PV-Anlagen in Tulln: Neue Tarife stellen Betreiber vor finanzielle Herausforderungen

August 5, 2025 13:43
PV-Anlagen in Tulln: Neue Tarife stellen Betreiber vor finanzielle Herausforderungen

Netz-Tarife: PV-Anlagen-Besitzer müssen künftig verbrauchen oder speichern, sonst wird es teuer.

BEZIRK. Über 140.000 Photovoltaikanlagen gibt es in NÖ, darunter etwa 5.560 im Bezirk Tulln. Diese Anlagen decken den Energiebedarf von rund 846.000 Haushalten. Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (EIWG) werden Betreiber von PV-Anlagen bei den Netzkosten künftig stärker zur Verantwortung gezogen. Die anfängliche Freude über die „kostenlose“ Sonnenenergie verwandelt sich in Unmut, da Betreiber für die Einspeisung ihres Stroms ins Netz zukünftig eine Gebühr zahlen müssen, die leistungsabhängig ausfällt und teilweise die derzeitige Netzanschluss-Pauschale von etwa 50 Euro jährlich übersteigt. Dieses Gesetz befindet sich derzeit in der Diskussion und eine politische Entscheidung steht noch aus. „Für diejenigen, die möglichst viel des selbst erzeugten Stroms verwenden, könnte es sogar günstiger werden“, erklärt Daniel Hantigk von der e-control. Umso mehr Strom eingespeist wird, desto höher wird die erforderliche Netzleistung und entsprechend die Kosten. Tullner Betreiber müssen daher neu berechnen, wann sich die Investition in ihre PV-Anlage amortisiert. Die Anschaffung eines Stromspeichers oder eines E-Autos könnte sich jetzt „lohnen“.

Verständnis und Ärger

„Ich habe vor einem halben Jahr eine PV-Anlage installieren lassen und produziere bis zu 70 Kilowatt am Tag“, berichtet Johann Zimmer aus Grafenwörth. „Falls eine Gebühr kommt, werde ich wahrscheinlich nichts mehr ins Netz einspeisen oder nur eine geringe Menge. Einerseits kann ich die Überlegung nachvollziehen, da einige beim Bau der Anlagen über das Ziel hinausgeschossen sind, andererseits ist es sehr unfair gegenüber denjenigen, die versucht haben, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten.“

Max Wagner, Geschäftsführer der Autarkie GmbH in St. Andrä-Wördern, äußert: „Die PV-Branche hat durch die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung einen Rückschritt von etwa 25 Prozent erlitten. Es dürfen nicht die bestraft werden, die bereits einen Beitrag zur positiven Energiewende leisten – sie sollten dafür belohnt werden.“

Energie clever steuern – mit einfachen Mitteln

Ein praktischer Tipp für den Alltag lautet: „Man sollte die größten Stromverbraucher mit einer Zeitschaltuhr ausstatten. Mit einem Timer kann alles automatisch gesteuert werden – etwa Geschirrspüler oder Waschmaschine. Es empfiehlt sich, diese Geräte zur Mittagszeit laufen zu lassen, wenn der meiste Strom verfügbar ist.“

Wagner nennt als positives Beispiel Peer-to-Peer-Energiegemeinschaften und fordert eine unbürokratische Lösung, damit Strom wirklich geteilt werden kann. Die aktuelle politische Debatte bewertet er kritisch: „Die Menschen wurden regelrecht gedrängt, Anlagen zu installieren – und jetzt sollen sie zur Kasse gebeten werden.“

Speicherlösungen bieten neue Möglichkeiten

Wagner empfiehlt, über große Speicherlösungen nachzudenken: „Der PV-Strom kann in den Speicher eingeleitet werden, wenn Überschüsse vorhanden sind. Dies lässt sich sogar stundenweise steuern. Der Speicher kann auch vom Netz geladen werden, was sinnvoll ist, wenn die Strompreise niedrig sind, und entlastet das Netz. Am Abend kann der gespeicherte Strom dann effizient verwendet werden.“

Sein Appell lautet: „Es bringt nichts, nur zu produzieren. Wir brauchen eine unbürokratische Möglichkeit, Energie dezentral zu teilen – damit der Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird.“ Dafür seien stabile Fördermodelle, Innovationsgeist und langfristiges Denken erforderlich. Obwohl PV-Anlagen nicht abgeschaltet werden können, ist eine Null-Einspeisung möglich. Es ist zudem wichtig, nur so große PV-Anlagen zu installieren, wie tatsächlich benötigt werden.

Verteilung im Bezirk Tulln

Im Bezirk Tulln gibt es insgesamt rund 5.560 PV-Anlagen. Atzenbrugg ist Bezirkssieger und liegt in NÖ-weit auf Platz 17 hinsichtlich des Zuwachses in Watt pro Einwohner (978 Watt); es gibt dort 411 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 7.503 kW.

  • Judenau-Baumgarten: 314/ 5.309 kW
  • Sieghartskirchen: 813/ 12.189 kW
  • Königsbrunn: 174/ 1.936 kW
  • Würmla: 190/ 3.970 kW
  • Sitzenberg-Reidling: 246/ 3.288 kW
  • Michelhausen: 425/ 6.980 kW
  • Zwentendorf: 423/ 6.224 kW
  • Langenrohr: 282/ 4.426 kW
  • Tulbing: 394/ 4.581 kW
  • Großweikersdorf: 387/ 3.851 kW
  • Kirchberg: 476/ 6.506 kW
  • Grafenwörth: 539/ 27.040 kW
  • Zeiselmauer-Wolfpassing: 214/ 2.259 kW
  • St. Andrä-Wördern: 759/ 6.816 kW
  • Tulln: 1.059/ 17.361 kW
  • Großriedenthal: 130/ 1.279 kW
  • Königstetten: 251/ 2.294 kW
  • Muckendorf-Wipfing: 177/ 1.433 kW
  • Absdorf: 261/ 2.390 kW
  • Fels am Wagram: 315/ 2.801 kW
  • Klosterneuburg: 1.319/ 12.411 kW

Bis 2040 wird der Strombedarf sich verdoppeln. Laut „PV Austria“ muss deshalb die Batteriespeicherleistung entsprechend steigen. Mit 28 Prozent verzeichnet NÖ den größten Bedarf im österreichischen Vergleich. Im Bezirk Tulln gibt es aktuell rund 5.560 PV-Anlagen.

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