Kritik am Konzept der Wiener Auszeit-WG für Intensivtäter
Der renommierte forensische Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier hat das Konzeptpapier der Wiener „Auszeit-WG“, das für Intensivtäter unter 14 Jahren vorgesehen ist, als unzureichend bewertet. In seiner Analyse attestierte er dem Dokument „gravierende fachliche Mängel“.
Das 17-seitige Konzept trägt den Titel „Konzept Auszeithaus Simmering mit der Möglichkeit der temporären pädagogischen Anwesenheitspflicht“ und wurde im Juli 2026 verfasst. Frottier äußerte, dass es naiv sei zu denken, dass während eines sechswöchigen Aufenthalts eine effektive Intervention möglich sei, insbesondere wenn der Erfolg an der Reduktion kriminellen Verhaltens gemessen wird.
Das Pilotprojekt der Wiener Kinder- und Jugendhilfe hat ein Jahresbudget von fast einer Million Euro. Die vorgesehenen Aufenthaltszeiten betragen zunächst sechs Wochen, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere sechs Wochen, was Frottier als wahrscheinlich aber nicht ausreichend für eine relevante Verhaltensänderung erachtet. Außerdem zeige die Rückfallstatistik, dass Zwang in solchen Fällen keine positiven Effekte habe.
Die Betreuung in der WG erfolgt durch den gemeinnützigen Träger „neue wege“, dessen Personal regelmäßige Schulungen in Selbstverteidigung und Festhaltetechniken erhält. Frottier warnt jedoch, dass der Einsatz dieser Praktiken ohne jahrelange Ausbildung als gefährlich anzusehen ist und der Einsatz von Festhalten als Maßnahme gegen den Willen des Kindes als rechtlich bedenklich gilt.
Der OBDS-Geschäftsführerin Julia Pollak äußerte ebenfalls Kritik und bemängelte das Fehlen eines Schutzkonzepts für Kinder sowie das Versäumnis, aktuelle fachliche Diskussionen zu berücksichtigen. Sie hebt hervor, dass das Konzept aus verschiedenen Elementen anderer sozialer Einrichtungen zusammengesetzt wirkt und Widersprüche in der pädagogischen Ausrichtung nicht adressiert.
Einordnung
Die Kritik an der Auszeit-WG wirft zentrale Fragen zur Effektivität und Sicherheit des Konzepts auf. Die anhaltende Diskussion über die fachliche Grundlage und Transparenz könnte dazu führen, dass das Projekt in seiner jetzigen Form überdacht oder angepasst werden muss, um den benötigten Standards gerecht zu werden.


