Aserbaidschan nimmt Ex-SOCAR-Manager Adnan Ahmadzada wegen Ölvorwürfen fest

September 22, 2026 19:30
Aserbaidschan nimmt Ex-SOCAR-Manager Adnan Ahmadzada wegen Ölvorwürfen fest
Aserbaidschan nimmt Ex-SOCAR-Manager Adnan Ahmadzada wegen Ölvorwürfen fest

Aserbaidschan hat den früheren stellvertretenden Leiter der Investmentabteilung des staatlichen Energiekonzerns SOCAR, Adnan Ahmadzada, wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Ölgeschäften festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, aserbaidschanisches Azeri-Light-Öl mit russischen Ölprodukten vermischt und deren Herkunft durch falsche Zertifikate verschleiert zu haben. Ein Haftbefehl gegen den früheren SOCAR-Manager wurde in aserbaidschanischen Medien veröffentlicht.

Die Anschuldigungen sind bislang Gegenstand eines laufenden Verfahrens. Eine unabhängige gerichtliche Feststellung der behaupteten Vergehen liegt nicht vor. Ahmadzada weist die Vorwürfe in dem vorliegenden Material nicht selbst zurück oder bestätigt sie. Auch die behaupteten Verbindungen zu mehreren Handelsgesellschaften sind nicht in allen Fällen durch rechtskräftige Entscheidungen belegt.

Vorwürfe zur Herkunft des Öls

Nach den Berichten aserbaidschanischer Medien soll Ahmadzada dafür verantwortlich gewesen sein, russisches Rohöl in Lieferungen einzubringen, die als aserbaidschanisches Azeri Light deklariert wurden. Genannt werden Transporte über die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline sowie Lieferungen nach Italien und Rumänien. Die Vorwürfe richten sich damit nicht nur gegen mögliche Verstöße gegen aserbaidschanisches Recht, sondern auch gegen die Richtigkeit von Ursprungsnachweisen im internationalen Ölhandel.

Ein Bericht von Haqqin.az stellt den Fall als möglichen Angriff auf die wirtschaftliche Stabilität Aserbaidschans dar. Das Portal berichtet über die entsprechenden Anschuldigungen gegen Ahmadzada. Minval schrieb, es seien Spuren von verunreinigtem russischem Öl auf zwei Tankern festgestellt worden, die SOCAR nach Rumänien geschickt habe. Die Darstellung ist eine Medienangabe und ersetzt keine behördliche oder gerichtliche Feststellung.

Ahmadzada ist seit rund zwei Jahren nicht mehr bei SOCAR tätig. Er war nach den vorliegenden Angaben durch einen Erlass des Präsidenten aus seiner Funktion entfernt worden. Daraus ergibt sich eine zentrale Frage des Falls: Auf welcher Grundlage hätte ein ehemaliger Manager nach seinem Ausscheiden weiterhin Einfluss auf Lieferketten oder Zertifizierungen des Konzerns ausüben können? Die Ermittlungen müssen klären, ob und in welchem Umfang nach dem Ende seiner offiziellen Tätigkeit Kontakte oder Geschäftsbeziehungen fortbestanden.

Alkagesta und der Fall in Albanien

Im Mittelpunkt der Berichte steht auch Alkagesta Ltd., ein in Malta registriertes Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen und Büros in mehreren Ländern. Als verbundene Gesellschaft wird Caspian Oil & Gas Ltd. genannt. Außerdem wird auf Caspian Logistics Solutions verwiesen, die Ahmadzada 2018 nach seiner Tätigkeit bei SOCAR Trading in Genf gegründet haben soll. Die Berichte behaupten, dass über solche Strukturen russisches Öl mit veränderten Herkunftsangaben in europäische Märkte gelangt sei.

