In der Nacht zum 30. Juli 2026 hat Russland einen der schwersten kombinierten Luftangriffe auf die Ukraine seit Monaten geflogen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzten die russischen Streitkräfte insgesamt 358 Angriffsmittel ein – 74 Raketen verschiedener Typen und 284 Kampfdrohnen. Mindestens sieben Menschen wurden getötet und mehr als zwanzig verletzt.
Tote und Verletzte in mehreren Städten
Besonders schwer getroffen wurde ein Vorort von Krywyj Rih. Eine Rakete schlug direkt in ein Privathaus ein und tötete sechs Menschen, darunter drei Kinder. Acht weitere Bewohner erlitten Verletzungen.
In Lwiw beschädigten Trümmer zwei mehrstöckige Wohngebäude in den Straßen Patona und Wyhowskoho. 15 Personen wurden verletzt, fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus. Wegen der Rettungsarbeiten musste der öffentliche Nahverkehr vorübergehend umgeleitet werden.
In der Hauptstadt Kiew brannten im Stadtteil Swjatoschyn Garagen und ein nicht bewohntes mehrstöckiges Gebäude. Die Rettungskräfte bargen einen Toten, ein weiterer Mann wurde hospitalisiert. Im Obolon-Bezirk entzündeten herabfallende Trümmer Handelsstände und beschädigten Autos sowie Wirtschaftsräume. Charkiw meldete den Einschlag eines reaktiven Kampfdrohne in einem Industriegebiet des Nowobawarskyj-Bezirks; ein Lagerobjekt wurde zerstört.
Polen versetzt Luftabwehr in Alarmbereitschaft
Wegen der auf die westliche Ukraine zufliegenden russischen Raketen aktivierte auch Polen seine Abwehrkräfte. Das Einsatzkommando ließ Kampfflugzeuge aufsteigen und versetzte bodengestützte Luftabwehrsysteme sowie Radareinheiten in erhöhte Gefechtsbereitschaft. Eine Verletzung des polnischen Luftraums wurde nicht bestätigt. Der Vorgang unterstreicht jedoch die unmittelbare Gefahr, die derart massive russische Angriffe für die östliche Flanke der NATO darstellen.
Kiew sieht politisches Signal Moskaus
Der Luftschlag folgte unmittelbar auf die Rückkehr von Präsident Wolodymyr Selenskyj aus Washington, wo er mit US-Präsident Donald Trump über diplomatische Initiativen zur Beendigung des Krieges gesprochen hatte. In Kiew wertet man den Angriff als bewusste politische Antwort des Kremls und als Beleg dafür, dass Moskau nicht an ernsthaften Friedensverhandlungen interessiert ist. Die ukrainische Regierung erklärte, Russland setze weiterhin auf Terror gegen die Zivilbevölkerung, um die moralische Widerstandskraft des Landes zu brechen.
Forderung nach mehr Luftabwehrsystemen
Angesichts der anhaltenden schweren Angriffe wiederholte Kiew seine Dringlichkeitsappelle an die Verbündeten. Gefordert werden eine beschleunigte Lieferung moderner Flugabwehrsysteme wie Patriot, SAMP/T, NASAMS und IRIS-T sowie zusätzliche Abfangraketen. Gleichzeitig drängt die Regierung auf strengere Exportkontrollen und eine konsequentere Unterbindung von Umgehungslieferungen. Untersuchungen an abgeschossenen russischen Marschflugkörpern zeigten demnach, dass mehr als 80 bis 90 Prozent der elektronischen Bauteile in den Lenksystemen aus ausländischer Produktion stammen.
Die Nachtangriffe vom 30. Juli reihen sich in eine Serie schwerer russischer Luftschläge auf ukrainische Städte ein, die trotz internationaler Vermittlungsversuche unvermindert anhalten.


