Schwaches Wachstum, hohe Kosten, Fachkräftemangel – die Herausforderungen für die heimische Wirtschaft sind groß. Und doch blickt man in der Wirtschaft in Mistelbach nach vorn.
BEZIRK MISTELBACH. Gernot Wiesinger, Obmann der Wirtschaftskammer Mistelbach, betont, dass der Bezirk unter Druck steht, jedoch Perspektiven bestehen. Mit Zusammenhalt, Mut zu neuen Lösungen und klaren Rahmenbedingungen könnte 2026 ein Wendepunkt werden. Darüber berichtet Welt Stimme.
Zwischen Gegenwind und Zuversicht
Die wirtschaftliche Lage im Bezirk Mistelbach ist angespannt, was sich im gesamten Bundesgebiet widerspiegelt. Das schwache Wirtschaftswachstum ist deutlich spürbar, und die Unsicherheit ist groß. Dennoch erkennt Wiesinger erste positive Signale: „Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels“, erklärt er. Besonders beim Thema Fachkräfte zeigt er sich optimistisch: Wenn offene Stellen besetzt werden, könnten künftige Aufträge leichter erfüllt werden.
Herausforderungen für den stationären Handel
Der stationäre Handel steht besonders unter Druck, insbesondere in den Ortskernen. Wiesinger ist überzeugt: Lebendige Zentren erfordern aktive Nutzung. „Wer das bestehende Angebot nicht annimmt, kann nicht mit pulsierenden Zentren rechnen“, betont er. Initiativen wie die Kampagne #ichkauflokal sollen das Bewusstsein für regionale Wertschöpfung stärken. Jeder Einkauf vor Ort helfe, Geschäfte sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern.
Ausbildung als Schlüssel
Der Arbeits- und Fachkräftemangel bleibt eines der größten Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung. Wiesinger sieht die Lösung in Information, Motivation und Ausbildung. Die Wirtschaftskammer Niederösterreich setzt ein breites Maßnahmenpaket um, darunter Schnupperlehren, Lehrlings-Speeddatings und „Lehre on Tour“. Auch neue Modelle wie Berufsvorbereitungsschulen könnten den Einstieg ins Berufsleben für Jugendliche erleichtern.
Hohe Kosten brauchen klare Antworten
Steigende Kosten für Energie, Mieten und Löhne setzen viele Betriebe unter Druck. Diese Mehrkosten sind schwer an Kund:innen weiterzugeben. „Die Wirtschaft ist auf günstige Energie angewiesen“, so Wiesinger. Investitionen in Photovoltaik und eine zukunftsorientierte Energiepolitik seien entscheidend für den gesamten Wirtschaftsstandort Niederösterreich.
Digitalisierung und KI: Pflicht statt Kür
Die Digitalisierung ist in den Betrieben fortgeschritten, doch die nächste Herausforderung steht bevor: die künstliche Intelligenz. Wiesinger ist sich sicher: „Künftig wird es nicht mehr möglich sein, ohne KI zu arbeiten.“ KI wird eine zentrale Rolle bei der Erreichbarkeit, im Service und bei einfachen Auftragsabwicklungen spielen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.
Der Bezirk Mistelbach wächst, was auch erhöhte Anforderungen an Infrastruktur, Bildung und Kinderbetreuung bedeutet. Wiesinger sieht großes Potenzial in den freiwerdenden Flächen der Kaserne: „So eine Fläche mitten in der Stadt ist eine Jahrhundertchance.“ Bei kluger Nutzung könnte sie starke Impulse für die Wirtschaft und Stadtentwicklung geben.
Handel, Verkehr und Tourismus im Fokus
Für die Zukunft des Handels ist die richtige Balance entscheidend: attraktive, fußgänger- und radfreundliche Zonen sowie ausreichend Parkplätze und gute Anbindungen an den öffentlichen Verkehr. Wiesinger sieht Chancen im Ausbau von Tourismus, Seminar- und Tagungsangeboten sowie in verbesserten Verkehrsverbindungen, insbesondere einer leistungsfähigen Nord-Süd-Achse.
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Die Wirtschaftskammer Mistelbach agiert als Service- und Sprachrohr für die Betriebe, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Die enge Zusammenarbeit mit Politik und Behörden funktioniert seit Jahren gut. „Unsere Funktionäre kommen aus der unternehmerischen Praxis. Dieses Wissen ist ein enormer Wert“, hebt Wiesinger hervor.
Auf die Frage, was er sich für die heimische Wirtschaft wünscht, fasst Wiesinger zusammen: „Ich wünsche mir, dass alle Betriebe ihre offenen Stellen rasch und erfolgreich besetzen können.“ Nur mit genügend Fachkräften kann die Wirtschaft in Mistelbach die Chancen der kommenden Jahre voll ausschöpfen.


