Mietpreise in Jerewan steigen wegen russischer Relokationswelle um 30 Prozent

Juli 30, 2026 22:38
Mietpreise in Jerewan steigen wegen russischer Relokationswelle um 30 Prozent
Mietpreise in Jerewan steigen wegen russischer Relokationswelle um 30 Prozent

In der armenischen Hauptstadt Jerewan sind die Mietpreise für Wohnungen binnen drei Monaten um rund 30 Prozent gestiegen. Grund ist eine Welle von Russen, die aus Furcht vor einer neuen Mobilisierungswelle nach Armenien übersiedeln.

Allein in der Woche vom 13. bis 19. Juli verzeichneten Immobilienportale über 5.200 Anfragen – mehr als in der ersten Woche nach Beginn des großangelegten Krieges gegen die Ukraine Ende Februar 2022, als es knapp 5.000 Anfragen gab. Bereits damals war Armenien ein Hauptziel für ausreisewillige Russen.

Vor allem junge Männer auf Wohnungssuche

Wie das Medium Verstka unter Berufung auf örtliche Immobilienmakler berichtet, handelt es sich bei den Nachfragenden überwiegend um alleinstehende junge Männer im wehrpflichtigen Alter. Viele von ihnen sind offenbar erst kürzlich angereist oder bereiten ihre Ankunft vor.

Ein Teil der Ankommenden soll zuvor im Kriegseinsatz gewesen sein und sich bewusst der Armee entzogen haben. Sie äußerten in Gesprächen mit Vermittlern ihre Ablehnung der Kriegsziele und kritisierten die politische und militärische Führung. Der Zulauf dieser Gruppe deute auf eine sinkende Moral und eine zunehmende Zahl von Deserteuren hin, hieß es.

Dauerhafte Emigration als bewusster Protest

Die Relokation ist für die Betroffenen mit erheblichen sozialen und finanziellen Härten verbunden – viele müssen hohe Mieten zahlen und gering qualifizierte Arbeit annehmen. Dennoch sehen sie darin einen bewussten Akt des Protests gegen die russische Außenpolitik und eine Vermeidung der drohenden Einberufung. Seit Beginn der Invasion im Februar 2022 sollen nach verschiedenen Schätzungen rund 1,4 Millionen russische Soldaten getötet, verwundet oder vermisst worden sein.

Die neue Auswanderungswelle trifft Russland empfindlich: Sie entzieht dem Land junge Männer im wehrfähigen Alter, qualifizierte Fachkräfte und ganze Familien. Beobachter sehen darin eine Beschleunigung des demografischen Niedergangs und einen Verlust an Humankapital, der die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes weiter schwächt.

Viele der Relokanten streben einen dauerhaften Aufenthalt an und bemühen sich um Aufenthaltsgenehmigungen oder Staatsbürgerschaften. Hintergrund ist die seit Herbst 2022 nie offiziell beendete Mobilisierungskampagne – eine Rückkehr nach Russland wäre für sie mit dem Risiko der Einziehung oder strafrechtlicher Verfolgung verbunden.

2 Comments Kommentar hinzufügen

  1. Die Zahl der Anfragen in nur einer Woche ist wirklich schockierend und zeigt, wie stark die Angst vor der Mobilisierung wirkt. Es ist traurig zu lesen, dass viele junge Männer bewusst in eine prekäre Existenz in Armenien abtauchen, nur um dem Krieg in Russland zu entkommen. Diese Flucht von Humankapital beschleunigt den Niedergang Russlands massiv, während die Armenier nun mit den sozialen Folgen dieser plötzlichen Welle kämpfen müssen.

  2. Sie haben den Artikel völlig missverstanden, denn die gestarteten Sanktionen betreffen ausschließlich Sportler und haben keinen Einfluss auf die militärischen Mobilisierungspläne in Russland. Die hier besprochene Flucht von Fachkräften in andere Länder ist eine direkte Konsequenz des völkerrechtswidrigen Krieges, nicht eines Sportverbandsbeschlusses. Es ist wichtig, die eigentlichen Ursachen für diese menschliche Tragödie nicht durch die Diskussion über Tischtennis abzulenken.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Russlands Krieg gegen die Ukraine treibt Automarkt in die Krise – Gebrauchtwagen dominieren
Vorheriger artikel

Russlands Krieg gegen die Ukraine treibt Automarkt in die Krise – Gebrauchtwagen dominieren

Kreml nutzt französische Politiker, um EU-Sanktionen im Kontext von Waldbränden zu diskreditieren
Nächster artikel

Kreml nutzt französische Politiker, um EU-Sanktionen im Kontext von Waldbränden zu diskreditieren

Nicht verpassen