbeitsmarkt wirklich zu entspannen.“

Die Inflation stellt weiterhin ein zentrales Problem dar. Mit einem Anstieg auf 3,5 Prozent im Jahr 2025 liegt diese deutlich über den ursprünglichen Prognosen von Juni. „Der Anstieg ist sehr breitflächig erfolgt“, erklärt Hofer. Überraschenderweise steigen insbesondere die Preise für lohnkostenintensive Dienstleistungen, obwohl die Löhne bereits zurückgegangen sind. Für 2026 rechnen die Forscher mit einem Rückgang auf 2,4 Prozent, was immer noch über dem Durchschnitt der Eurozone liegt.

Budgetdefizit überschreitet Maastricht-Kriterien

Die Haushaltslage bleibt angespannt. Das Wifo prognostiziert für 2025 ein gesamtstaatliches Defizit von 4,1 Prozent des BIP, während das IHS in diesem Jahr von 4,3 Prozent und für 2026 von 4,1 Prozent ausgeht. Der Schuldenstand dürfte 2026 bei knapp 83 Prozent des BIP liegen. „Damit ist das Land nicht gut für eine eventuelle neue Krise gewappnet“, warnt Felbermayr.

Ein düsteres Bild zeichnet sich auch für die mittelfristige Projektion bis 2030 ab. Josef Baumgartner vom Wifo erwartet ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von lediglich 1,1 Prozent pro Jahr, was um einen Viertel-Prozentpunkt niedriger ist als der Durchschnitt der Eurozone. „Das Budget-Defizit wird in jedem Jahr deutlich über der Maastricht-Grenze von drei Prozent liegen“, prognostiziert er.

Die Arbeitslosenquote könnte laut Wifo von sieben Prozent im laufenden Jahr auf knapp sechs Prozent fallen, während das IHS für 2025 mit 7,3 Prozent rechnet.

Reformpartnerschaft als einziger Ausweg

Die Experten sind sich einig: Nur durch eine umfassende Reformpartnerschaft kann Österreich aus der Krise gelangen. IHS-Chef Holger Bonin betont: „Wir haben kein Erkenntnisproblem und es mangelt in Österreich auch nicht an guten Vorschlägen für notwendige wirtschaftspolitische Maßnahmen.“ Felbermayr legt konkrete Reformen nahe, darunter eine Reform der Arbeitslosenversicherung mit „Experience Rating“, eine Bodenwertsteuer im baden-württembergischen Vorbild sowie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Lebensmittel, was der einzige „realistische, verlässliche und schnell wirksame Weg sei, um den täglichen Einkauf für Millionen Österreicher wieder erschwinglicher zu machen.“ Bonin fordert strukturelle Reformen in verschiedenen Bereichen, darunter Föderalismus, Energie, Gesundheitswesen, Pensionen und Bildung. Er verweist auf erste ermutigende Anzeichen, wie die Anpassung der Pensionen unter der Inflationsrate und die Einigung der Sozialpartner in der Metallindustrie.

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