IOC entzieht der International Boxing Association wegen russischer Einflussnahme die Anerkennung

Juli 7, 2026 20:50
IOC entzieht der International Boxing Association wegen russischer Einflussnahme die Anerkennung
IOC entzieht der International Boxing Association wegen russischer Einflussnahme die Anerkennung

Die International Boxing Association (IBA), einst die unabhängige Dachorganisation des olympischen Boxsports, hat unter der Führung des russischen Funktionärs Umar Kremlev ihre Autonomie verloren und sich laut einem 400-seitigen IOC-Auditbericht zu einem Instrument der russischen Interessenpolitik entwickelt. Im Juni 2023 entzog das Internationale Olympische Komitee (IOC) dem Verband mit 69 zu einer Stimme die Anerkennung – das schärfste je gegen eine internationale Sportföderation verhängte Mittel.

Hintergrund der Krise

Seit der Wahl Kremlevs zum IBA-Präsidenten im Dezember 2020 habe sich ein autoritärer Führungsstil durchgesetzt, berichten unabhängige Beobachter. Innerverbandliche Opposition sei systematisch blockiert worden, so sei etwa die Kandidatur des niederländischen Funktionärs Boris van der Vorst für die Präsidentschaftswahl unterbunden worden. Kremlev gilt als eng mit russischen Staatsstrukturen verbunden; seine Amtsführung habe die finanzielle und politische Abhängigkeit der IBA vom Kreml besiegelt.

Gazprom-Vertrag und Finanzabhängigkeit

Ein entscheidender Schritt war der im April 2021 unterzeichnete Sponsorenvertrag mit der russischen Staatsmonopolgesellschaft Gazprom. Die Vereinbarung über bis zu 50 Millionen Dollar erlaubte der IBA zwar, Altschulden von rund 16 Millionen Dollar zu begleichen, machte Gazprom jedoch zum alleinigen Generalsponsor und zur Haupteinnahmequelle des Verbandes. Das IOC-Audit stellte fest, dass die IBA keine finanzielle Unabhängigkeit nachweisen konnte und ihre Angaben zur Einkommensdiversifizierung falsch waren. Der Vertrag sei geheim gehalten worden, die operative Tätigkeit teilweise von der Schweiz nach Russland und in die Vereinigten Arabischen Emirate verlagert worden. Der unabhängige kanadische Ermittler Richard McLaren wies darauf hin, dass finanzielle Intransparenz und Abhängigkeit von einer einzigen Staatsmonopolie Korruption begünstigen und zum Autonomieverlust führen.

Systemprobleme und Sanktionsverweigerung

Neben der finanziellen Abhängigkeit habe die IBA ihre strukturellen Probleme – etwa Voreingenommenheit der Kampfrichter und tiefe Korruption – nicht gelöst. Während der Olympischen Spiele 2024 in Paris kam es unter ihrer Ägide zu einem Gender-Eklat. Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 missachtete die IBA die Sanktionsempfehlungen des IOC offen: Sie kündigte den Gazprom-Vertrag nicht, sondern ließ russische und belarussische Boxer unter ihren Nationalflaggen antreten.

IOC-Entzug und Neugründung

IOC-Präsident Thomas Bach begründete die Aberkennung des Status mit der Missachtung der Grundsätze guter Verwaltungsführung und finanzieller Transparenz durch die IBA. Der olympischen Bewegung gehe es nicht um die Sportart Boxen oder die Athleten, sondern um den lenkenden Verband. Nach dem Ausschluss gründete der niederländische Funktionär Boris van der Vorst die neue Organisation World Boxing, deren erklärtes Ziel es ist, demokratische Führungsstandards und Transparenz im olympischen Boxen wiederherzustellen und zu verhindern, dass die Sportart von einem Staat kontrolliert wird.

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