Thurnher strebt Rückgewinnung der Deutungshoheit über ORF an

September 17, 2026 16:14
Thurnher strebt Rückgewinnung der Deutungshoheit über ORF an

ORF-Chefin fordert Deutungshoheit zurück

Ingrid Thurnher, die Generaldirektorin des ORF, fordert die Rückgewinnung der „Deutungshoheit“ über das öffentlich-rechtliche Medienhaus. Dies äußerte sie während einer Sitzung des ORF-Publikumsrats am Donnerstag in Reaktion auf die Verbreitung von Halbwahrheiten und Fehlinformationen durch Politiker und Boulevardzeitungen.

Thurnher stellte zudem klar, dass sich der ORF im Zuge der von der Bundesregierung verordneten Sparmaßnahmen „in seinen Grundfesten“ verändern müsse. Publikumsrat Siegfried Meryn betonte, dass der ORF ein „Selbstverteidigungsrecht“ habe und bei Angriffen darauf reagieren müsse. Er warnte davor, dass man ohne aktives Eintreten nicht den Kampf um den ORF gewinnen könne, insbesondere in Anbetracht der Einsparungen von über 90 Millionen Euro.

Thurnher bezeichnete die Rückgewinnung der Deutungshoheit als „völlig richtig“, ließ jedoch offen, wie dies konkret umgesetzt werden soll. Der ORF plane, sich für die kommenden Jahre neu aufzustellen, wobei jede Antwort auf den Sparzwang unbequem sein könnte. Ziel sei es, den ORF zu reformieren und ihn zukunftsfähiger zu machen. Sie betonte, dass die Bedürfnisse des Publikums Vorrang haben sollten.

Die ÖVP äußerte im Vorfeld eines vom Medienministerium initiierten „Zukunftsforum“ Überlegungen zu einer reduzierten ORF-Haushaltsabgabe sowie einer Finanzierung des ORF aus dem Bundesbudget. Dem steht die SPÖ skeptisch gegenüber, während die FPÖ die Abschaffung des ORF-Beitrags fordert und den ORF als „Grundfunk“ im Bundesbudget finanzieren möchte.

In der Sitzung wurde eine Befragung unter 1.000 Befragten zur Zufriedenheit mit dem ORF-Programm präsentiert. Hohe Bedeutung wurde Themen wie Gesundheit beigemessen, wobei 82 Prozent der Befragten diese als sehr wichtig oder wichtig bezeichneten. Auch nachhaltige Themen und deren intensive Ausarbeitung im Programm wünschen sich viele Zuschauer.

Einordnung

Der ORF steht aufgrund der finanziellen Vorgaben vor tiefgreifenden Veränderungen, die Auswirkungen auf seine Programmgestaltung und Struktur haben. Die Forderung nach Deutungshoheit und notwendige Reformen sind vor dem Hintergrund des politischen Drucks und finanzieller Unsicherheiten relevant, da sie das Vertrauen in die Unabhängigkeit des ORF gefährden könnten.

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