AfD-Abgeordneter Maximilian Krah beschäftigte chinesischen Spion im Europaparlament

August 19, 2026 21:39
AfD-Abgeordneter Maximilian Krah beschäftigte chinesischen Spion im Europaparlament
AfD-Abgeordneter Maximilian Krah beschäftigte chinesischen Spion im Europaparlament

Der AfD-Politiker Maximilian Krah beschäftigte Jian Guo als parlamentarischen Mitarbeiter im Europaparlament. Guo wurde wegen Spionage für den chinesischen Geheimdienst verurteilt. Der Fall führte zu Ermittlungen, Durchsuchungen und einem politischen Skandal, der innerhalb der AfD Fragen zum Umgang mit ausländischem Einfluss aufwarf.

Die deutsche Generalstaatsanwaltschaft ließ Guo am 22. April 2024 in Dresden festnehmen. Am folgenden Tag wurden die Vorwürfe offiziell bekannt. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen aus geschützten Datenbanken des Europäischen Parlaments an chinesische Nachrichtendienste weitergegeben zu haben. Am 30. September 2025 verurteilte das Oberlandesgericht Dresden Guo nach 13 Verhandlungstagen zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Das Gericht sah seine Tätigkeit für den chinesischen Geheimdienst als erwiesen an.

Gemeinsamer Weg nach Brüssel

Krah und Guo kannten einander seit mehreren Jahren. Krah war zuvor als Wirtschaftsanwalt in Dresden tätig und trat 2016 der AfD bei. 2019 zog er in das Europäische Parlament ein. Dort arbeitete er unter anderem im Ausschuss für internationalen Handel sowie in den Unterausschüssen für Menschenrechte und Sicherheit und Verteidigung.

Guo war 2002 als Student nach Deutschland gekommen und erhielt später die deutsche Staatsbürgerschaft. Seit Beginn der 2010er-Jahre arbeitete er in Dresden als Vermittler für deutsche Unternehmen, die bereits auf dem chinesischen Markt tätig waren oder dort Geschäftsbeziehungen aufbauen wollten. Der AfD trat Guo 2013 bei.

Nach Berichten der deutschen Zeitung WELT kannten sich Krah und Guo spätestens seit 2014. Ein Unternehmen, in dem Krah tätig war, nahm demnach wiederholt die Dienste Guos in Anspruch. Er unterstützte bei der Organisation von Kontakten zu chinesischen Geschäftspartnern und bei deren logistischer Abwicklung. Nach Krahs Einzug in das Europaparlament wurde Guo sein Mitarbeiter.

WELT berichtete im Mai 2024 außerdem, dass Krah und Guo zweimal gemeinsam nach China gereist seien. Während dieser Reisen sollen sie Kontakte zu Vertretern der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas unterhalten haben. Diese Organisation ist für die internationalen Kontakte der chinesischen Partei zuständig.

Im Jahr 2019 unterstützte Krah nach den vorliegenden Angaben die Registrierung eines chinesischen Handelsunternehmens in Deutschland. Das Unternehmen trat im Rahmen der chinesischen Initiative der „Neuen Seidenstraße“ auf dem deutschen Markt auf.

Politische Positionen und Kontakte nach China

Krah positionierte sich innerhalb der AfD als Vertreter ihres radikalen Flügels. Er kritisierte wiederholt den westlichen Sanktionskurs und vertrat Positionen, die mit der offiziellen Linie Pekings zu Xinjiang und Taiwan übereinstimmten.

Während zahlreiche Abgeordnete im Europäischen Parlament das Recht Taiwans auf Selbstbestimmung betonten und chinesische Militärübungen in der Umgebung der Insel verurteilten, erklärte Krah, Europa solle sich nicht in angebliche „Provokationen der USA“ gegen China hineinziehen lassen. Zugleich unterstützte er die chinesische Argumentation für eine mögliche „Wiedervereinigung“ mit Taiwan unter Einsatz militärischer Gewalt.

