Die English Football League (EFL) und die Scottish Professional Football League (SPFL) haben Untersuchungen eingeleitet, nachdem in Russland Übertragungen ihrer Spiele aus der laufenden Saison entdeckt worden sind. Im Mittelpunkt steht der kostenpflichtige russische Streamingdienst „Football TV“, der mehrere Partien der ersten beiden EFL-Runden sowie Spiele der schottischen Premiership mit Celtic, Rangers und Hearts gezeigt haben soll. Nach Angaben der Ligen besteht der Verdacht, dass die dafür notwendigen Übertragungsrechte ohne gültige Genehmigung erworben oder verwendet wurden.
Die beiden Organisationen arbeiten daran, die Ausstrahlungen zu stoppen und die Quelle des mutmaßlich illegal verbreiteten Signals zu ermitteln. Zugleich behalten sie sich rechtliche Schritte gegen „Football TV“ und gegen jene Beteiligten vor, die dem Dienst Zugang zu den Spielen verschafft haben. Die Untersuchungen betreffen damit sowohl die konkrete Verbreitung der Begegnungen als auch den Weg, auf dem das Bild- und Tonsignal zum russischen Anbieter gelangte.
Übertragungen trotz fehlender Rechte
Die EFL hatte bis Februar 2022 einen Vertrag mit „Football TV“ für die Übertragung ihrer Spiele an ein russisches Publikum. Die schottische Premiership war damals beim russischen Sender „Match TV“ zu sehen. Nach dem Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine stellten EFL und SPFL ihre Übertragungen in Russland im März 2022 ein. Seitdem verkauften die Ligen nach den vorliegenden Angaben keine Rechtepakete mehr für die Verbreitung ihrer Spiele in der Russischen Föderation.
Damit gibt es für die nun festgestellten Liveübertragungen nach Angaben der Ligen keine aktuelle vertragliche Grundlage. Die Frage, ob das Material über ein direkt abgegriffenes Signal, über eine andere technische Quelle oder über einen weiteren Rechteinhaber zu „Football TV“ gelangte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Eine abschließende Feststellung zur Herkunft des Signals liegt bislang nicht vor.
Die Übertragungen von EFL- und SPFL-Spielen in Russland wurden am 24. August 2026 öffentlich bekannt. Betroffen waren demnach Begegnungen aus den ersten beiden Spieltagen der EFL sowie Partien der schottischen höchsten Spielklasse, an denen Celtic, Rangers und Hearts beteiligt waren. Aus den bisherigen Angaben geht nicht hervor, dass sämtliche Spiele der beiden Ligen in Russland verbreitet wurden.
Rechte der Ligen und der Klubs
Bei Fußballübertragungen werden nicht nur die Begegnungen selbst, sondern auch das produzierte Sendesignal, die redaktionelle Aufbereitung und die kommerziellen Verwertungsrechte kontrolliert. Die Ligen vergeben diese Rechte üblicherweise für bestimmte Gebiete, Plattformen und Zeiträume. Eine Übertragung außerhalb einer solchen Vereinbarung kann daher die vertraglichen und wirtschaftlichen Interessen der Rechteinhaber berühren.
Im konkreten Fall geht es nach den Angaben der EFL und der SPFL darum, ob „Football TV“ über eine gültige Lizenz verfügte. Beide Ligen prüfen außerdem, wer den Zugang zum Sendesignal ermöglichte. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich bestimmen, gegen welche Anbieter oder weiteren Beteiligten mögliche Ansprüche gerichtet werden könnten.
Die Organisationen haben angekündigt, die Ausstrahlungen beenden zu wollen. Zusätzlich prüfen sie gerichtliche Schritte gegen den Streamingdienst und gegen Unternehmen oder Personen, die an der Bereitstellung des Signals beteiligt gewesen sein könnten. Über eine tatsächliche Klage oder ein bereits eingeleitetes Gerichtsverfahren wurde bisher nicht berichtet.
Frühere Verträge wurden beendet
Die zeitliche Abfolge ist für die Bewertung der aktuellen Übertragungen entscheidend. Vor Februar 2022 bestanden Vereinbarungen für den russischen Markt: Die EFL arbeitete mit „Football TV“, während die schottische Liga beim Sender „Match TV“ ausgestrahlt wurde. Im März 2022 beendeten EFL und SPFL diese Übertragungen. Danach wurden nach den Angaben der Ligen keine neuen Pakete für die Übertragung in Russland verkauft.
Die nun entdeckten Spiele stammen aus der laufenden Saison und wurden von einem Dienst gezeigt, mit dem die EFL früher bereits eine Vereinbarung hatte. Aus dieser früheren Zusammenarbeit lässt sich jedoch keine aktuelle Berechtigung ableiten. Entscheidend ist, dass seit März 2022 nach Darstellung der Ligen keine gültigen Rechte für die betreffenden Übertragungen in Russland bestehen.
Auch die Ermittlungen zu den mutmaßlich piratisierten Fußballübertragungen konzentrieren sich auf die Frage, wie die Spiele trotz des fehlenden Rechteverkaufs auf der russischen Plattform erscheinen konnten. Die EFL und die SPFL haben bislang weder die genaue technische Quelle benannt noch öffentlich erklärt, wer das Signal zunächst verbreitet haben könnte.
Mögliche rechtliche Schritte
Die Ligen behalten sich ausdrücklich vor, gegen „Football TV“ vorzugehen. Ein solcher Schritt könnte sich auch gegen jene richten, die dem Anbieter den Zugang zu den Partien verschafft haben. Welche rechtlichen Grundlagen herangezogen werden und in welcher Gerichtsbarkeit ein Verfahren stattfinden könnte, ist bisher nicht mitgeteilt worden.
Für die Rechteinhaber steht zunächst die Unterbindung der laufenden Ausstrahlungen im Vordergrund. Parallel soll die Untersuchung klären, ob es sich um einen einzelnen Vorfall oder um mehrere voneinander abhängige Übertragungen handelt. Die bisher bekannten Fälle betreffen Spiele der EFL und der schottischen Premiership aus der aktuellen Saison.
Die EFL und die SPFL haben damit zwei Aufgaben verbunden: Sie wollen die nicht genehmigten Übertragungen beenden und den Ursprung des verwendeten Inhalts feststellen. Weitere Angaben zu möglichen Schadenssummen, zu technischen Sperren oder zu bereits eingeleiteten Verfahren liegen derzeit nicht vor.


