In der Krausegasse wird aktuell eine unbebaute Liegenschaft für rund vier Millionen Euro geschätzt zwangsveräußert. Der Eigentümer ist insolvent, und das Grundstück wird sich selbst überlassen, was zur Ansammlung von Müll und Schutt auf der Grünfläche führte. Eine Anrainerin wünscht sich einen Park, doch SPÖ und FPÖ halten dies aus gesetzlichen Gründen für unmöglich. Darüber berichtet Welt Stimme.
WIEN/SIMMERING. Nur wenige Gehminuten vom Simmeringer Zentrum entfernt, befindet sich die Adresse Krausegasse 18–20. Das Grundstück ist teilweise mit Bauzäunen abgesperrt, jedoch gelangt man auch leicht von der Straße darauf. In der Vergangenheit haben dies offenbar einige genutzt, um ihren Müll abzuladen – von Bürostühlen bis Waschmaschinen findet man alles.
Das Grundstück wird seit Jahren sich selbst überlassen, weshalb es zwangsläufig zur Müllhalde verkommen musste. Der eigentliche Besitzer, die Mautner-Markhof-Gasse 55 Projekt GmbH, Teil der Unternehmensgruppe der insolventen „Stixt + Partner GmbH“, existiert nicht mehr. Daher ist die Liegenschaft seit Mitte Oktober in der Ediktsdatei des Justizministeriums verzeichnet.
Widmung für Appartements bis 2027
Ein Gutachter schätzt den Wert des rund 3.800 Quadratmeter großen Grundstücks auf etwa vier Millionen Euro. Interessenten können sich beim zuständigen Insolvenzverwalter melden; bald könnte die Krausegasse 18–20 somit einen neuen Eigentümer haben. Dieser kann dann jedoch auf eine bereits bestehende Baubewilligung zurückgreifen, die die MA 37 (Baupolizei) dem früheren Eigentümer im Dezember 2024 gewährte.
In dieser Baubewilligung wurde der Neubau einer „Wohn- und Apartmenthausanlage“ genehmigt. Sollte der neue Eigentümer dies umsetzen, entstehen auf dem Grundstück insgesamt 23 Appartements mit über 1.100 Quadratmetern Wohnfläche. Die „Raumwidmung“ gilt laut Baupolizei bis Anfang 2027 und verweist auf die Flächenwidmung sowie Vorschriften der Bauordnung.
Diese besagt, dass auf als „gemischtes Baugebiet Geschäftsviertel“ gewidmeten Flächen Wohnungen gemäß Bauordnung erst ab einer Höhe von 3,5 Metern erlaubt sind. „Dementsprechend wurde in diesen Bereichen (Anm.: in den ersten 3,5 Metern) unter anderem eine Beherbergungsstätte mit insgesamt 23 Beherbergungseinheiten geplant“, so eine Sprecherin der MA37.
Anrainerin wünscht sich Park
Die Anrainerin Maija Asunta-Johnston, die seit Jahren an dem Grundstück vorbeispaziert, hofft, dass es anders kommt, wie sie gegenüber berichtet. Immerhin gibt es in der Nachbarschaft kaum Aufenthaltsräume im Freien; nur eine Parkbank steht an der Kreuzung Mautner-Markhof-Gasse/Krausegasse.
Diese ist entsprechend oft besetzt, weshalb sie sich auf der zugemüllten Grünfläche einen Park oder Ähnliches wünscht. Appartements gibt es in der Gegend genug, wie Asunta-Johnston betont, während sie auf die Mautner-Markhof-Gasse hinunter zeigt.
Den Wunsch der Anrainerin griff KPÖ/Links-Bezirksrat Florian Rath auf, der in der letzten Bezirksvertretungssitzung anregte, das Gebiet in einen Park umzuwidmen: „Die Stadt sollte den Grund aus der Insolvenz kaufen. Von einem Park oder leistbarem Wohnraum hätte die Allgemeinheit mehr.“
FPÖ und SPÖ äußern Bedenken
In der Bezirksvertretung äußerten die SPÖ und die FPÖ deutliche Bedenken hinsichtlich der Umwidmung. FPÖ-Bezirksrat Andreas Eisenbarth erklärte, dass der Bau bereits 2024 einstimmig in der Baukommission angenommen wurde. Zudem gehe der Vorschlag von Rath für ihn in Richtung „Enteignung“, da das Grundstück in Privatbesitz ist.
Für Bezirksrat und Vorsitzenden des Bauausschusses, Stefan Tögl (SPÖ), kommt der Antrag „aus der Hüfte geschossen“. Er verweist auf eine ohnehin gewidmete Parkfläche zwischen Rappachgasse 1 und Mautner-Markhof-Gasse. Rath zog den Antrag nach den Wortmeldungen der anderen Fraktionen zurück.


