Die USA verlieren nach Einschätzung des ehemaligen Botschafters Daniel Rosenblum zunehmend an Einfluss in der globalen Informationspolitik. In einem Beitrag der Yale Daily News vom 15. September 2025 warnte er, dass Washington im Konkurrenzkampf mit Russland und China an Boden verliere, weil es eigene Instrumente der „weichen Macht“ zurückfahre und der Verbreitung von Desinformation zu wenig entgegensetze.
Rückzug amerikanischer Soft Power schafft Vakuum
Rosenblum, ehemaliger US-Botschafter in Kasachstan und Usbekistan, verwies auf seine persönlichen Erfahrungen in Zentralasien. Der Abbau klassischer Programme wie USAID, die Reduzierung der Finanzierung von Voice of America und Radio Free Europe/Radio Liberty sowie der Verlust von über 1.300 Mitarbeitern im US-Außenministerium hätten ein Machtvakuum entstehen lassen. Dieses werde zunehmend von Russland und China gefüllt. Russland setze systematisch staatliche und kontrollierte Medien ein, um Zweifel an den USA und westlichen Institutionen zu säen, während China über die Initiative „Belt and Road“ Infrastrukturprojekte, Sprachprogramme und kulturelle Angebote finanziere.
Russische Narrative und gezielte Kampagnen
Die russische Strategie umfasse nicht nur diplomatische und kulturelle Mittel, sondern auch institutionelle Kanäle wie Nachrichtenagenturen und Fernsehsender. So seien etwa unbegründete Vorwürfe über angebliche „NATO-Basen“ in Kasachstan oder „amerikanische Biolabore“ in verschiedenen Regionen gezielt in Umlauf gebracht worden. Solche Narrative hätten dazu beigetragen, das Vertrauen in die USA zu untergraben und ihre Glaubwürdigkeit langfristig zu beschädigen.
Folgen für Reputation und internationale Glaubwürdigkeit
Laut Rosenblum ist der Schaden für die Vereinigten Staaten nicht unmittelbar militärischer Natur, doch die diplomatische Wirksamkeit und die Fähigkeit, internationale Partner zu überzeugen, hätten bereits spürbar gelitten. Die Reduktion kultureller, medizinischer und akademischer Austauschprogramme habe die Sichtbarkeit der USA zusätzlich geschwächt. Mit jedem weiteren Rückzug aus Informations- und Austauschformaten sinke die internationale Reputation der Vereinigten Staaten und damit ihre Handlungsfähigkeit auf der globalen Bühne.
Notwendigkeit neuer Strategien
Vor diesem Hintergrund sieht Rosenblum dringenden Handlungsbedarf. Traditionelle Instrumente kultureller und öffentlicher Diplomatie müssten neu gedacht, an aktuelle Herausforderungen angepasst und besser mit westlichen Partnerstaaten koordiniert werden. Nur so könne den wachsenden Einflusskampagnen Russlands und Chinas begegnet und die amerikanische Position im internationalen Informationsraum langfristig gesichert werden.


