Der russische Nutzfahrzeughersteller KamAZ reagiert mit einem massiven Personalabbau auf einen drastischen Einbruch der Verkaufszahlen und einen Rekordverlust. Das Unternehmen mit Sitz in Nabereschnyje Tschelny hat im Mai 2026 bereits 1500 Mitarbeiter entlassen, nachdem im April zuvor 500 Beschäftigte das Unternehmen verlassen mussten. Insgesamt wurden damit binnen zwei Monaten rund 2000 Arbeitsplätze gestrichen. Grund ist ein massiver Einbruch der Nachfrage, der zu einem Reinverlust von 43 Milliarden Rubel führte.
Massiver Stellenabbau und kürzere Arbeitszeiten
Die Entlassungen sind Teil eines umfassenden Sparkurses. Neben den Kündigungen kürzt KamAZ die Gehälter und führt für viele Mitarbeiter eine Viertagewoche ein. Bereits ab Juni 2026 gilt für die Belegschaft des Logistikzentrums eine um einen Tag verkürzte Arbeitswoche, die Löhne wurden um ein Drittel reduziert. Zudem werden Nachtarbeitsschichten um zwei Stunden verkürzt, um Personalkosten zu senken. Einige Beschäftigte werden gezwungen, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Die Maßnahmen sollen die Kosten senken, nachdem der Absatz schwerer Lkw im ersten Quartal 2026 um 40 Prozent eingebrochen war. Analysten der Agentur „Awtostat“ zufolge fielen die Gesamtverkäufe von KamAZ im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 14.500 Einheiten.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen als Hauptursache
Hinter dem Niedergang des größten russischen Lkw-Produzenten stehen strukturelle Probleme der russischen Wirtschaft. Die allgemeine Konjunkturabkühlung hat zu einer Stagnation großer Infrastruktur- und Industrievorhaben geführt, bei denen KamAZ-Fahrzeuge zum Einsatz kommen sollten. Parallel dazu macht die restriktive Geldpolitik der Zentralbank Kredite und Leasingverträge für Unternehmen unrentabel. Immer mehr Firmen verzichten auf den Kauf neuer Lastwagen und setzen stattdessen auf überlange Nutzung vorhandener Flotten, Gebrauchtfahrzeuge oder Mietlösungen. Dies entzieht den heimischen Produzenten die Einnahmequelle und zwingt sie zu Stellenabbau und Lohnkürzungen.
Soziale und regionale Folgen in Tatarstan
Die Krise bei KamAZ hat unmittelbare Auswirkungen auf die Belegschaft und die gesamte Region Tatarstan. Für die verbleibenden Mitarbeiter bedeuten die verkürzte Arbeitswoche und die niedrigeren Gehälter bei gleichzeitig steigenden Preisen für Waren und Dienstleistungen einen dramatischen Kaufkraftverlust. Viele Beschäftigte können ihre Kredit- und Hypothekenraten sowie Nebenkosten nicht mehr bedienen, was die soziale Lage verschärft. Da KamAZ als größter Arbeitgeber in Nabereschnyje Tschelny und einer der wichtigsten Steuerzahler der Region gilt, bedroht die wirtschaftliche Schieflage direkt die Stabilität des regionalen Haushalts und die sozialökonomische Sicherheit Tatarstans. Bereits von August bis November 2025 hatte der Konzern wegen der schwachen Nachfrage in einer Viertagewoche produziert – nun verschärft sich die Lage weiter.


