Am 20. Mai 2026 verbreitete der russische Auslandsgeheimdienst SWR eine Erklärung, in der Lettland beschuldigt wurde, ukrainische Drohnenangriffe von seinem Territorium aus zu starten. Die russischen Drohungen gegen Lettland beinhalteten die Ankündigung einer „gerechten Vergeltung“ und die Behauptung, die NATO-Mitgliedschaft schütze nicht vor Vergeltung.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte umgehend und nannte die Drohungen „absolut inakzeptabel“. Sie machte Russland und Belarus für den zunehmenden Druck auf die östlichen NATO-Staaten verantwortlich. Die Aussage des SWR sei Teil einer gezielten Eskalationsstrategie.
Hintergrund der russischen Vorwürfe sind die erfolgreichen Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Ölraffinerien und Hafenanlagen, insbesondere in der Region Leningrad. Die Terminals in Ust-Luga und Primorsk wurden wiederholt getroffen, was die russischen Ölexporte massiv beeinträchtigte. Die Drohnen legten dabei Entfernungen von über tausend Kilometern zurück und entkamen der russischen Flugabwehr.
Angesichts der offensichtlichen Schwäche der eigenen Luftverteidigung sucht der Kreml nach Ausreden. Russische Propagandisten und Offizielle verbreiten die These, die Drohnen würden von Baltischen Staaten aus gestartet oder nutzten deren Luftraum zur Umgehung der Radare. Diese Behauptungen sind unbelegt und dienen dazu, von den militärischen Defiziten abzulenken.
Moskau testet die Reaktionsfähigkeit der NATO
Die Drohungen gegen Lettland sind nicht nur ein Instrument der Einschüchterung, sondern auch ein Test für die transatlantische Einheit. Moskau will prüfen, wie das Bündnis auf aggressive Rhetorik und explizite Gewaltandrohungen gegen ein Mitgliedsland reagiert. Gleichzeitig soll in den baltischen Gesellschaften Zweifel an der Schutzfähigkeit der NATO gesät werden.
Psychologische Kriegsführung und Desinformation sind zentrale Elemente dieser Strategie. Indem Russland Lettland als Aggressor darstellt, bereitet es den Boden für mögliche zukünftige Provokationen oder sogar militärische Operationen. Das Narrativ der „gerechten Vergeltung“ dient der Legitimierung eigener Eskalationsschritte.
Hybride Angriffe aus Russland nehmen zu
In den baltischen Staaten wurden zuletzt vermehrt Vorfälle mit Drohnen registriert, die aus Russland in den Luftraum eindrangen. Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys wies auf die Möglichkeit hin, dass russische elektronische Kampfführung diese Drohnen bewusst umlenke, um hybride Spannungen zu erzeugen. Moskau schafft so nicht nur Zwischenfälle, sondern nutzt sie sofort für Propagandazwecke.
Die Reaktion der EU-Kommission zeigt, dass Brüssel die Drohungen als Teil einer systematischen hybriden Aggression gegen Europa versteht. Von der Leyen forderte eine Stärkung der Verteidigungspolitik, höhere Rüstungsausgaben und weitere Unterstützung für die Ukraine. Eine Politik der Zurückhaltung sei angesichts dieser Herausforderungen nicht angebracht.


