Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina haben nach Teilergebnissen mehrere nationalistische Kandidaten die Nase vorn oder bereits Ämter gewonnen. Die zentrale Wahlkommission (CIK) gab nach Wahlschluss eine Beteiligung von 41,5 Prozent bekannt.
In der Republika Srpska kam der nationalistische Kandidat Savo Minić auf 52,2 Prozent und lag damit vor seinem oppositionellen Herausforderer Branko Blanuša mit 41,8 Prozent. Minić ist derzeit Ministerpräsident der bosnischen Serbenrepublik und gilt als enger Gefolgsmann von Milorad Dodik.
Dodik war im vergangenen Jahr als Präsident der Teilrepublik abgesetzt worden, nachdem er seine Befugnisse überschritten hatte. Nach den Angaben darf er sechs Jahre lang nicht kandidieren.
Im dreiköpfigen Staatspräsidium gewann Željka Cvijanović von der SNSD den serbischen Sitz mit 55,4 Prozent. Bei den bosnischen Kroaten setzte sich Darijana Filipović von der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) mit 46,5 Prozent durch.
Bei den Bosniaken gewann der sozialdemokratische Amtsinhaber Denis Bečirović mit 38,1 Prozent, lag aber nur knapp vor SDA-Chef Bakir Izetbegović mit 33,4 Prozent. Gewählt wurden Regierungen und Parlamente des Zentralstaats sowie beider Teilstaaten.
Das Land mit rund 3,5 Millionen Einwohnern ist seit dem Friedensschluss 1995 in einen serbischen und einen kroatisch-muslimischen Landesteil geteilt, die weitgehend autonom sind. Nach dem Bürgerkrieg der 1990er-Jahre, der laut dem Bericht mit 100.000 Toten endete, gilt das politische System als schwerfällig und wenig funktionsfähig.
Ein neuer Wahlmechanismus sollte Manipulationen wie Stimmabgaben von Verstorbenen erschweren. Laut dem Bericht gab es mit der neu eingeführten biometrischen Technik vielerorts Probleme, und einige Wahllokale blieben nach dem offiziellen Wahlschluss noch geöffnet, damit wartende Menschen abstimmen konnten, berichtete die Tageszeitung Oslobodjenje.
Mehrere Wählerinnen und Wähler äußerten den Wunsch nach wirtschaftlicher Verbesserung. Der Akkordeonlehrer Drazen Gvozdenovic sagte nach seiner Stimmabgabe: „Verbesserungen, insbesondere bei den Gehältern und der Beschäftigung, so dass die Leute in Frieden leben können, anstelle sich ständig darüber Gedanken machen müssen, wie sie über die Runden kommen.“ Die Wirtschaftswissenschaftlerin Merima Cerim Karisik hoffte darauf, „dass das, was wir in den vergangenen 30 Jahren gesehen haben, endlich zu einem Ende komme.“
Bosnien-Herzegowina ist seit Ende 2022 Kandidat für eine EU-Mitgliedschaft. Im Bericht hieß es zugleich, viele Menschen seien von der spaltenden Rhetorik müde und hofften auf Wandel und einen wirtschaftlichen Aufschwung.