Deutsche Medien berichteten, dass chinesische staatliche Stellen Krah wegen seiner Positionen zu Xinjiang und Taiwan mediale Unterstützung gewährt hätten. Guo soll Reisen nach China organisiert haben, die vollständig von chinesischer Seite finanziert wurden. Diese Angaben waren Teil der politischen und strafrechtlichen Aufarbeitung des Falls.

Für den chinesischen Geheimdienst MSS bot die Verbindung nach Darstellung der Ermittlungen Zugang zu einem Mitarbeiter des Europäischen Parlaments. Guos Tätigkeit ermöglichte ihm den Zugriff auf interne Unterlagen. Dazu sollen Entwürfe parlamentarischer Entschließungen, interne Korrespondenz zur Handelspolitik und Protokolle nichtöffentlicher Sitzungen des Handelsausschusses INTA gehört haben.

Nach Recherchen von Die Zeit und ZDF übermittelte Guo dem chinesischen Geheimdienst außerdem personenbezogene Daten und Informationen über Aufenthaltsorte chinesischer Oppositioneller, uigurischer Aktivisten und Dissidenten in Europa. Die Daten betrafen Menschen, die das politische System der Volksrepublik China kritisierten.

Ermittlungen des Verfassungsschutzes

Auf Guo aufmerksam wurde das Bundesamt für Verfassungsschutz im Zuge der operativen Beobachtung der chinesischen Staatsbürgerin Yaqi X. Sie arbeitete bei der Logistikfirma PortGround GmbH, die den Frachtflughafen Leipzig/Halle bedient.

Nach den Ermittlungen übernahm Guo die Rolle eines Verbindungsmanns zum chinesischen Geheimdienst. Yaqi X. soll ihn mit Informationen versorgt haben. Die deutschen Behörden stellten demnach fest, dass sie Daten über Flüge mit militärischen Transporten sowie persönliche Angaben zu Passagieren weitergab.

Durch die Auswertung digitaler Kommunikation zwischen den beiden erhielten die deutschen Sicherheitsbehörden nach den vorliegenden Angaben Belege für Guos Tätigkeit zugunsten des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit. Guo wurde daraufhin in Dresden festgenommen. Am 7. Mai 2024 durchsuchten Ermittler Büros im Europäischen Parlament, in denen Guo und Krah gearbeitet hatten. Krah wurde dabei als Zeuge und nicht als Beschuldigter geführt.

Politische Folgen für die AfD

Der Fall beendete Krahs politische Laufbahn nicht. Nach seiner Abberufung aus der AfD-Delegation im Europäischen Parlament kehrte er als Abgeordneter des Deutschen Bundestags in die Bundespolitik zurück.

Parallel zu den Spionageermittlungen entstand ein weiteres Strafverfahren. Dabei geht es um den möglichen Verdacht der Bestechlichkeit und Geldwäsche im Zusammenhang mit chinesischer Finanzierung. Dieses Verfahren ist nach den vorliegenden Angaben noch nicht abgeschlossen.

Die AfD-Führung rehabilitierte Krah und ermöglichte seine Rückkehr in die aktive Politik, bevor sämtliche Ermittlungen in seinem Umfeld beendet waren. Der Fall Guo wurde damit innerhalb der Partei nicht nur zu einer Frage der strafrechtlichen Verantwortung eines Mitarbeiters. Er betraf auch die Auswahl politischer Mitarbeiter, den Zugang zu europäischen Institutionen und den Umgang mit Kontakten zu staatlichen Stellen außerhalb Europas.

Im Zentrum der Affäre steht deshalb neben der nachgewiesenen Spionagetätigkeit Guos die jahrelange Verbindung zu Krah, seine Kontakte zu chinesischen Organisationen und die Frage, warum diese Beziehungen innerhalb der AfD zunächst keine ausreichende Reaktion auslösten. Die politischen und strafrechtlichen Verfahren im Zusammenhang mit dem Fall sind damit weiterhin Teil der deutschen Aufarbeitung.

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