Personalkosten der Stadtwerke Judenburg führen zu politischem Streit im Murtal

September 1, 2026 17:13
Personalkosten der Stadtwerke Judenburg führen zu politischem Streit im Murtal

Stadtwerke Judenburg: Positive Bilanz trotz hoher Personalkosten

JUDENBURG. Der Landesrechnungshof (LRH) hat im Prüfbericht über die Stadtwerke Judenburg AG überwiegend positive Ergebnisse festgestellt, die jedoch auch politische Diskussionen ausgelöst haben. Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Stadtwerke werden als durchweg positiv bewertet.

Transparente Verwaltung

Die Eigenkapitalquote der Stadtwerke Judenburg beträgt 66 Prozent und liegt damit über dem Branchendurchschnitt. Die Umsatzrentabilität ist laut LRH kontinuierlich gestiegen, und die Investitionen in die Infrastruktur fördern die Versorgungssicherheit. Positiv hervorgehoben werden zudem die transparenten Verwaltungsprozesse und ein hohes Maß an Digitalisierung. Die Entwicklung der Strompreise bewegt sich in einem normalen Rahmen, und die Stadtwerke liefern ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Der Bau des neuen Stadtkraftwerks in Judenburg soll diese Versorgungssicherheit weiter gewährleisten.

Hohe Personalkosten

Die Personalkosten des dreiköpfigen Vorstandsteams überschritten im Jahr 2024 laut LRH die Millionen-Euro-Grenze. Besonders die Vergütung eines Vorstandsmitglieds wird als unverhältnismäßig hoch erachtet und liegt deutlich über dem Gehalt des Landeshauptmanns (knapp 20.000 Euro brutto pro Monat). Der LRH empfiehlt Maßnahmen zur Senkung der Personalaufwendungen des Vorstandes.

Politische Reaktionen

Die politischen Reaktionen auf den Bericht sind vielschichtig. KPÖ-Gemeinderat Rene Windegger kritisiert, dass die Stadtwerke unter der Last hoher Vorstandsgehälter leiden, während die Gemeinde versucht, Kosten zu senken. Grünen-Kontrollsprecher Lambert Schönleitner bemerkt eine offensichtliche Fehlentwicklung. Niko Swatek (Neos) fordert mehr Augenmaß bei Gehältern. FPÖ-Nationalrat Wolfgang Zanger verlangt eine öffentliche Aufklärung zu den Vorstandsgehältern und bezeichnet diese als Maßlosigkeit.

Positive Entwicklung

Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Johann Moser betont die positive Unternehmensentwicklung seit der Gründung vor 32 Jahren. Er verweist auf zukunftsorientierte Entscheidungen, die zu einer Ausschüttung von über 20 Millionen Euro an Dividenden in den letzten fünf Jahren geführt haben. Diese Ausschüttungen kommen der Stadt Judenburg als Alleinaktionärin zugute. Moser will die Empfehlungen aus dem Prüfbericht in den zuständigen Gremien prüfen.

Weitere Prüfungen

Zusammen mit den Stadtwerken Judenburg wurden auch die Stadtwerke Köflach und Voitsberg geprüft, an denen Judenburg 49 Prozent hält. Auch hier wurde eine positive Bewertung festgestellt, jedoch wird kritisiert, dass die Aufsichtsräte in Köflach und Voitsberg durchgehend politisch besetzt sind, während der Aufsichtsrat in Judenburg überwiegend fachlich besetzt ist.

Einordnung

Die hohe Vergütung des Vorstands wirft Fragen zur Angemessenheit von Gehältern in öffentlichen Unternehmen auf. Dies könnte zu einem stärkeren Fokus auf Transparenz und Kontrolle bei der Gehaltsgestaltung führen und die politische Diskussion über die Unternehmensführung der Stadtwerke weiter anheizen.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published.

Merz warnt vor erheblichen Investitionsschäden durch AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt
Vorheriger artikel

Merz warnt vor erheblichen Investitionsschäden durch AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt

Cyberangriff auf Frankreichs Bildungsministerium beeinträchtigt Schuljahresbeginn
Nächster artikel

Cyberangriff auf Frankreichs Bildungsministerium beeinträchtigt Schuljahresbeginn

Nicht verpassen