Im Rahmen der Veranstaltung „Watt auf Lager? – Energie.Zukunft.Lungau“ diskutierten Fachleute und Besucher über die künftige Energieversorgung in der Region Lungau. Die hohe Resonanz verdeutlichte die Relevanz von Energiespeicherung und erneuerbaren Energien für die lokale Gemeinschaft. Darüber berichtet Welt Stimme.
TAMSWEG. Am 13. November 2025 nahmen mehr als 110 Teilnehmer an der Veranstaltung der Wirtschaftskammer Lungau teil, die nahezu voll besetzt war. Die Anwesenden kamen vorwiegend aus dem Lungau und umfassten zahlreiche Unternehmer sowie Mitglieder regionaler Energiegenossenschaften; auch Gäste aus Kärnten, der Steiermark, Niederösterreich und Oberösterreich waren anwesend. Die Moderation übernahm Angelika Kabrt.
Bezirksstellenleiter Josef Lüftenegger eröffnete die Veranstaltung mit einem Zitat des Physikers Richard Feynman: „Wir haben keinen Energiemangel. Wir haben ein Speicherproblem.“ Besonders betont wurde die starke Stellung der Region: Mit zwei Energiegenossenschaften und einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Mitgliedern im Verhältnis zur Bevölkerung nimmt der Lungau in Österreich eine Spitzenstellung ein.
Entwicklungen der Energiegewinnung
Zu Beginn spannten die Vortragenden einen Bogen von historischen Energieformen zu modernen Herausforderungen. Erwähnt wurden frühe Methoden, darunter die Ölproduktion aus Walen sowie die Anfänge der Automobilproduktion unter Henry Ford. Der Übergang zu aktuellen Themen wie regionale Energiespeicherung, digitales Energiemanagement und die potenzielle Rolle der Kernfusion wurde diskutiert.
Keynote und Blick auf den Energiebedarf
Michael Altrichter von „Hallo Energie“, bekannt aus „2 Minuten 2 Millionen“, analysierte die Entwicklung von Start-ups im Energiebereich und besprach vielversprechende Geschäftsmodelle der Zukunft. Ein Schwerpunkt lag auf der wirtschaftlichen Relevanz neuer Speichertechnologien in Anbetracht des wachsenden Strombedarfs. Es wurde aufgezeigt, dass die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz und der Betrieb von Rechenzentren erheblichen Stromverbrauch verursachen werden.
Photovoltaik, Finanzierung und Rahmenbedingungen
Rupert Haslinger von der 5 Cent Energy GmbH präsentierte seine Ansichten zu Photovoltaik und Finanzierung und forderte intelligentes Finanzierungskonzept anstelle zusätzlicher Förderungen. Die Vortragenden wiesen auf wirtschaftliche Herausforderungen hin, die ebenso für Unternehmen wie Gemeinden relevant sind und die Planungsprozesse im ländlichen Raum betreffen.
Batteriespeicher und praktische Einblicke
Martin Zeitlberger von MW Storage informierte über Batteriespeicher für Gewerbe, öffentliche Institutionen und landwirtschaftliche Betriebe. Seine Präsentation betonte die Notwendigkeit von Speichern, um Lastspitzen abzufangen. Er wies darauf hin, dass Solarenergie nur etwa ein Achtel des Tages genutzt werden kann, während Windkraft und Wasserkraft zwar verfügbar sind, jedoch nicht konstant.
Digitale Energiesysteme und kommunale Aufgaben
Walter Kreisel von der neoom group stellte ein umfassendes Energiesystem vor, das Produktion, Speicherung, Vernetzung und Optimierung kombiniert. Gemeinden wurden als Anwender dieser Systeme sowie als bedeutende Akteure in Behördenverfahren hervorgehoben.
Diskussion über Behördenwege und Umweltfragen
In der anschließenden Diskussion äußerten viele Teilnehmer, dass die Behördenwege als zu lang empfunden wurden. Unter den Vortragenden gab es zu diesem Thema unterschiedliche Meinungen.
Ergänzende Einschätzungen der Wirtschaftskammer
Die Wirtschaftskammer Lungau erklärte in einer Mitteilung, wie wichtig eine sichere, regionale und leistbare Energieversorgung für die wirtschaftliche Entwicklung des Lungaus sei. Die steigende Energieanforderung, insbesondere durch künstliche Intelligenz und den zunehmenden Bedarf an Rechenleistung, wird betont. Kritisch angesprochen wurde zudem, dass viele Projekte eher an den Herausforderungen der Behörden als am Engagement der Betriebe scheitern. Es besteht ein erheblicher Bedarf an klaren Regeln, technischem Know-how und lösungsorientierter Umsetzung.
Generell wurde die Auffassung vertreten, dass eine höhere regionale Energieautarkie den Wirtschaftsstandort stärken und die Region widerstandsfähiger machen kann. Bezirksstellenobmann Wolfgang Pfeifenberger hob die Notwendigkeit des Ausbaus der beiden Energiegenossenschaften in Lungau als wichtiges Ziel hervor.
Austausch und Ausblick
Beim abschließenden „Eat, Drink & Connect“ nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit zur Vernetzung und äußerten, dass sie mit neuen Erkenntnissen und Impulsen nach Hause gehen würden. Laut der Wirtschaftskammer wird die Reihe Energie.Zukunft.Lungau im Frühjahr 2026 fortgesetzt werden, mit neuen Themen und weiteren Experten.


