Direktorin der Kinderpsychiatrie spricht sich gegen Senkung des Strafmündigkeitsalters aus
Kathrin Sevecke, Direktorin der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Innsbruck, lehnt eine Senkung des Strafmündigkeitsalters auf unter 14 Jahre ab. Dies äußerte sie im Zuge der Diskussion um nicht strafmündige Minderjährige mit delinquentem Verhalten.
Sevecke betont, dass es keine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme gebe, jüngere Kinder früher inhaftieren zu müssen. Anstatt „gefängnisähnlicher Unterbringungen“ plädiert sie für geschlossene Einrichtungen, die jedoch strukturiert und an die Bedürfnisse der Kinder angepasst sein sollten. Sie fordert zudem klare Kinderschutzkonzepte und auf Entwicklungsförderung ausgerichtete Betreuungsangebote.
Sie verweist auf eine Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die besagt, dass internationale Erfahrungen zeigen, dass eine Absenkung des Strafmündigkeitsalters keinen nachweisbaren kriminalpräventiven Effekt hat. Eine solche Maßnahme könnte außerdem verstärkt dazu führen, dass jüngere Kinder in U-Haft oder Strafhaft gelangen.
Die Direktorin macht ebenfalls auf die Gefahren durch Social Media aufmerksam. Diese Plattformen fördern Radikalisierung, Cybermobbing und Essstörungen unter Jugendlichen. Sie fordert daher umfassende Medienkompetenz, sowohl für Kinder als auch für deren Eltern, und sieht die Notwendigkeit, dass Bildungseinrichtungen mehr Ressourcen für psychische Gesundheit bereitstellen.
Einordnung
Seveckes Positionierung verdeutlicht die Notwendigkeit, alternative Ansätze in der Behandlung von delinquenten Jugendlichen zu erforschen. Ihre Hinweise auf die Einflüsse von Social Media und die Forderung nach besseren Betreuungsangeboten sind relevant für die zukünftige Politik im Bereich Jugendpsychiatrie und -schutz.