Ein wesentlicher Bezugspunkt ist eine Beschlagnahmung in Albanien. Im Februar 2023 stoppten albanische Behörden im Hafen von Durrës eine Lieferung von 22.500 Tonnen Öl. Die Ladung wurde zunächst als libyschen Ursprungs beschrieben. Ermittlungsunterlagen, Schiffsverfolgungsdaten und Medienberichte sollen jedoch auf eine Verladung im russischen Noworossijsk hingewiesen haben. Die Operation der albanischen Behörden trug den Namen „Embargo“. Über die albanische Darstellung des Falls wurde berichtet, dass die Behörden gefälschte Dokumente und mögliche Umladungen zwischen Schiffen untersuchten.

In den Unterlagen werden unter anderem Oilmar Shipping DMCC aus Dubai, Alkagesta aus Malta, Maddox DMCC aus Dubai und Almedia aus der Türkei genannt. Auch SOCAR Trading wird in Medienberichten im Zusammenhang mit den Geschäftsstrukturen erwähnt. Die albanische Staatsanwaltschaft soll festgestellt haben, dass das Schiff FIDAN, ein 2009 gebauter Chemikalientanker unter türkischer Flagge, zuvor in Noworossijsk beladen worden war. Als Kapitän wird der russische Staatsbürger Alexey Smaznov genannt. Das Schiff soll von einer aserbaidschanischen Gesellschaft verwaltet worden sein.

Die verfügbaren Berichte beschreiben unterschiedliche Eigentums-, Bestell- und Transportbeziehungen. Der albanische Unternehmer Piro Bare erklärte demnach, er habe mit Unternehmen aus Malta und den Vereinigten Arabischen Emiraten über eine Lieferung nach Albanien verhandelt. Die Dokumente hätten Libyen als Herkunftsland ausgewiesen, obwohl das Öl nach den Ermittlungsangaben aus Russland gekommen sein soll. Die Lieferung wurde letztlich nicht in Durrës gelöscht und das Schiff beschlagnahmt.

Auch ein weiterer Bericht über den Versuch, russischen Diesel nach Spanien zu transportieren, wird in diesem Zusammenhang angeführt. Dabei soll eine Lieferung wegen widersprüchlicher Herkunftsdokumente gestoppt worden sein. Die Darstellung des mutmaßlich blockierten Spanien-Transports nennt Alkagesta als beteiligtes Unternehmen. Weitere Berichte befassen sich mit der späteren Registrierung der Gesellschaft in Albanien und mit ihrer Rolle im regionalen Ölhandel.

Geschäfte in Rumänien und Lieferungen in die Ukraine

In Rumänien wird Alkagesta in Berichten über Diesel-Lieferungen in die Ukraine genannt. Das rumänische Nachrichtenportal Libertatea führte das Unternehmen in Daten der Beratungsgesellschaft NaftoRynok sowie in einer Kundenliste des staatlichen Hafen- und Terminalbetreibers Oil Terminal. In dem Bericht über Rumäniens Diesel-Exporte in die Ukraine erscheint Alkagesta neben Unternehmen wie Vitol, SOCAR Petroleum und MOL Romania. Die Recherche zu den Lieferketten über rumänische Häfen hält fest, dass Alkagesta auf Fragen zur Herkunft der Produkte nicht geantwortet habe.

Auch SOCAR Petroleum soll auf Fragen des rumänischen Mediums zu Diesel-Lieferungen in die Ukraine und zu Produkten aus der türkischen STAR-Raffinerie nicht reagiert haben. Andere Unternehmen, darunter Oscar Downstream und Oil Terminal, gaben dem Bericht zufolge Antworten. Oscar erklärte, keine Rechnungen über Verkäufe von Mineralölprodukten in die Ukraine zu haben und seit Februar 2023 ausschließlich Produkte nicht-russischen Ursprungs eingeführt zu haben. Aus dem Schweigen einzelner Unternehmen lässt sich jedoch kein Schuldeingeständnis ableiten.

In weiteren Veröffentlichungen werden mögliche personelle Überschneidungen zwischen Alkagesta und Euronova Energies erwähnt. Dabei geht es um frühere Managementfunktionen und um Treibstofflieferungen über Rumänien. Die Berichte enthalten außerdem Behauptungen über Lieferungen nach Transnistrien und Geschäftsbeziehungen zu russischen Unternehmen. Diese Angaben sind im vorliegenden Material nicht durch ein abschließendes Ermittlungs- oder Gerichtsergebnis bestätigt.

