Russen kaufen trotz Verbot weiterhin Immobilien in Finnland

Jänner 5, 2026 16:15
Russen kaufen trotz Verbot weiterhin Immobilien in Finnland
Russen kaufen trotz Verbot weiterhin Immobilien in Finnland

Trotz eines seit Juli 2025 geltenden Verbots erwerben russische Staatsbürger weiterhin Immobilien in Finnland. Nach Angaben des finnischen Rundfunks Yle wurden bis Ende November insgesamt 55 Immobilien von russischen Käufern registriert, davon 35 vor Inkrafttreten des Gesetzes und weitere 20 danach. Die tatsächliche Zahl dürfte noch steigen, da Transaktionen aus dem Dezember bislang nicht erfasst sind.

Die Zahlen des Nationalen Grundbuchamts zeigen, dass die neuen Einschränkungen die Aktivität auf dem Immobilienmarkt lediglich gedämpft, aber nicht gestoppt haben. Bereits zu Jahresbeginn 2025 hatte das finnische Verteidigungsministerium noch 39 Genehmigungen für russische Käufer erteilt, nach der Gesetzesänderung folgten weitere 11, während mehrere Anträge noch geprüft werden.

Umgehung über Doppelstaatsbürgerschaften und Firmenkonstrukte

Das Gesetz lässt sich nach Einschätzung von Experten vergleichsweise leicht umgehen. Möglich sind etwa der Erwerb über eine doppelte EU-Staatsbürgerschaft oder der Kauf von Unternehmen, die Immobilien besitzen. In Südostfinnland wurden im Herbst mehrere Fälle bekannt, in denen Eigentum nicht direkt, sondern über Firmenstrukturen übertragen wurde.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Verkauf des insolventen Outlet-Dorfes Zsar nahe der russischen Grenze an ein finnisches Unternehmen, hinter dem ein Milliardär mit russisch-deutscher Doppelstaatsbürgerschaft steht. Auch der Eigentümerwechsel eines historischen Anwesens in Ruokolahti erfolgte über den Erwerb von Firmenanteilen, wodurch keine Genehmigung des Verteidigungsministeriums erforderlich war.

Sicherheitsrisiken bleiben bestehen

Nach Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers Kari Liuhto von der Universität Turku und der Nationalen Verteidigungsuniversität betrachtet Finnland Immobilienkäufe zunehmend als Frage der nationalen Sicherheit. Eigentum könne in den Händen feindlicher Staaten nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch strategischen Zwecken dienen. Russland habe in der Vergangenheit regelmäßig mit Vermittlern aus Drittstaaten gearbeitet, um operative Aktivitäten zu verschleiern.

Insbesondere in Grenzregionen sowie in der Nähe von Verkehrswegen und kritischer Infrastruktur entstünden dadurch zusätzliche Risiken. Der Fokus allein auf die Staatsangehörigkeit des Käufers greife zu kurz, da komplexe Netzwerke und Strohmänner schwer nachzuvollziehen seien.

Forderungen nach schärferer Kontrolle und EU-weiter Abstimmung

Experten fordern daher eine engere Zusammenarbeit zwischen den finnischen Behörden und eine Schließung gesetzlicher Schlupflöcher. Dazu zählen eine stärkere Kontrolle von Unternehmenskäufen, die Prüfung wirtschaftlich Berechtigter sowie eine Überprüfung bereits abgeschlossener Transaktionen.

Der finnische Ansatz gilt als Warnsignal für andere EU- und NATO-Staaten. Ohne gemeinsame Standards zur Kontrolle von Immobilienbesitz könnten ähnliche Umgehungsmodelle auch in anderen Ländern angewandt werden. Das Beispiel Finnlands zeigt, dass Verbote ein notwendiger Schritt sind, jedoch nur im Rahmen eines umfassenden sicherheitspolitischen Ansatzes ihre Wirkung entfalten.

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