Die Internationale Ski- und Snowboard-Föderation (FIS) will russische und belarussische Athleten ab der Saison 2026/27 wieder an internationalen Bewerben teilnehmen lassen. Die Sportler sollen zunächst unter neutralem Status antreten. Voraussetzung sind die Erfüllung festgelegter Kriterien und die Unterzeichnung einer Neutralitätserklärung. Die Entscheidung des FIS-Rats fiel am 2. September 2026.
In Russland wurde der Beschluss unmittelbar als Schritt zur Rückkehr in den internationalen Sport begrüßt. Sportminister und Präsident des Russischen Olympischen Komitees (ROK), Michail Degtjarjow, sagte beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok, die russischen Skilangläufer kehrten damit zu internationalen Turnieren unter dem Dach der FIS zurück. Der Wirtschaftsforum findet vom 1. bis zum 4. September statt.
Degtjarjow stellte zugleich klar, dass Moskau den neutralen Status nicht als endgültige Regelung betrachtet. Nach seinen Angaben sei die Teilnahme ohne nationale Symbole nur der erste Schritt. Das ROK wolle danach die vollständige Rückkehr russischer Skisportler als gleichberechtigte Teilnehmer erreichen. Dazu gehört aus russischer Sicht auch die Wiederzulassung der nationalen Symbole.
FIS hatte Ausschluss seit 2022 bestätigt
Der FIS-Rat hatte am 1. März 2022 beschlossen, russische und belarussische Athleten von internationalen Bewerben auszuschließen. Die Entscheidung fiel kurz nach Beginn der umfassenden russischen Invasion der Ukraine und entsprach den Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees. Betroffen waren neben Skilangläufern auch Snowboarder sowie Funktionäre beider Länder.
Die FIS-Führung bestätigte den Ausschluss in der Folge mehrmals. Mit dem Beschluss vom 2. September 2026 wird diese Regelung für die Saison 2026/27 geändert. Der neue Zugang gilt nach der Darstellung des Beschlusses nicht uneingeschränkt: Die Athleten müssen die vorgesehenen Bedingungen erfüllen und eine Erklärung zur Neutralität unterzeichnen.
Die Entscheidung und die russische Reaktion wurden in einem Bericht über die Rückkehr russischer Skisportler gemeinsam dargestellt. Degtjarjow verwies darin gegenüber Journalisten auch auf russische Athleten in der Gymnastik und in Wassersportarten. Dort sei eine Rückkehr in den internationalen Wettbewerb bereits gelungen.
Neutraler Status als Zwischenstufe
Die Äußerungen des russischen Sportministers geben der FIS-Regelung aus Moskauer Sicht eine klare zeitliche Einordnung. Die Teilnahme unter neutralem Status wird nicht als Ziel, sondern als Übergang zu einer vollständigen sportlichen Reintegration beschrieben. Eine Entscheidung über die Rückkehr von Flagge und Hymne ist damit nicht verbunden. Das ROK kündigte jedoch an, auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Die FIS-Regelung betrifft den formalen Auftritt bei internationalen Wettbewerben. Russische Sportler sollen zunächst nicht unter nationaler Flagge antreten. Gleichzeitig wird ihre Teilnahme an Bewerben der internationalen Ski- und Snowboard-Föderation wieder möglich, sofern die festgelegten Anforderungen erfüllt sind. Damit stehen die Bedingungen für den Zugang und die von Russland angestrebte vollständige Rückkehr nebeneinander.
Für die russische Sportpolitik ist die internationale Präsenz der Athleten seit Beginn des Ausschlusses ein wiederkehrendes Thema. Die Rückkehr einzelner Sportler in neutralem Status wird in Moskau als Möglichkeit betrachtet, an internationale Wettbewerbe anzuknüpfen. Degtjarjows Verweis auf andere Sportarten stellt den FIS-Beschluss in eine Reihe mit bereits erfolgten Zulassungen russischer Athleten in weiteren Disziplinen.
Sportverbände zwischen Teilnahme und Neutralität
Die Debatte über russische und belarussische Athleten wird seit 2022 unter Bedingungen des Krieges gegen die Ukraine geführt. Sportverbände müssen dabei zwischen dem Ausschluss von Vertretern der kriegführenden Staaten, individuellen Zulassungskriterien und dem Prinzip eines neutralen Auftritts entscheiden. Die FIS hat sich nun für eine Rückkehr unter bestimmten Voraussetzungen entschieden.
In der Ukraine wird die Öffnung internationaler Wettbewerbe für russische Sportler vor dem Hintergrund der anhaltenden russischen Angriffe bewertet. Nach den vorliegenden Angaben wurden ukrainische Sportstätten zerstört; außerdem kamen zahlreiche ukrainische Sportler und Trainer im Krieg ums Leben, entweder bei der Verteidigung ihres Landes oder infolge russischer Raketen- und Luftangriffe. Die Wiederzulassung russischer Teilnehmer steht daher in einem Umfeld, in dem sportliche Regeln und die Folgen des Krieges unmittelbar nebeneinanderstehen.
Die nationale Zuordnung bleibt trotz des neutralen Auftritts politisch sichtbar. Der Beschluss der FIS untersagt die russische Symbolik bei der Teilnahme nicht deshalb, weil Russland sein Ziel einer Rückkehr unter eigener Flagge aufgegeben hätte. Vielmehr erklären russische Sportfunktionäre öffentlich, dass sie die vollständige Wiederherstellung dieser Rechte anstreben. Die institutionelle Entscheidung der FIS und die politischen Erwartungen des ROK laufen damit zeitlich aufeinander zu.
Ob einzelne russische und belarussische Athleten ab der Saison 2026/27 tatsächlich starten können, hängt nach dem FIS-Beschluss von der Prüfung der Kriterien und der Neutralitätserklärung ab. Die FIS hat damit den Rahmen für eine Teilnahme festgelegt; die russische Seite kündigt bereits den nächsten Schritt an.