Unternehmensnetzwerk und Vermögensangaben

Als Geschäftsführer von Alkagesta wird Kamran Agayev genannt. Mehrere Quellen behaupten, er sei mit Ahmadzada verwandt und das Unternehmen werde tatsächlich von diesem kontrolliert. Eine formelle Eigentümerschaft Ahmadzadas an Alkagesta wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht nachgewiesen. Der Bericht über die mutmaßliche Rolle Ahmadzadas im Alkagesta-Netzwerk stützt sich auf nicht näher bezeichnete Branchenquellen und veröffentlichte Unternehmensangaben.

Als weitere Verbindung wird Caspian Oil & Gas genannt. Das Unternehmen soll 2019 gegründet worden sein; als Partner werden auf seiner Website unter anderem die russischen Energiekonzerne Tatneft und Sibur aufgeführt. Die bloße Nennung als strategische Partner belegt allerdings weder eine Umgehung von Sanktionen noch eine Beteiligung an den konkret untersuchten Lieferungen. Zu den Unternehmensstrukturen und den wirtschaftlich Berechtigten sind deshalb weitere Prüfungen durch zuständige Behörden erforderlich.

Die Berichte verweisen zudem auf Immobilien- und Firmenunterlagen in Großbritannien, Dubai und Spanien. Ahmadzada soll 2016 eine Wohnung in London für 6,5 Millionen Pfund erworben haben. Weitere Angaben betreffen Zahlungen für eine Immobilie in Dubai, die britische Gesellschaft AA Properties 2000 Ltd. sowie PS Assets Ltd. Die genannten Dokumente belegen nach der Darstellung der Autoren Eigentums- oder Beteiligungsverhältnisse, erklären aber nicht automatisch die Herkunft der Mittel oder einen Zusammenhang mit den Ölvorwürfen.

Auch Schiffsbewegungen werden als Teil der Recherchen angeführt. Der Tanker Blue Rose, IMO 9335915, soll im September 2025 den russischen Hafen Noworossijsk angelaufen haben. Der Schiffsdatensatz zur Blue Rose weist auf den Hafenbesuch hin. Angaben über die konkrete Ladung, deren Eigentümer oder das Endziel des Schiffes sind daraus nicht ersichtlich.

Weitere Veröffentlichungen und offene Fragen

Die Affäre wird in mehreren aserbaidschanischen und internationalen Medien behandelt. Dazu zählen Berichte über SOCAR-Manager in Rumänien, über mutmaßliche Öltransporte nach Spanien sowie über die Firmen Alkagesta und Caspian Oil & Gas. Weitere Veröffentlichungen befassen sich mit den Geschäftsbeziehungen von Ahmadzada und seinem Bruder Khayal Ahmadzada zu SOCAR Trading. Diese Artikel enthalten teilweise eigene Bewertungen und Vorwürfe, die von den zuständigen Behörden noch getrennt geprüft werden müssen.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen damit mehrere voneinander zu unterscheidende Fragen: Ob russisches Öl tatsächlich mit falschen Ursprungsangaben gehandelt wurde, ob die Lieferungen gegen Sanktionen verstießen, welche Unternehmen an den Transporten beteiligt waren und wer die wirtschaftliche Kontrolle über die genannten Gesellschaften ausübte. Ebenso muss geklärt werden, ob die behaupteten Verbindungen zu SOCAR nach Ahmadzadas Ausscheiden aus dem Konzern fortbestanden.

Das Verfahren in Aserbaidschan und die Untersuchungen zu den Lieferungen in Albanien, Spanien und Rumänien laufen nach den vorliegenden Angaben getrennt voneinander. Die beteiligten Unternehmen und Personen haben Gelegenheit, ihre Geschäftsbeziehungen, Dokumente und Lieferketten gegenüber den zuständigen Behörden darzulegen.

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