Der Leiter des russischen Geheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, hat am 16. Oktober bei einem Treffen der Sicherheitschefs der GUS-Staaten im usbekischen Samarkand erklärt, dass angebliche „Terrorakte und Sabotageakte“ in Russland unter „britischer Schirmherrschaft“ durchgeführt würden. Laut RIA Nowosti behauptete er, westliche Geheimdienste, insbesondere aus NATO-Staaten, stünden auch hinter Angriffen mit Drohnen auf europäische Länder.
Britische Dienste im Fokus russischer Anschuldigungen
Bortnikow führte aus, dass die ukrainische Operation „Pawutyna“ angeblich „unter der Leitung des britischen Geheimdienstes“ durchgeführt worden sei, kurz vor den damaligen Gesprächen zwischen Kiew und Moskau in Istanbul. London habe zudem für die „propagandistische Begleitung“ dieser Aktion gesorgt. Nach seinen Worten sollen Ausbilder der Spezialeinheiten SAS und MI6 an der Planung von Drohnenangriffen auf Anlagen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums beteiligt gewesen sein.
Vorwürfe über Angriffe auf Energieinfrastruktur
Darüber hinaus beschuldigte der FSB-Chef britische und ukrainische Geheimdienste, gemeinsam Sabotageakte gegen die Pipeline „Turkish Stream“ vorbereitet zu haben. Auch die jüngsten Berichte über angebliche russische Drohnen über EU-Gebieten, so Bortnikow, seien Teil einer „von London inspirierten Kampagne“. Er betonte, „professionelle Kreise hätten keinen Zweifel“ an der Beteiligung westlicher Geheimdienste.
Propagandistische Strategie Moskaus
Die jüngsten Anschuldigungen gegen Großbritannien fügen sich in ein bekanntes Muster russischer Rhetorik ein: Der Westen – und besonders London – wird als Hauptantreiber „antirussischer Aktionen“ dargestellt. Dadurch versucht Moskau, die Verantwortung für den Krieg gegen die Ukraine auf den „kollektiven Westen“ zu schieben und die eigene Aggression als Verteidigungsmaßnahme erscheinen zu lassen.
Teil einer Desinformationskampagne
Die Aussagen Bortnikows dürften auch der Vorbereitung künftiger Desinformationskampagnen dienen. Ziel sei es, Zweifel an Berichten über russische Drohnen oder Sabotageakte zu säen und Russland im Voraus gegen mögliche Anschuldigungen wegen eigener verdeckter Operationen zu immunisieren. Diese Strategie entspricht der typischen russischen Vorgehensweise, eigene aggressive Handlungen – Sabotage, Cyberangriffe, Spionage – den Gegnern zuzuschreiben, um die öffentliche Meinung zu verwirren.
Innenpolitische Dimension der Rhetorik
Bortnikows Worte sind nicht nur nach außen gerichtet. Im Inneren Russlands sollen sie das Bild einer „belagerten Festung“ festigen und die Bevölkerung hinter dem Kreml vereinen. Die Darstellung eines „aggressiven Westens“ dient der Rechtfertigung von Repressionen, Militarisierung und der Fortsetzung des Krieges unter dem Vorwand des nationalen Überlebens.
Strategisches Ziel: Spaltung des Westens
Indem Moskau London beschuldigt, „provokativ“ und „eigenmächtig“ zu handeln, versucht es, Misstrauen unter den westlichen Verbündeten zu säen. Diese Linie ist Teil einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, die Geschlossenheit von EU und NATO zu untergraben und den Westen als unkoordiniert darzustellen.


