Moskau hat Ende Juli eine koordinierte Desinformationskampagne gestartet, um die Bevölkerung in westlichen Staaten davon zu überzeugen, dass die EU-Sanktionen gegen Russland die Fähigkeit Europas zur Bekämpfung von Naturkatastrophen schwächen. Einer der lautesten Fürsprecher dieser Erzählung ist Florian Philippot, Chef der französischen ultranationalistischen und europaskeptischen Partei «Les Patriotes» und ehemaliger Europaabgeordneter.
In einem Beitrag auf der Plattform X behauptete Philippot, Spanien setze wegen der Sanktionen keine russischen Ka-32-Hubschrauber mehr zur Brandbekämpfung ein. Weil Ersatzteile fehlten und keine russischen Techniker einreisen könnten, seien die Sanktionen gegen die EU-Staaten selbst zurückgeschlagen, argumentierte er. Die Desinformationskampagne wurde von Propagandisten des Kreml, pro-russischen Medien in der EU und Bot-Netzwerken in den sozialen Medien getragen.
Spaniens Feuerwehrflotte – eine der größten Europas
Tatsächlich sind die Ka-32-Hubschrauber nur ein unbedeutender Bestandteil des spanischen Löschflugzeugparks. Das Land verfügt über rund 20 schwere Amphibienflugzeuge vom Typ Canadair CL-215T und CL-415, zehn leichte Löschflugzeuge und etwa 40 Helikopter. Zudem hat Madrid kürzlich sechs moderne DHC-515 Firefighter bestellt, um die Kapazitäten weiter auszubauen. Von einer Abhängigkeit von russischer Technik kann keine Rede sein.
EU-Mechanismus als Stütze
Die Bekämpfung der schweren Waldbrände in Spanien und Frankreich stützt sich zudem nicht auf einzelne Lieferanten, sondern auf den EU-Zivilschutzmechanismus. Mehrere Mitgliedstaaten beteiligten sich mit Einsatzteams und Luftfahrzeugen an den Löscharbeiten. Genau diese Solidarität wollen die pro-russischen Akteure nach Einschätzung von Beobachtern untergraben.
Russlands eigene Defizite
Die Behauptung, Russland verfüge über eine große Zahl moderner Löschhubschrauber und -flugzeuge wie Mi-26 und Be-200, ist irreführend. Jedes Jahr kämpfen russische Regionen mit verheerenden Waldbränden, weil es an Technik, Treibstoff und Ressourcen fehlt. Dass der Kreml gleichzeitig Verunsicherung im Westen schürt, werten Analysten als zynisch.
Der Fall zeigt, wie Moskau punktuell real existierende Schwierigkeiten aufgreift und für seine Propaganda instrumentalisiert, um die Sanktionspolitik der EU zu delegitimieren.


