ÖVP plant Steuerbefreiung für Aktiengewinne
Die ÖVP erwägt, einen Teil der Kapitalertragssteuer (KESt) auf Aktiengewinne zu streichen, um die private Altersvorsorge zu fördern. Die Denkfabrik Agenda Austria befürwortet diesen Vorschlag grundsätzlich, schlägt aber vor, ihn mit zusätzlichen Maßnahmen zu kombinieren.
Die ÖVP setzt sich weiterhin für die steuerfreie Behandlung von Aktiengewinnen nach einer festgelegten Behaltefrist ein. Ziel ist es, mehr Menschen zu bewegen, privat für ihre Pension vorzusorgen. Um die Wahrscheinlichkeit dieser Initiative zu bewerten, haben Fachleute verschiedener Institute ihre Ansichten geäußert.
Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo äußert Bedenken hinsichtlich der Effizienz der Maßnahme. Oliver Picek vom ökosozialen Momentum Institut sieht die Idee als wenig zielführend. Im Gegensatz dazu bewertet Hanno Lorenz von der Agenda Austria den Vorschlag positiv und betont, dass eine Steuerbefreiung die private Pensionsvorsorge durchaus stärken könnte. Nach Ablauf der Behaltefrist würden Wertpapierhalter von höheren Kapitalerträgen profitieren, was ihnen helfen würde, Vermögen für den Ruhestand aufzubauen.
Lorenz beschreibt die Behaltefrist als „den stärksten Hebel, den die Politik hat“, um die Anzahl der Wertpapierhalter zu erhöhen. Jedoch sei dafür auch eine umfassendere Finanzbildung und Informationskampagne erforderlich, um mehr Haushalte für Aktienanlagen zu gewinnen. Auch eine Senkung der Arbeitsteuern könnte dazu beitragen, dass Menschen mehr Kapital zur Verfügung haben.
Für börsennotierte Unternehmen könnte die Steuerbefreiung vorteilhaft sein, da sie Aktien attraktiver machen würde. Haushalte könnten ihren Fokus vermehrt auf Wertpapieranlagen legen, anstatt in Sparbücher, Gold oder Kryptowährungen zu investieren. Lorenz betont, dass eine stärkere Eigenkapitalbasis der Unternehmen und die Belebung des heimischen Aktienmarktes zu erwarten sind, insbesondere für Start-ups.
Allerdings sollte die Regelung nicht dazu führen, dass ausschließlich heimische Aktien begünstigt werden, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Lorenz warnt vor einem „Home Bias“, der zu einem erhöhten Risiko führen könnte. Zudem müsse die Behaltefrist angemessen gestaltet werden, um einen Lock-In-Effekt zu verhindern, bei dem Anleger ihre Wertpapiere länger halten, als es sinnvoll wäre.
Eine Steuerbefreiung würde jedoch negative Auswirkungen auf das Staatsbudget haben. Im letzten Jahr erzielte der Bund 5,5 Milliarden Euro aus der KESt, ein erheblicher Teil davon aus Dividenden. Lorenz empfiehlt, auf neue Steuern zu verzichten und stattdessen die staatlichen Ausgaben zu überprüfen.
Einordnung
Die mögliche Steuerbefreiung für Aktiengewinne könnte die private Altersvorsorge in Österreich ankurbeln, birgt jedoch auch Risiken, insbesondere in Bezug auf die Abhängigkeit von heimischen Aktien. Die langfristigen finanziellen Folgen für den Staat und die Anlagerisiken für die privaten Vorsorger erfordern eine sorgfältige Abwägung.


