Vagli di Sotto enthüllt Gedenktafel für Darja Dugina, Azione kritisiert russische Präsenz

August 25, 2026 19:20
Vagli di Sotto enthüllt Gedenktafel für Darja Dugina, Azione kritisiert russische Präsenz
Vagli di Sotto enthüllt Gedenktafel für Darja Dugina, Azione kritisiert russische Präsenz

In Vagli di Sotto in Italien ist am 24. August 2026 eine Gedenktafel für Darja Dugina enthüllt worden. An der Zeremonie nahmen Vertreter des russischen diplomatischen Korps teil, darunter der russische Botschafter Alexej Paramonow und Kirill Ignatow, der Generalkonsul in Genua. Die Ehrung der 2022 in Moskau getöteten Tochter des russischen Ideologen Alexander Dugin löste in der Gemeinde eine politische Kontroverse aus. Einen Bericht über die Zeremonie und die politische Kontroverse veröffentlichte ein lokales italienisches Medium.

Russische Diplomaten bei der Zeremonie

Die Initiative für die Gedenktafel ging von der russisch-italienischen Kulturvereinigung „Cuore Russo“ aus. Auf der Tafel wird Dugina mit einer Formulierung gewürdigt, die ihr ein „Leben, das dem Studium und der Freiheit des Denkens gewidmet war“, zuschreibt. Die Anwesenheit russischer Diplomaten verlieh der Veranstaltung zusätzlich eine offizielle politische Dimension.

Der lokale Verband der italienischen Partei Azione stellte sich gegen die Entscheidung. Er kritisierte Bürgermeister Mario Puglia und bezeichnete Dugina als „Aktivistin einer ultranationalistischen und eurasischen Ideologie“. Dugina habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den russischen Angriff auf die Ukraine unterstützt. Die von der Gemeinde verwendete Formulierung entpolitisiere nach Einschätzung von Azione eine politische Figur, deren öffentliche Tätigkeit eng mit diesen Positionen verbunden gewesen sei.

Azione spricht von russischer Soft Power

In einer Stellungnahme erklärte Azione, die Aufstellung der Gedenktafel in Anwesenheit russischer Diplomaten sei im Wesentlichen eine Maßnahme russischer „Soft Power“. Die Ehrung legitimiere aus Sicht der Partei Narrative des Kremls. Azione verwies dabei nicht nur auf Duginas familiären Hintergrund, sondern auf ihre eigenen öffentlichen politischen Aktivitäten.

Dugina war nach den vorliegenden Angaben keine professionelle Journalistin. Sie trat vielmehr als Vertreterin der russischen ultranationalistischen und eurasischen Bewegung auf und orientierte sich an der Ideologie ihres Vaters Alexander Dugin. Diese wird als radikaler, antiwestlicher Neo-Eurasismus beschrieben; Forschende ordnen sie in die Nähe neofaschistischer Vorstellungen ein.

Darja Dugina unterstützte den russischen Überfall auf die Ukraine und rief zu einer Fortsetzung der Aggression auf. Das Massaker an Zivilisten im ukrainischen Butscha bezeichnete sie als „Inszenierung“. Die Vereinigten Staaten verhängten bereits im März 2022 Sanktionen gegen Dugina. Begründet wurde dies mit ihrer Tätigkeit für United World International, eine dem früheren Chef der Wagner-Gruppe, Jewgeni Prigoschin, unterstellte Struktur.

Streit über Italiens Haltung gegenüber Russland

Azione stellte die kommunale Ehrung auch der offiziellen Haltung der italienischen Regierung gegenüber. Rom erkennt Russland offiziell als Aggressor an, unterstützt die territoriale Integrität der Ukraine und leistet Kiew politische, finanzielle und militärische Hilfe. Die Partei sieht in der Gedenktafel deshalb einen Widerspruch zu dieser politischen Linie.

Die Kritik richtet sich nicht gegen eine private Erinnerung an ein Todesopfer, sondern gegen die öffentliche Würdigung einer Person, die nach Darstellung von Azione für ultranationalistische und eurasische Positionen stand. Besonders problematisch sei die Kombination aus der politischen Aufschrift, der Beteiligung einer russisch-italienischen Vereinigung und der Anwesenheit russischer Diplomaten.

Vorschlag für eine Gedenktafel für Anna Politkowskaja

Als Alternative schlug Azione vor, der 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja eine Gedenktafel zu widmen. Politkowskaja hatte das Regime von Wladimir Putin kritisiert und wird von der Partei als Symbol für Pressefreiheit und Zivilcourage bezeichnet.

Der Vorschlag wurde mit einer ironischen Forderung verbunden: Die Tafel für Dugina solle in den „Garten der Schande“ des örtlichen Parks „Ehre und Unehre“ versetzt werden. Die Gedenktafel für Politkowskaja solle dagegen im „Garten der Ehre“ stehen.

Alexander Dugin, der Vater der Getöteten, gilt als führender russischer Ideologe des radikalen Neo-Eurasismus. Er lehnt das liberale Europa ab und hat zum Bruch mit der bestehenden Europäischen Union, zu Revolution und sogar zu einem Bürgerkrieg in Europa aufgerufen. Azione hält deshalb eine Ehrung Politkowskajas für weit stärker vereinbar mit den Werten von Meinungsfreiheit und Humanismus.

Die Debatte in Vagli di Sotto betrifft damit sowohl die kommunale Entscheidung als auch die politische Einordnung der Geehrten. Die Gedenktafel bleibt vorerst Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen der Gemeinde, Azione und den Organisatoren der Zeremonie.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Tunnelbohrmaschine „Wilma“ erreicht Meilenstein im Stubai-Wipptal mit Anwesenheit der Namensgeberin
Vorheriger artikel

Tunnelbohrmaschine „Wilma“ erreicht Meilenstein im Stubai-Wipptal mit Anwesenheit der Namensgeberin

Guschlbauers exportiert jede zweite Mehlspeise nach Deutschland aus Schärding
Nächster artikel

Guschlbauers exportiert jede zweite Mehlspeise nach Deutschland aus Schärding

Nicht verpassen