WIEN. Kunstbahn-Rodlerin Madeleine Egle verpasst die Olympischen Winterspiele im kommenden Winter, weil sie vor zwei Jahren drei Dopingtests verpasst hat.
Im Gespräch mit der APA sprach die 27-jährige Tirolerin darüber, wie es dazu kommen konnte und wie dies nun ihre Karriere als Sportlerin beeinflusst.
Die ganze Causa schwelt jetzt schon sehr lange. Wie geht es Ihnen jetzt, wo das Sanktionsausmaß feststeht?
Madeleine Egle: „Es hat mich ein bissl zerstört. Es war nicht das Ausmaß, mit dem ich irgendwie annähernd gerechnet hätte. Es ist eine riesige Enttäuschung, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass sich Olympia nicht ausgeht. Ich habe eigentlich gedacht, dass es eine rückwirkende Sperre sein wird, weil es doch 2023 war.“
Wäre es Ihnen lieber gewesen, dass Ihre sportlichen Erfolge seit Ende 2023 aberkannt worden wären und Sie dafür im kommenden Winter starten könnten?
„Ja, schon. Ich weiß, es wäre finanziell dann definitiv mehr. Aber Olympia ist halt das, worauf man als Sportler hintrainiert. Das ist einfach das Highlight für einen Athleten. Deswegen hätte ich alles versucht, dass ich zu Olympia fahren kann.“
Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
„Wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich eine Strafe von dreieinhalb Jahren gekriegt hätte, wenn man nicht noch quasi verhandelt hätte. Abgesehen davon ist es so, dass 20 Monate immer noch verdammt viel ist, für das, dass man keinen einzigen positiven Dopingtest abgegeben hat.“
Wie ist es 2023 zu den drei verpassten Tests gekommen? Sie sind ja mit diesem Meldesystem schon relativ lang vertraut.
„Man gibt da jeden Tag an, wo man schläft und jeden Tag eine Stunde, wo man sich befindet und drei bis fünf regelmäßige Tätigkeiten in der Woche. Das ist das Grundprinzip. Natürlich sind da Fehler passiert. Es war zum Beispiel bei meinem ersten ‚Missed Test‘ so, dass meine Slottime schon vorbei war und ich das nicht geändert habe. Und dann habe ich woanders geschlafen als angegeben.“
Ist man dann nicht alarmiert, weil man weiß, beim nächsten Mal droht eine Sperre?
„Ja klar ist man alarmiert und versucht auch wirklich, keine Fehler zu machen. Trotzdem ist es in dem Fall passiert. Bei meinem dritten (Missed Test, Anm.) war es so, ich habe das AirBnB angegeben gehabt und habe mich vor Ort befunden. Nur habe ich vor der Buchung nicht gewusst, welche Apartmentnummer ich habe. Ich habe es damals wirklich versucht zu ändern, aber ich hatte da Probleme mit der App und danach habe ich es vergessen.“
Das heißt, es war Leichtsinn im Spiel.
„Ich glaube schon, dass ein gewisser Fehler dabei war. Aber es war auch extremes Pech, wie die Zeitverschiebung beim zweiten (Missed Test, Anm.). Natürlich ist es ein Fehler. Aber die Frage ist: Muss der Fehler so hart bestraft werden? Und vor allem, muss man so lange auf so etwas warten?“
Was würden Sie rückblickend anders machen?
„Eine bessere Handyerreichbarkeit und versuchen, öfter nachzuschauen. Aber ich habe mich wirklich bemüht, es sehr gut zu machen.“
Was bedeutet die Sperre für Sie und Ihre Sportlerkarriere?
„Man verliert beim Bundesheer seinen Status als Spitzensportler. Die Sportförderungen fallen weg. Das ist wie, als ob ich einen positiven Test abgelegt hätte.“
Werden Sie Ihre Karriere nach Ablauf der Sperre fortsetzen?
„Das kann ich noch nicht beantworten. Ich weiß momentan nicht, ob ich weitermache oder nicht. Es ist zu früh, um das zu beantworten. Ich muss einfach mal warten und schauen, ob ich noch mal versuche, mich zurückzukämpfen oder andere Wege gehe.“
Wie geht es nun in den kommenden Monaten weiter?
„Ganz genau kann ich es noch nicht sagen. Ich möchte jetzt einfach mal abschalten und versuchen, meinen persönlichen Sinn im Leben zu finden. Auf jeden Fall werde ich mein Studium (Wirtschaftswissenschaften an der Uni Innsbruck, Anm.) fertig machen. Und vielleicht sammle ich Berufserfahrung bei einem Praktikum.“
Zum Abschluss – was ist Ihnen wichtig, was nach dieser Causa von der Sportlerin Madeleine Egle in der öffentlichen Wahrnehmung bleibt?
„Was mir extrem wichtig ist, dass man weiß, dass das absolut nichts mit Doping zu tun hat. Es geht rein um Eintragungsfehler. Ich war immer mit meinem Team unterwegs, wo die ganzen Sachen passiert sind. Ich habe keineswegs versucht, mich vor irgendeiner Dopingkontrolle zu drücken. Ich habe immer als ehrliche Athletin versucht, besser zu sein als meine Konkurrentin. Und mir ist es auch wichtig zu fragen, ob ein Missed Test gleich schlimm oder sogar schlimmer bewertet werden muss als ein positiver Test. Das ist mir absolut unverständlich.“
Darüber berichtet Welt Stimme.


