Angesichts der anhaltend hohen Inflation wird der vor zwei Jahren abgeschlossene Kollektivvertrag für Handelsangestellte neu verhandelt. Diese Gespräche sind für November angesetzt.
ÖSTERREICH. Neuverhandlungen für den Kollektivvertrag für Handelsangestellte. Die Sozialpartner hatten im Vorjahr beschlossen, dass die KV-Erhöhung für 2026 bei einer Inflation von drei oder mehr Prozent im Zeitraum von Oktober 2024 bis September 2025 neu verhandelt werden muss. Die am Freitag veröffentlichten finalen September-Inflationsdaten zeigen eine durchschnittliche Inflation von über drei Prozent in den letzten zwölf Monaten. Darüber berichtet Welt Stimme.
Gestaffelte Gehaltserhöhung
Ursprünglich war eine gestaffelte Gehaltserhöhung für 2026 vorgesehen, die von der Inflation abhängt. Diese Regelung sah vor: Bei einer Jahresinflation von bis zu 2,3 Prozent sollten die Gehälter um 0,5 Prozent über der Inflationsrate angehoben werden, zwischen 2,4 und 2,5 Prozent wären es 0,4 Prozent, bei 2,6 Prozent Teuerung 0,3 Prozent, bei 2,7 Prozent 0,2 Prozent, und bei 2,8 Prozent lediglich 0,1 Prozent. Bei 2,9 Prozent Inflation wäre lediglich die Inflation ausgeglichen worden. Eine Jahresinflation von drei Prozent oder mehr erfordert Neuverhandlungen.
Verhandlungen Anfang November
Die Gewerkschaft und die Wirtschaftskammer haben sich auf Kollektivvertragsverhandlungen ab Anfang November geeinigt. Einige Wirtschaftsvertreter verweisen auf den aktuellen Metaller-Abschluss sowie die Beamten-Gehaltseinigung als Vorbilder für andere Branchen, was jedoch für diese Verhandlungen nicht zutrifft. „Wir müssen nicht copy and paste machen“, erklärte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik zur APA. Man wolle „in unaufgeregter Weise“ verhandeln, um Arbeitsplätze und Betriebe zu erhalten. Der neue GPA-Bundesgeschäftsführer Mario Ferrari, der als gewerkschaftlicher Chefverhandler agiert, fordert „eine entsprechende Abgeltung“ für die Inflation. „Lohnzurückhaltung ist nicht die Lösung“, erklärte Ferrari zur APA, da die Teuerung bei Energie, Dienstleistungen, Lebensmitteln und Mieten für die Arbeitnehmer „schwer stemmbar“ sei.
Handel in der Krise
In Österreich beschäftigt der Handel rund 450.000 Angestellte und Lehrlinge sowie 120.000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Jedoch führte der Wirtschaftsrückgang in den Jahren 2023 und 2024 zu rückläufigen Realumsätzen im Handel. Viele Insolvenzen trafen die Branchen Mode, Schuhe und Möbel, darunter beispielsweise Kika/Leiner. Von April bis Juli 2025 konnten die Händler wieder ein reales Erlösplus verzeichnen, doch im August verzeichnete laut Statistik Austria der Handel erneut ein reales Umsatzminus. GPA-Bundesgeschäftsführer Ferrari betont, der Handel stehe „besser da als ursprünglich prognostiziert“. WKÖ-Handelsobmann Trefelik strebt „eine Lösung“ für die angespannte Situation im Handel an. Auch ein Reformprozess für Änderungen im Handels-KV-Rahmenrecht ist derzeit im Gange.


