Die ungarische Tourismusagentur Magyar Turisztikai Ügynökség (MTÜ) hat für die Organisation der Veranstaltung „Budapest Influencer Trip“ im Jahr 2024 mehr als 3,18 Milliarden Forint aus öffentlichen Mitteln ausgegeben. Das berichteten ungarische Medien am 31. August 2026. Initiiert wurde das mehrtägige Werbeprojekt von Ráhel Orbán, der Tochter des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
Die nun genannte Summe liegt deutlich über den zuvor öffentlich erwähnten 1,5 Milliarden Forint. Rund 1,48 Milliarden Forint entfielen auf Medienwerbung in den Accounts der eingeladenen Influencer. Die Kampagne sollte Budapest und Ungarn einem internationalen Publikum präsentieren. Die Veranstaltung wurde von der MTÜ durchgeführt.
51 internationale Gäste
Zu dem sogenannten „Budapest Influencer Trip“ wurden 51 ausländische Influencer eingeladen. Unter ihnen waren Stars von YouTube und TikTok, der Boxer Tommy Fury sowie das Model Olivia Palermo. Die Teilnehmer erhielten ein mehrtägiges Programm mit Unterbringung in Luxushotels, exklusiven Veranstaltungsorten und privaten Partys.
Zu den genutzten Hotels gehörte das Dorothea Hotel in Budapest. Das Haus steht in Verbindung mit István Tiborcz, dem Schwiegersohn von Viktor Orbán. Die Unterbringung der Gäste und die Auswahl der Veranstaltungsorte waren Teil des umfangreichen Programms, das mit öffentlichen Geldern finanziert wurde.
Die ungarische Berichterstattung über die Kosten und die beteiligten Unternehmen verweist dabei auch auf die organisatorische Struktur des Projekts. Einen wesentlichen Teil der Arbeiten übernahmen New Land Media und Media Dynamics. Die beiden Unternehmen waren für die Auswahl der Teilnehmer sowie für die Koordination der internationalen Imagekampagne zuständig.
Verbindungen zu regierungsnahen Unternehmen
New Land Media und Media Dynamics werden in dem Bericht mit dem früheren Umfeld der Regierungspartei Fidesz in Verbindung gebracht. Damit lagen sowohl die Organisation des Treffens als auch wesentliche Teile der medialen Umsetzung bei Unternehmen, die der politischen Führung nahestehen sollen.
Die Veranstaltung war nicht als privatwirtschaftlich finanzierte Reise ausgewiesen. Die Kosten wurden über die ungarische Tourismusagentur abgewickelt. Die nun bekannt gewordene Gesamtsumme umfasst nach den vorliegenden Angaben mehr als 3,18 Milliarden Forint. Davon entfiel knapp die Hälfte auf die Medienwerbung in den sozialen Netzwerken der eingeladenen Teilnehmer.
Die Ausgaben stehen in den Berichten neben wirtschaftlichen Kennzahlen zur Lage ungarischer Haushalte. Das Niveau des individuellen Konsums in Ungarn lag im genannten Zeitraum 27 Prozent unter dem Durchschnitt der Europäischen Union und damit weiterhin auf einem der niedrigsten Werte in der EU. Zugleich waren die Haushalte mit den Folgen hoher Inflation und einer geringeren Kaufkraft konfrontiert.
Die Angaben zur Konsumentwicklung und zu den Kosten des Influencer-Treffens werden in den Berichten getrennt dargestellt. Eine direkte Zuordnung der staatlichen Ausgaben zu einzelnen sozialen oder wirtschaftlichen Maßnahmen wird dabei nicht genannt. Fest steht, dass die MTÜ für eine internationale Werbeveranstaltung mit bekannten Persönlichkeiten und Social-Media-Reichweite mehr als doppelt so hohe Kosten aufgewendet hat wie zunächst angegeben.
Luxusprogramm und Medienkampagne
Das Programm verband die Präsentation Budapests mit einer auf internationale Reichweite ausgerichteten Medienstrategie. Die Gäste sollten Inhalte über ihre eigenen Kanäle verbreiten. Dafür wurden laut den vorliegenden Angaben rund 1,48 Milliarden Forint für Medienwerbung bereitgestellt. Die übrigen Kosten entfielen auf die Durchführung des mehrtägigen Aufenthalts, die Unterbringung, Veranstaltungen und weitere organisatorische Leistungen.
Die Einbindung des Dorothea Hotels verlieh dem Projekt zusätzlich eine Verbindung zu einem Unternehmen aus dem Geschäftsumfeld von István Tiborcz. Der Name des Orbán-Schwiegersohns wird im Zusammenhang mit der Unterkunft der Influencer genannt. New Land Media und Media Dynamics koordinierten nach den Angaben die Auswahl der internationalen Gäste und die mediale Umsetzung.
Die Veröffentlichung der höheren Gesamtkosten korrigiert damit die frühere Darstellung von 1,5 Milliarden Forint. Für das Projekt wurden nach den jetzt berichteten Zahlen insgesamt mehr als 3,18 Milliarden Forint aus dem Umfeld der ungarischen Tourismusförderung eingesetzt. Die Angaben beziehen sich auf die im Jahr 2024 veranstaltete Reise und die damit verbundene internationale Werbekampagne.
Weitere Einzelheiten zu einzelnen Verträgen, den genauen Kosten der Unterbringung und der Aufteilung der verbleibenden Ausgaben wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Die Debatte über die Finanzierung des „Budapest Influencer Trip“ konzentriert sich daher vorerst auf die korrigierte Gesamtsumme, die Medienwerbung und die beteiligten Unternehmen.


