Südkoreanische Händler haben Ende Juli mindestens zwei Tanker mit mehr als 30.000 Tonnen Erdölprodukten nach Russlands Fernem Osten geschickt. Die Lieferungen erfolgten während einer akuten Treibstoffkrise in Russland, nachdem ukrainische Angriffe nach den vorliegenden Angaben erhebliche Teile der russischen Raffineriekapazitäten außer Betrieb gesetzt hatten. Ein Tanker aus dem südkoreanischen Ulsan ist bereits im Fernen Osten eingetroffen, hatte seine Ladung am 7. August 2026 jedoch noch nicht vollständig gelöscht. Bei den Produkten dürfte es sich um Diesel und Flugkraftstoff handeln.
Die von Reuters ausgewerteten Schiffs- und Handelsdaten weisen auf die Verschiffung von mindestens zwei Tankern aus südkoreanischen Häfen hin. Die Beladung soll Ende Juli erfolgt sein. Einer der Tanker lief demnach aus dem Hafen von Ulsan aus. Angaben zu den genauen Empfängern der Ladungen oder zu den kommerziellen Vertragsparteien wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Ausfälle in russischen Raffinerien
Russland ist traditionell ein großer Exporteur von Erdölprodukten. Nach den ukrainischen Angriffen auf die Energie- und Raffinerieinfrastruktur musste das Land jedoch selbst verstärkt Treibstoff am internationalen Markt beschaffen. Nach den vorliegenden Angaben waren Ende Juli rund 45 Prozent der nominellen und etwa 30 Prozent der tatsächlichen Raffineriekapazitäten nicht verfügbar. Insgesamt sollen 16 Anlagen ihre Arbeit teilweise oder vollständig eingestellt haben.
Die Folgen zeigten sich auf dem russischen Binnenmarkt. Der Ausfall von Raffinerien verringerte die verfügbaren Mengen an Diesel, Benzin und Flugkraftstoff. Moskau erhöhte deshalb die Einkäufe von Benzin aus Belarus. Zugleich wurden Gespräche mit Indien und Kasachstan geführt. Erste Lieferungen aus Marokko und Indien sollen bereits in Russland eingetroffen sein. Die Einfuhren aus Südkorea ergänzen diese Beschaffungsversuche über die Häfen im Fernen Osten.
Die bisher bekannten Mengen umfassen mehr als 30.000 Tonnen Erdölprodukte. Eine genaue Aufteilung zwischen Diesel und Flugkraftstoff liegt nicht vor. Nach den Angaben handelt es sich wahrscheinlich um beide Produktgruppen. Damit ist auch offen, welcher Anteil für den zivilen Markt und welcher Anteil für andere Abnehmer bestimmt ist.
Produkte mit doppelter Verwendung
Diesel wird in Russland sowohl im zivilen Transport und in der Industrie als auch für militärische Fahrzeuge eingesetzt. Flugkraftstoff wiederum kann von der militärischen und der zivilen Luftfahrt verwendet werden. Die Einordnung als Produkte mit doppelter Verwendung ist deshalb für die Bewertung der Lieferungen relevant. Die Einfuhr kann den Treibstoffmangel in mehreren Bereichen verringern, darunter auch bei der Versorgung der russischen Militärlogistik und Luftfahrt.
Die Lieferungen beseitigen die Ausfälle in der russischen Raffinerieindustrie nicht. Sie stellen vielmehr zusätzliche Mengen über internationale Handels- und Transportwege bereit. Russland versucht damit, den Rückgang der eigenen Produktion teilweise auszugleichen, während ein Teil der Raffineriekapazitäten nicht zur Verfügung steht. Die Beschaffung über ausländische Händler verändert zugleich die Richtung der bisherigen Handelsströme: Ein Staat, der große Mengen an Treibstoff exportiert, wird in bestimmten Produktgruppen zum Importeur.
Wie lange die Einschränkungen in den einzelnen Raffinerien dauern und welche Mengen Russland tatsächlich importieren muss, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Fest steht, dass die Beschaffung in Südkorea Ende Juli erfolgte und die Ladungen für russische Häfen im Fernen Osten bestimmt waren. Der bereits eingetroffene Tanker hatte am 7. August den Entladevorgang noch nicht abgeschlossen.
Keine Stellungnahmen aus Moskau und Seoul
Das russische Energieministerium und die südkoreanische Regierung äußerten sich zunächst nicht zu den Lieferungen. Auch zu den Mechanismen der Kontrolle des endgültigen Empfängers wurden keine Angaben gemacht. Die Verschiffung erfolgte durch kommerzielle Händler über den südkoreanischen Hafen Ulsan.
Die Zurückhaltung der Behörden lässt damit mehrere Details offen: Dazu gehören die genaue Zusammensetzung der Ladungen, die Empfänger in Russland und die Frage, ob die Lieferungen im Rahmen bestehender Export- und Endverbleibskontrollen geprüft wurden. Südkorea hat sich im Zusammenhang mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu einer Politik der Neutralität bekannt. Die vorliegenden Informationen enthalten jedoch keine offizielle Einordnung Seouls zu den konkreten Treibstofftransporten.
Für Russland sind die Lieferungen Teil einer Reihe von Importen, mit denen der durch die Raffinerieausfälle entstandene Mangel begrenzt werden soll. Neben Südkorea werden Belarus, Indien, Kasachstan und Marokko als Bestandteile dieser Beschaffungswege genannt. Die weitere Entwicklung hängt nach den vorliegenden Informationen von der Verfügbarkeit ausländischer Lieferungen und vom Zustand der russischen Raffinerien ab.
Der Tanker aus Ulsan blieb am 7. August zunächst im Fernen Osten, während die Entladung der Ladung noch nicht abgeschlossen war.


