Othmar Karas sieht Deutschland in einer Phase tiefer Umbrüche und verbindet die Lage des Landes eng mit der Zukunft Europas. Der langjährige Europapolitiker sagt, die Herausforderungen reichten weit über nationale Grenzen hinaus und machten stärkere europäische Zusammenarbeit nötig.
„Deutschland bleibt Führungsfigur – wegen seiner volkswirtschaftlichen Stärke, der Größe des Landes und auch wegen seiner Geschichte“, sagt Karas. Zugleich warnt er, Donald Trump und Wladimir Putin wollten „eigentlich kein starkes Deutschland“ und „schon gar keinen Motor Deutschland in Europa“. Er verweist in diesem Zusammenhang auf Glückwunschschreiben an Alice Weidel „von Moskau bis Washington“.
Karas erklärt, die USA und Russland wollten Europa destabilisieren. Die Probleme Deutschlands seien daher nicht nur deutsche Probleme, sondern Teil einer größeren europäischen, demokratiepolitischen und gesellschaftlichen Herausforderung.
„Es gibt einen ursächlichen Zusammenhang zwischen innenpolitischer Stabilität und europa- und außenpolitischer Stärke.“ Karas hält es auch für verhinderbar, dass die AfD in Deutschland an die Macht kommt. Dafür brauche es eine deutlich geführte Auseinandersetzung zwischen Nationalisierung und Europäisierung, zwischen Zukunft und Vergangenheit sowie zwischen Demokratie und Autokratie.
Nach Ansicht des früheren Ersten Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments braucht Europa eine stärkere Union. Ohne eine handlungsfähige EU werde kein Land, weder Deutschland noch Frankreich, auf die „Überholspur“ zurückkehren. Auch der deutsch-französische Motor funktioniere seit langem nicht mehr; das Weimarer Dreieck mit Polen sei nach der polnischen Präsidentenwahl wieder erodiert.
Karas beschreibt die Gegenwart als eine der größten Umwälzungen seit 1945. „Wir stehen vor den größten Transformationsprozessen und Umbrüchen seit 1945.“ Viele Menschen seien damit überfordert und hätten Angst und Sorge. „Daher wäre Führung gefragt, nicht Selbstbeschäftigung“, sagt er.
Karas wird als langjähriger Europapolitiker beschrieben. Er sitzt seit 1999 im Europäischen Parlament, begann seine politische Laufbahn als Vorsitzender der Jungen ÖVP und war später Nationalratsabgeordneter sowie ÖVP-Generalsekretär. Seit Oktober 2024 ist er Präsident des Forum Alpbach, außerdem steht er seit vielen Jahren an der Spitze des Hilfswerk Österreich.


