Die Europäische Union plant, ihre Möglichkeiten zur Inspektion von Öltankern der sogenannten „Schattenflotte“ zu verstärken. Am 19. Oktober 2025 veröffentlichte Politico Auszüge aus einem von den Diensten der EU-Außenbeauftragten vorbereiteten Papier, das bilaterale Abkommen mit Flaggenstaaten vorsieht, um vorherige Zustimmungen für Bordkontrollen zu ermöglichen (Politico veröffentlichte das Dokument). Ziel ist, die Durchsetzung bestehender Sanktionen gegen russische Öltransporte zu verbessern und Umgehungspraktiken zu unterbinden.
Kerninhalte des EEAS-Papiers
Das Papier der Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS) schlägt vor, Mitgliedstaaten ein zusätzliches Instrumentarium zu geben, einschließlich präventiver Absprachen mit Flaggenstaaten und Küstenstaaten, die logistische Unterstützung leisten. Vorgesehen sind Maßnahmen zur Deregistrierung sanktionierter Schiffe aus nationalen Registern sowie Listen zusätzlicher Zielobjekte wie Versicherer und Registrare. Ferner werden weitergehende Beschränkungen diskutiert — etwa Verbote materieller Unterstützung einschließlich Treibstofflieferungen an auffällige Schiffe.
Politische Schritte und Zeitplan
Die EEAS strebt an, den Entwurf einer Erklärung bis Ende November abzuschließen und ihn auf der folgenden Ratsrunde vollständig zu beschließen. Nach Annahme soll die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, den Rat um Mandate für Verhandlungen mit ausgewählten Flaggenstaaten bitten. Zugleich führt die EU bereits Gespräche mit prioritären Flaggen- und Anrainerstaaten, um kurzfristig wirksame Maßnahmen zu ermöglichen.
Risiken für Umwelt und Sicherheit
Mitgliedstaaten warnen im Papier vor erheblichen Umwelt- und Sicherheitsrisiken: Viele Schiffe wechseln häufig die Flagge, operieren ohne adäquate technische Überwachung, verschleiern Versicherungen und erhöhen somit die Gefahr von Ölverschmutzungen und Unfällen. Zudem wird in dem Dokument auf die mögliche Nutzung einzelner Schiffe als Plattformen für hybride Bedrohungen hingewiesen, etwa als Ausgangspunkt für Drohnenoperationen gegen kritische Infrastruktur.
Ergänzende Sanktionsoptionen und Folgen
Das EEAS-Dokument empfiehlt, neben institutionellen Maßnahmen auch gezielte persönliche Sanktionen gegen Kapitäne, Reedern und Crew-Mitglieder zu prüfen, die an der Umgehung der Beschränkungen beteiligt sind. Zudem könnte die EU künftig gezielt Häfen, Terminals und Betreiber in den Blick nehmen, die das Funktionieren der Schattenflotte ermöglichen. Solche Maßnahmen sollen die Lücken im internationalen Schiffsregister- und Versicherungsumfeld schließen und die Einnahmequellen, die den Krieg in der Ukraine finanzieren, empfindlich treffen.


